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Die Geschichte erforschen

Schützenfest ist nur Bier und Ufftata? Falsch! Das hannoversche Schützenfest hat auch einen kulturhistorischen Kern, der viel über die Stadtgeschichte preisgibt.

Schützenfest in Hannover. "Abendlicher Tanz auf dem Rundteil", bei Beleuchtung durch die "Sterne", Bezeichnet in der rechten Unterecke "Aug. H. Plinke“. © LHH

Schützenfest in Hannover. "Abendlicher Tanz auf dem Rundteil", bei Beleuchtung durch die "Sterne", Bezeichnet in der rechten Unterecke "Aug. H. Plinke“.

Dass die Wörter Schützenfest und Hannover untrennbar miteinander verbunden sind, zeigte 2016 einmal mehr die große Jubiläumsfeier der Stadt am 8. Juli, die in der Festhalle Marris ausgerichtet wurde. Doch warum ist das eigentlich so? Welchen Wert hat das weltgrößte Schützenfest der Welt für die Stadt Hannover? Und wie kam es überhaupt dazu? Ein Streifzug durch die Geschichte der niedersächsischen Landeshauptstadt.

Die Geschichte des hannoverschen Schützenfestes

Als Herzog Erich I. die Hannoveraner im Jahre 1529 mit dem Privileg ausstattete, in jedem Jahr ein Schützenfest veranstalten zu dürfen, haben weder der Landesherr selbst noch seine Untertanen wissen können, dass mit dieser Erlaubnis der Grundstein für eines der größten deutschen Feste und sogar zum größten Schützenfest der Welt gelegt wurde.

Von der Armbrust zur Feuerwaffe

Die erste urkundliche Erwähnung des hannoverschen Schützenwesens geht allerdings noch weiter zurück. 1468 hatte sich Herzog Wilhelm der Ältere, in einem Brief an den Rat über die wehrsportlichen Übungen der Hannoveraner beschwert. Ihm war zu Ohren gekommen, dass die Hannoveraner nach einem auf einer Stange befestigten bunten Holzpapageien schossen, wenn sie mit ihrem Landesherren in Fehde lagen. Das geschah damals noch mit Armbrüsten. Als rund 60 Jahre später die Erlaubnis zu einem jährlichen Fest der Schützen erteilt wurde, hatten auch die Hannoveraner bereits auf Feuerwaffen umgerüstet. Der Umgang mit Armbrust und Gewehr galt damals weniger sportlichen Zielen. Die so bewaffneten Männer sollten nämlich Hannover verteidigen, wenn feindliche Streitkräfte die befestigte Stadt angriffen. Aus den sportlichen Wettkämpfen in Friedenszeiten ergab es sich aber sehr bald, dass die besten Schützen mit Preisen und Auszeichnungen geehrt wurden.

Einführung der Schützenordnung

Um Ausschreitungen während der Schützenfeste zu verhindern, wurde bereits im Jahre 1575 eine Schützenordnung erlassen, die den Festbetrieb regelte. Im Jahre 1710 wurden dann die sogenannten "Bruchmeister" bestellt, die als Hilfsbeamte offiziell für einen geregelten und geordneten Ablauf des Schießens zu sorgen hatten. Die Aufgaben der Bruchmeister sind seit nunmehr fast dreihundert Jahren gleich geblieben. Während die Schützen seit jeher in ziviler Kleidung antraten, so entstand im Jahr 1837 eine neue Schützenordnung, die es ihnen gestattete, auch in gleichmäßig gekleideten Gruppen aufzutreten. Deshalb gilt dieses Jahr als Geburtsstunde der Schützenvereine, weil sich so verschiedene Vereinigungen von Schützen aus gleichen Stadtteilen bildeten.

Heutige Strukturen

Heute sind im Verband Hannoverscher Schützenvereine ca. 5.000 Schützen, darunter rund 800 Jugendliche, vertreten. Träger des hannoverschen Schützenwesens sind der Verband Hannoverscher Schützenvereine und die Stadt Hannover. Im Jahre 1964 wurde eine Schützenstiftung gegründet, die von der Stadt verwaltet wird und die Zusammenarbeit der Schützenvereine regelt. Im Verwaltungsrat der Schützenstiftung, ihrem maßgebenden Organ, sind die Repräsentanten des Verbandes Hannoverscher Schützenvereine und der Stadt paritätisch vertreten. Für allgemeine Fragen des traditionsreichen Schützenwesens gibt es den Schützenrat, dem die Vorsitzenden der hannoverschen Schützenvereine angehören und der vom Oberbürgermeister der Stadt Hannover persönlich geleitet wird, sowie den Schützenbeirat, der aus Mitgliedern des Rates der Landeshauptstadt Hannover besteht.