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Das Kino an der Georgstraße

Weltspiele: Vom Premieren-Kino zum Handy-Laden

Die "Weltspiele" eröffneten 1924 als eines der ersten großen Premieren-Kinos der Stadt in einem von den Architekten Alexander Kölliker und Adolf Springer entworfenen Neubau in der Georgstraße 12. Der hannoversche Kinounternehmer Otto Blume, der sechs Jahre zuvor bereits das "Central-Theater" gegenüber des Hauptbahnhofes (heute "Galeria Kaufhof") übernommen hatte, machte das Filmtheater mit seinen damals 1.200 Sitzplätzen zum Schauplatz von Erstaufführungen der großen Stummfilme und Gastspielen beliebter Schauspieler der Golden Zwanziger Jahre in Deutschland.

Der erste deutsche Farbfilm hat seine Premiere in Hannover

Mit Beginn der Dreißigerjahre wurden auch ausländische Filme hierzulande immer beliebter, und das bis 1933 als "Palast-Lichtspiele-Weltspiele-Theater-Gemeinschaft" geführte Kino bekam eine modernere Inneneinrichtung und einen neuen Haupteingang mit einer großen Lichtreklame darüber. 1936 übernahm die Universum Film AG (UFA) das Kino, ließ es erneut umbauen zeigte hauptsächlich aktuelle deutsche Spielfilme – unter anderem 1941 den ersten deutschen Farbfilm "Frauen sind doch bessere Diplomaten" mit Marika Rökk und Willy Frisch in den Hauptrollen, der fast 250.000 Zuschauer anlockte. Die Luftangriffe auf Hannover in der Nacht zum 9. Oktober 1943 zerstörten große Teile der Innenstadt Hannovers, darunter auch das Haus der "Weltspiele" in der Georgstraße.

Volles Haus und gute Unterhaltung

Nach Ende des Zweiten Weltkrieges wird das Gebäude samt Filmtheater an Ort und Stelle in nur fünfeinhalb Monaten neu errichtet. Am 24. März 1949 eröffnet Robert Billerbeck die neuen "Weltspiele" mit dem US-amerikanischen Spielfilm "Clara Schumanns große Liebe". Die bildschöne Oscar-Preisträgerin Katharine Hepburn in der Hauptrolle bescherte dem mit 1.160 Sitzplätzen damals größten Kino in Hannover "[...] die ganze Woche hindurch fünf Vorstellungen pro Tag, und zwar um 11 Uhr, 13.15 Uhr, 15.45 Uhr, 18.15 Uhr und 20.45 Uhr", wie das Filminstitut Hannover in einem Text zur Geschichte der "Weltspiele" schreibt.

Die Blütezeit des Premieren-Kinos "Weltspiele" begann mit dem am 8. April 1949 in Hannover zum ersten Mal gezeigten deutschen Kriminalfilm "Verführte Hände", gefolgt von zahlreichen weiteren Uraufführungen deutscher Unterhaltungsfilme und begleitet von Auftritten der Hauptdarsteller vor großem Publikum. "In seinen besten Zeiten beschäftigte das Kino 22 Platzanweiserinnen, fünf Kassiererinnen, vier Vorführer, zwei Portiers und einen Pagen in Uniform", erinnert das Filminstitut Hannover an die Film-Euphorie in diesen Tagen. "Die Uraufführungen wurden von der Kinoleitung durch sogenannte Premierenbücher dokumentiert, die einen Eindruck vom Starrummel und der Begeisterung während dieser Erstvorstellungen vermitteln.“

Im Sommer 1954 wurden Innenraum und Bühne der "Weltspiele" modernisiert. "Wenn sich jetzt der neue Vorhang aus stahlblauem Brokat öffnet, wird eine Breitbildspielwand sichtbar, die für alle Breitspielfilme, kurzum für die neuzeitliche Stereophonie, geeignet ist. Die Bildwand wurde von 9 Meter auf 13 Meter verbreitert. Mit der Bühnenumgestaltung wurde selbstverständlich auch die Tonanlage erneuert [...]“, schreibt die Hannoversche Allgemeine Zeitung in ihrer Ausgabe vom 14. Juli 1954.

Das Ende einer glanzvollen Zeit

1975 hat Robert Billerbeck das Gebäude in der Georgstraße 12 an die deutsche Tochtergesellschaft der US-amerikanischen Kaufhauskette Woolworth verkauft, der Kinobetrieb lief jedoch weiter. Bis zum Sommer 1992, dann wurde das legendäre Filmtheater für immer geschlossen und diente einige Zeit als nostalgische Kulisse für eine Techno-Diskothek. Am Ende wurde das Haus abgerissen, um Platz zu schaffen für den Neubau einer Woolworth-Filiale. Das 1994 fertig gestellte Kaufhaus musste 2002 bereits wieder schließen, heute werden die Räumlichkeiten von einem Mobilfunk-Shop und einem Schuhgeschäft genutzt.