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Das schmucke Filmtheater in der Südstadt

Esplanade – geblieben ist der Name

Kinokenner sehen auf den ersten Blick, dass es schräg gegenüber vom Stephansplatz in der Südstadt einmal dieses charmante Stadtteilkino gab. Zwar deutet heute von außen nur wenig darauf hin, aber das Wohnhaus mit der blau gerahmten Fassade im Terrakotta-Look und dem bunten Mosaik zwischen den beiden grün gestrichenen Flügeltüren trägt noch immer den goldigen Schriftzug "Esplanade". Das kleine Schmuckstück in der Geibelstraße 39 mit rund 700 Plätzen öffnete im Februar 1953 seine Türen. Nach der Schließung 1972 zog dort für einige Jahre ein Farben- und Tapetenhandel ein, seitdem werden die nach wie vor nostalgisch anmutenden Räumlichkeiten von einem Geschäft für Mode, Möbel, Weine und Wohnaccessoires genutzt.

Vorhang auf für "Frühling auf dem Eis" und "nett improvisierte Plaudereien"

Das "Esplanade" wurde am 12. Februar von Karl Wulfmeier eröffnet. Das ovale Kinosaal hatte, wie im Magazin "Der neue Film" Ausgabe 60/1955 nachzulesen ist, eine Bühne für CinemaScope- und Breitwand-Vorführungen und war "mit einem goldfarbenen Damastvorhang, neuen Wandleuchten und einer neuen Wandbekleidung ausgestattet."

Über den Eröffnungstag wird anschaulich in "Der neue Film" Ausgabe 14/1953 berichtet: "Georg H. Will gab als Vorsitzer des WdF Niedersachsen Herrn Wulfmeier gute Wünsche mit auf den Weg, würdigte die Leistungen der am Bau Beteiligten, um schließlich mit 'Gut Licht, gut Ton und volle Kassen!' das Startzeichen zu geben. Das Programm begann mit dem Publikumsschlager 'Frühling auf dem Eis'. Nach der Vorstellung brachte Charlott Daudert eine nett improvisierte Plauderei in Vertretung des 'wegen Gewichts- und Grenzschwierigkeiten' verhinderten Oskar Sima. Das 'Esplanade' erhielt, von Architekt A. Goetsch gestaltet, durch seine geräumige Eingangshalle, in der auch der Kassenraum untergebracht ist, das Foyer und die Aufgänge eine eigene repräsentative Note. Alle 700 Plätze (einschließlich der 180 auf dem Rang) sind hochgepolstert. Die nach modernsten Gesichtspunkten geschaffene technische Anlage mit 2 Bauer-B-8-A-Maschinen (mit HI 75 A und Klangfilm-Eurodyn-Gestell-Anlage M) erstellte die Firma Siemens Klangfilm GmbH."

Nur 20 Jahre später flimmerte der letzte Film über die Leinwand

Das immer populärer werdende Fernsehen in den 1960er Jahren ermöglichte das Filmeschauen ganz bequem am Bildschirm zuhause, die Leute gingen immer seltener ins Kino, Ende 1972 fiel auch im "Esplanade" endgültig der Vorhang. Nach der Schließung wurde das Filmtheater für mehr als zwei Jahrzehnte in ein Fachgeschäft für Farben und Tapeten umfunktioniert. Danach zog eine Boutique für Wohnaccessoires und Weine ein, der klangvolle Name "Esplanade" wurde beibehalten und der Eingangsbereich sowie das obere Foyer werden seitdem als Verkaufsraum genutzt. In den ehemaligen Logen-Appartements stehen heute Regale mit Feinkost und Bio-Weinen. Die Aufgänge zur Galerie sind ebenfalls noch vorhanden und führen in die obere Verkaufsetage des Geschäftes. Der einst elegante Kinosaal wurde bis auf die Bühne und die Säulenelemente zur Linken und Rechten der Leinwand entkernt; er dient mittlerweile als Lagerraum und wird im Sommer gelegentlich für Weinabende mit Musik oder Filmvorführungen und Kunstausstellungen genutzt.