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Sonnenauf- und untergänge

Am Leine-Wehr „Schneller Graben“

Auf der sanft gewellten Wasseroberfläche spiegeln sich die Bäume vom gegenüberliegenden Ufer in unzähligen Grüntönen und umspülen ein paar Paddler, das immer wärmer werdende Sonnenlicht macht aus dem Klinkerhaus am Wehr ein Wasserschloss in der Toskana und der Abendhimmel taucht langsam vom zarten Blau ins blasse Gelb. 

Bald schon werden violette Wolkenbüschel stumm vorüberziehen. Eine sommerliche Symphonie der Farben. Und alles fließt.

Die Abendgala an der Leine

Das beschauliche Wiesenplätzchen für die himmlische Abendshow am Schnellen Graben liegt etwas versteckt in der Leinemasch hinterm Stadion. Wer mit dem Auto zum Sonnenuntergang anreist, kann auf dem Ferdinand-Wilhelm-Fricke-Weg vorbei an der Rückseite der HDI Arena und der Gilde Parkbühne bis zum Parkplatz vor dem Sportleistungszentrum am Olympiastützpunkt Niedersachsen fahren und von dort in aller Ruhe der Sonne am nahen Ufer der Leine entgegengehen. Fußgänger und Radler nehmen am besten an der Westseite des Maschsees die Brücke über die Leine hinterm Hannoverschen Ruder-Club von 1880 e.V. und spazieren dann links am Ufer entlang bis zum Logenplatz auf der Liegewiese. Dort sitzt ein jeder in der ersten Reihe und blickt auf die Leine, die auf einer Länge von 600 Metern gleich auf zwei Bühnen auftritt, vom Wehr durch ein sanftes Gefälle getrennt. Der Schnelle Graben wird dabei zum rund 20 Meter langen Orchestergraben, von dem leise die nie endende Melodie des hinab fließenden Wassers herüber klingt.

Drei Meter für drei Millionen

Zu verdanken ist diese be(rauschende) Entspannungsmusik der Weitsicht der hannoverschen Stadtväter, die 1742 den Bau des Wehrs veranlasst haben, um bei Hochwasser die Leine über den benachbarten Stadtfluss Ihme (der nur wenige Meter weiter westlich sich mit der Leine vereinigt) zu entlasten und so auch heute noch um Hannover herumzuleiten. Als die Anlage drei Jahre später in Betrieb genommen wurde, war sie mit 51.000 Talern das bis dahin teuerste Bauwerk der Stadt. Erst 140 Jahre später entstand die Idee, das Drei-Meter-Gefälle des Wassers zur Stromerzeugung zu nutzen. Mit dem jährlichen Ertrag von rund drei Millionen Kilowattstunden kann das am 3. November 1921 in Betrieb genommene Wasserkraftwerk Schneller Graben (das mächtige Klinkerhaus am linken Ufer, das im immer wärmer werdenden Sonnenlicht sich in ein toskanisches Wasserschloss zu verwandeln scheint) rund 1.500 Haushalte in Hannover mit natürlich gewonnenem Strom versorgen. Auf einer Kanutour kann man sich all das auch aus nächster Nähe ansehen. Die Boote können einzeln angemietet oder als Gruppentour gebucht werden über den Kanuverleih Hannover, Treffpunkt und Einstieg befinden sich auf der rechten Uferseite direkt unterhalb des Wehrs.