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Am Leibnizufer bei den Nanas

Nirgendwo sonst in Hannover und im Rest der Welt kann man in aller Öffentlichkeit ganz ungeniert und unverbindlich mit gleich drei berühmten Schönheiten zum Frühstück flirten, am Nachmittag sonnenbaden oder das Abendbrot im Abendrot genießen. 

Das Rendezvous mit den knallbunten und quietschvergnügten Nanas Caroline, Charlotte und Sophie bringt Farbe und Freude in den Alltag.

So kommt man vom Kröpcke aus hin

Am besten zu Fuß über Georgstraße links in die Große Packhofstraße, rechts in die Heiligerstraße die zu Am Marstall wird, an der Leine über die Brücke und dann links noch ca. 90 Meter zu den Nanas (ca. zehn Geh-Minuten).

Poppige Powerfrauen sorgen erst für Protest

Die farbenfrohen Plastiken am Ufer der Leine sind die berühmtesten Kunstwerke der französisch-schweizerischen Malerin und Bildhauerin Niki de Saint Phalle und zählen zu den am meisten fotografierten Motiven der niedersächsischen Landeshauptstadt. Auch wenn die Nanas (ein Begriff, der in der französischen Umgangssprache für moderne, selbstbewusste und erotische Frauen steht) heute das vielleicht bekannteste Wahrzeichen von Hannover sind, die drei drallen Damen mit ihren ausladenden Brüsten, dicken Bäuchen und prallen Hintern waren bei ihrer "Einbürgerung" in Hannover nicht ganz unumstritten. Nachdem die überlebensgroßen Polyester-Plastiken von Niki de Saint Phalle im Januar 1974 am Leibnizufer der Leine als Avantgarde der späteren Skulpturenmeile Hannover aufgestellt wurden, gab es erst einmal heftigen Protest.

Zwar wurden die drei Nanas nach der Astronomin Caroline Herschel, Goethes Idol und Schwarm Charlotte Buff und der Kurfürstin Sophie von der Pfalz benannt, doch die modernen Abbilder der historischen Vorbilder für emanzipierte Frauen ihrer Zeit präsentieren sich alles andere als tugendhaft: Niki de Saint Phalles Nana Caroline steht Kopf, Charlotte lockt mit prächtigen Rundungen und Sophie tanzt mit den Armen in der Luft auf einem Bein. Doch damit nicht genug: man empörte sich über die offen zur Schau gestellten ausladenden Kurven der drei Frauenfiguren und befürchtete, dass Autofahrer davon abgelenkt werden würden. Die Plastiken wurden beschmiert, und eine Bürgerinitiative forderte sogar "Weg mit den Nanas" und sammelte für ihre Petition immerhin fast 20.000 Unterschriften.

Überraschung bei der Künstlerin

"Ich war vollkommen überrascht, dass sie so eine Empörung auslösten", sagte Niki de Saint Phalle 1991 in einem Interview mit Radio France. "Ich glaube zwar nicht, dass die Nanas meine besten Werke sind, aber ich habe damit den Zeitgeist getroffen. Der Feminismus kam gerade auf, und auch wenn ich nie offiziell in der Frauenbewegung war, bin ich durch und durch Feministin. Das war in meinem Leben immer ein starker Motor. Und wenn man sich meine Generation anguckt, da bin ich vielleicht die Künstlerin, die die größten Skulpturen gebaut hat. Ich bin verrückt nach Größe, ich habe einen Größenwahn – aber einen weiblichen, das ist etwas anders."

Erst Gerangel, dann die große Liebe

Für Niki de Saint Phalle war dieser Protest, den sie selbst "the battle" nannte, sehr willkommen – schließlich hat sie ihre Nanas als ein Beitrag zur aufkeimenden Frauenbewegung Mitte der 1960er Jahre gesehen, die mit ihren überdimensionierten Kurven wortwörtlich für Weiblichkeit, Selbstbestimmung und hemmungslose Lebensfreude stehen.

Der Streit um die Nanas wurde am Ende dann auf typisch hannöversche Weise gelöst: ein Tauziehen zwischen Befürwortern und Gegnern sollte darüber entscheiden, ob die zügellosen Weibsbilder bleiben dürfen oder nicht. Caroline, Charlotte und Sophie blieben, und seitdem ist nicht nur Hannover ganz verliebt in sie. Mittlerweile bilden die Nanas den Auftakt zur Skulpturenmeile, die mit ihren acht monumentalen Kunstwerken im öffentlichen Raum bis zum Königsworther Platz reicht. Im Mittelpunkt allerdings stehen die drei Schönen jeden Sonnabend beim ältestem Flohmarkt in Deutschland, wenn an beiden Uferseiten entlang der Leine vom Morgengrauen bis in den Nachmittag getrödelt, gefeilscht und geplaudert wird.

Shopping-Passage und eine Grotte

Im EXPO-Jahr 2000 wird Niki de Saint Phalle zur Ehrenbürgerin von Hannover ernannt. Aus Dankbarkeit darüber vermachte sie dem Sprengel Museum Hannover mehr als 400 ihrer Werke. Zwei Jahre später am 21. Mai stirbt die Schöpferin der Nanas im Alter von 72 Jahren im kalifornischen San Diego. Als Hommage an die Künstlerin und ihre enge Beziehung zu Hannover wird die Einkaufspassage "Passerelle" im Souterrain zwischen Hauptbahnhof und Kröpcke nach ihrer Sanierung und Neugestaltung in "Niki-de-Saint-Phalle-Promenade" umbenannt. Und dann wäre da ja auch noch die Niki de Saint Phalle Grotte in den Herrenhäuser Gärten, die 1999 von der Künstlerin gestaltet wurde. Sowohl die historische Grotte als auch die königlichen Gärten sind übrigens auch wunderbare Orte in Hannover zum Verweilen oder für ein Rendezvous.