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Sprachguide

Der hannöversche Sprachgebrauch

Oft heißt es, an der Leine würde das reinste Hochdeutsch gesprochen. Stimmt das? Und welche hannoverschen Wörter und Redewendungen sollte ein Neu-Hannoveraner kennen, um seine neuen Nachbarn zu verstehen? 

Angeblich sprechen die Hannoveraner das reinste – sprich dialektfreieste – Deutsch und kommen dem Hochdeutschen am nächsten. Warum das so ist, erklärt Christoph Drösser in der "Stimmt's"-Kolumne der "Zeit" vom 8. Juni 2000: "Das, was wir heute als Hochdeutsch bezeichnen, ist nämlich eine Kunstsprache, die aus keinem der deutschen Dialekte hervorgegangen ist, erzählt Herbert Blume, Sprachwissenschaftler an der TU Braunschweig. Hochdeutsch ist nichts weiter als der Versuch, das seit dem späten Mittelalter einigermaßen vereinheitlichte geschriebene Deutsch auszusprechen. Noch bis Ende des 18. Jahrhunderts galt das "Meißnische" als das Nonplusultra der deutschen Hochsprache, was vor allem auf die literarische Blüte Sachsens zurückzuführen ist. Aber irgendwann merkte das Bürgertum in den großen Städten, dass die Sachsen doch ihre phonetischen Schwierigkeiten hatten, vor allem bei der Differenzierung zwischen b und p, g und k, d und t. Der imagemäßige Abstieg des sächsischen Dialekts begann. Und es stellte sich heraus, dass das Plattdeutsche der Niedersachsen (deren kulturelles Zentrum damals noch Braunschweig war und nicht Hannover) über den besten Vorrat an Lauten verfügte, um das Schriftdeutsch wiederzugeben. In den norddeutschen Städten schaffte es das neue Hochdeutsch schnell, den Dialekt fast völlig zu verdrängen. Um 1790 riet schließlich der Schriftstellers Karl Philipp Moritz den Berliner Damen, denen er das feine Sprechen beibringen sollte, sich die Braunschweiger und Hannoveraner zum Vorbild zu nehmen."

Ein kleiner Sprachguide für Neu-Hannoveraner 

Und dennoch gibt einige Wörter, die nur in Hannover genutzt werden. Eine kleine Auswahl "echt hannöverscher" Wörter:

Anbucken
Sich anlehnen, ankuscheln.

Bollo
Ein Bonbon, meist dick und rund.

Limmern
Die Limmerstraße ist die zentrale Flaniermeile im Szene-Stadtteil Linden. Mit ihren zahlreichen Cafes, Bars und vor allem Kiosken erfreut sie sich bei Nachtschwärmern großer Beliebtheit. Das Sitzen oder Laufen auf der Limmerstraße, stilecht mit einem Getränk vom Kiosk, hat mit "limmern" sogar ein eigenes Verb bekommen. Was dem Berliner sein Späti ist und dem Hamburger sein cornern, ist in Hannover das Limmern am Kiosk.

Döllmern
Sich ungeschickt, tollpatschig verhalten.

Dulli
Jemand der döllmert.

Krökeln
Tischfußball spielen, anderswo auch "kickern" genannt.

Mölmen
Qualmen, stinken.

Nebgen-Bude
Carl Nebgen übernahm 1892 rund hundert Trinkhallen, seine Nachfahren führten um 1970 ca. 80 Kioske in der Stadt, bevor das Unternehmen 1987 in die Zahlungsunfähigkeit geriet.

Es gibt sogar ein richtiges "Hannoversches Wörterbuch". Schon vor einem halben Jahrhundert hatte der HAZ-Journalist und Schriftsteller Hans J. Toll mit Hilfe seiner Leser Wörter und Redensarten gesammelt. 2011 ist eine neue Auflage im hannoverschen Verlag Leuenhagen und Paris mit vielen Ergänzungen, Erläuterungen und Korrekturen erschienen (ISBN 978-3-923976-68-3, 9,99 Euro).

Liebevolle Ortsbezeichnungen und Abkürzungen

Dass markante Gebäude Kosenamen bekommen oder lange Straßennamen abgekürzt werden, ist nicht nur in Hannover so. Aber wohl nur in Hannover kennt man diese:

Aegi
Wer ist ein Aegi? Ein zentraler Platz und U-Bahn-Knotenpunkt. Der Aegidientorplatz – in Hannover kurz Aegi genannt – ist nach dem gleichnamigen Stadttor des mittelalterlichen Hannovers benannt und bildet die Grenze zwischen den Stadtteilen Südstadt und Mitte. Das Tor wiederum wurde laut "Stadtlexikon Hannover" (Hrsg. Klaus Mylnek und Waldemar R. Röhrbein) nach der Aegidienkirche benannt.

E-Damm
Mit der Elektrifizierung hat dieser Name nichts zu tun, auch wenn auf bzw. unter dem E-Damm die Stadtbahnen der Linien 6 und 11 verkehren. Vielmehr handelt es sich um den Engelbosteler Damm, der Hauptgeschäftsstraße in der Nordstadt. Sie führt vom zentrumsnahen Klagesmarkt Richtung Engelbostel, einer kleinen Ortschaft in der Nähe des Flughafens.

Niedersachsenstadion
AWD-Arena, HDI-Arena? Die Umbenennungen sind dem Ur-Hannoveraner egal, es ist und bleibt sein Niedersachsenstadion.

Podbi
Was ist ein Podbi? Klingt niedlich, ist aber die gebräuchliche Abkürzung für die Podbielskistraße (sprich: Pod-bi-elski-straße), eine teils vierspurige und 5,2 Kilometer lange Ausfallstraße Straße, die am Lister Platz beginnt und stadtauswärts in nordöstlicher Richtung bis zum Messeschnellweg führt. Benannt wurde sie nach dem preußischen Generalleutnant Victor von Podbielski.

Schwarzer Bär
Lebt der "Schwarze Bär" im Zoo? Oder ist er gar ausgestopft und irgendwo als Trophäe ausgestellt? Es ist viel harmloser als es klingt: Der "Schwarze Bär" ist ein Platz und Verkehrsknotenpunkt im Stadtteil Linden. Der Name leitet sich von einer ehemaligen Gaststätte gleichen Namens ab. Bis 2005 war auf dem Platz weit und breit kein Bär zu sichten, erst im Zuge der Neugestaltung des Platzes wurde eine schwarze Bärenskulptur aufgestellt.