Andere Ausstellungshäuser

"Hure oder Heilige" - Frau sein in Italien

Das Frauenbild in Italien - darum geht es in der aktuellen Ausstellung in der Galerie für Fotografie in Hannover, die vom 14.  Juli bis zum 21. August zu sehen ist.

Arbeit von Franziska Gilli

In wenigen Ländern Europas sind festgefahrene weibliche Stereotype so verbreitet wie in Italien. Lasziv tanzen junge Frauen durchs Hauptabendprogramm, seit mittlerweile 65 Jahren. Tragen freizügige Kostüme und starkes Make-up, eine Ausnahme, wer keine schönheitsmedizinischen Eingriffe hat machen lassen. Die Mutter ist Ikone, gleichzeitig wird in Italien im Durchschnitt alle drei Tage eine Frau, meist von ihrem Partner, ermordet.

Die dominierenden Pole sind zwei sich seit Jahrhunderten wiederholende Narrative. Sie könnten nicht unterschiedlicher sein und bedingen sich doch: die Hure und die Heilige, Maria Magdalena und die Jungfrau Maria. Für die Fotografin Franziska Gilli und die Reporterin Barbara Bachmann war dies Anlass, sich auf die Suche zu begeben. Danach, was es bedeutet eine Frau zu sein in dem Land, in dem auch sie aufgewachsen sind, wenngleich in einer deutschsprachigen Minderheit. Nach drei Jahren Recherche haben sie die Ergebnisse im Buch "Hure oder Heilige — Frau sein in Italien" bei Edition Raetia veröffentlicht, welches beim Deutschen Fotobuchpreis 2021/22 in der Kategorie "Dokumentarisch-journalistisches Fotobuch" mit Silber ausgezeichnet wurde und die Grundlage für die vorliegende Ausstellung bildet.

Diese setzt den Steoretypen Hure-Heilige Bilder aus der Realität entgegen. Und sie beschäftigt sich mit den Ursachen und Folgen des aktuellen Frauenbildes: Der Dominanz der katholischen Kirche, der Zeit des Faschismus, dem Einfluss des Unterhaltungsfernsehens in öffentlichen und privaten Sendern wie dem der Familie Berlusconi. Daneben existiert auch ein anderes Italien. Eines, das die widersprüchlichen Verhältnisse seit Jahrzehnten anprangert. Ein Italien, in dem sich in den vergangenen Jahren eine der lautesten, feministischen Bewegungen Europas gebildet hat: Non una di meno.

Über Franziska Gilli und Barbara Bachmann

Franziska Gilli, geboren 1987 in Bozen, Italien, lebt als freie Fotografin in Hannover. Sie studierte Kulturmanagement sowie Fotojournalismus und Dokumentarfotografie in Freiburg, Hannover und Brüssel. Ihre Arbeiten wurden unter anderem in der "Neuen Zürcher Zeitung", der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" und der "Süddeutschen Zeitung" veröffentlicht und bei internationalen Fotofestivals wie dem Copenhagen Photo Festival ausgestellt. Sie ist Mitglied der Agentur laif.

Barbara Bachmann, geboren 1985 in Bruneck, Italien, ist freie Reporterin und arbeitet für deutschsprachige Magazine und Wochenzeitungen, darunter "Reportagen", "mare", das "Süddeutsche Zeitung Magazin" und "Die Zeit". Sie ist Absolventin der Reportageschule Reutlingen und studierte Germanistik, Politikwissenschaft und Spanisch in Innsbruck. Ihre Arbeit wurde mehrfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Axel-Springer-Preis. Sie lebt in Südtirol.
www.barbarabachmann.com

Termine

14.07.2022 bis 21.08.2022 ab 12:00 bis 18:00 Uhr
donnerstags freitags samstags sonntags

Ort

Galerie für Fotografie (GAF)
Seilerstraße 15D
30171 Hannover

Dies ist eine Veranstaltung mit freiem Eintritt

Eröffnung am 13. Juli um 19 Uhr
Buchvorstellung am 15. Juli um 18 Uhr