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Einst das größte Kino in Norddeutschland

Einst Kino, heute "nur" Theater am Aegi

Das Theater am Aegidientorplatz feierte im Jahr 1953 seine Eröffnung und bot Platz für 1.453 Zuschauer. Doch schon 1920 gab es an gleicher Stelle im Saal des ehemaligen Hotels "Vier Jahreszeiten" großes Kino. Der "Rekord-Lichtspiel-Palast" hatte 1.400 Sitzplätze, wurde 1921 in "Decla-Lichtspiele" umbenannt und 1924 zum "Ufa-Palast" umgebaut. Die Bombenangriffe auf Hannover zerstörten im Oktober 1943 den wilhelminischen Prachtbau. Zehn Jahre später eröffnete im nur wenige Meter weiter errichteten Neubau das "Theater am Aegi" als modernes Erstaufführungskino mit einer Bühne für Theater- und Musikveranstaltungen.

Eine schwarze Fassade, orangefarbene Polsterstühle und die "Maske in Blau"

Das freistehende, kastenförmige Gebäude mit der flachen Dachkuppel am Südende des Aegidentorplatzes zog schon damals von weitem die Blicke an. Besonders am Abend, wenn man durch die 31 Meter lange Glasfront direkt ins festlich beleuchtete Innere mit dem Kassenraum im Erdgeschoss und dem Foyer darüber blicken konnte. Der weitgewölbte und vollständig mit Birkenholz verkleidete Zuschauerraum war auf den oberen Rängen und unten vor dem Orchestergraben und der großen Bühne mit Polsterstühlen in den Farben Blau, Grau, Orange und Schwarz möbliert, dezent ausgeleuchtet von über 500 Glühlampen. Es gab einen Erfrischungsraum mit Theke und zwei Raucherlogen.

Interessante Impressionen im Vorfeld der Eröffnung des neuen "Theater am Aegi" liefert der Mitschnitt eines Sonderberichtes der Neuen Deutschen Welle von 1953, den das Filminstitut Hannover auf seiner Internetseite veröffentlicht: "Das Aegi-Theater entstand in der Rekordzeit von sechs Monaten. Eine Zeltplanverkleidung gestattete in den kalten Wintermonaten die Beheizung des Baues von innen und außen. Von den Architekten Klüppelberg und Lichtenhahn stammen die Baupläne. 1.453 Zuschauer sollen Platz finden. Für das Rang-Foyer schuf der Bildhauer Helmut Rogge die Reliefs 'Tanz' und 'Musik'. Am schnellsten war wie immer die Feuerwehr zur Stelle. Sie verabreichte dem neuen Theater die erste und hoffentlich einzige kalte Dusche. Mit scharfem Wasserstrahl säuberte sie die schwarzglasierten keramischen Platten der Außenwand. Hannover freut sich auf die Filmvorführungen und das große, internationale Varieté in seinem neuen Theater am Aegi.“

Zur Eröffnung am 12. März 1953 mit Stargast Maria Rökk flimmerte die deutsche Musikkomödie "Maske in Blau" über die Leinwand. Im Anschluss amüsierten sich die Premierenbesucher bei einer Revue. Auf der Bühne spielten ab 1958 auch die Ensembles der Landesbühne Hannover und des Thalia-Theaters – bis ein Großbrand das Gebäude 1964 in weiten Teilen zerstörte.

Wiederaufbau als Ersatz des Schauspielhauses

Mit dem Brand endete auch die Zeit des großen Kinos im "Theater am Aegi". Das einzigartige Gebäude mit seiner kompromisslos kantigen Architektur wurde von Grund auf saniert, 1967 als reiner Theaterbau und vorübergehende Ersatzspielstätte des Schauspielhauses Hannover wieder eröffnet und 1978 mit einer neuen Fassade versehen. Nachdem das Schauspielhaus 1992 endgültig ins neu errichtete Domizil in der Prinzenstraße übersiedeln konnte, wurde das "Theater am Aegi" als Ersatzspielstätte nicht mehr benötigt. Als 1994 dann die Schließung drohte, übernahm eine private Betreibergesellschaft das traditionsreiche Theater und führt es bis heute als erfolgreiches Gastspiel- und Veranstaltungshaus mit einem bemerkenswert vielseitigen Programm von Comedy und Konzerte über Musicals und Opern bis zu Messepartys und Varieté-Vorstellungen.