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Das Empire unter Palmen

Vortrag über den britischen Kolonialismus im karibischen Zentralamerika in der Zeit der Personalunion von Prof. Dr. Wolfgang Gabbert, Institut für Soziologie, Leibniz Universität Hannover, am 6. September, um 18 Uhr.

Bluefields_Sitz des britischen Generalkonsuls_1845 Ausschnitt

Wer heute die Atlantikküste Zentralamerikas bereist, trifft auf Gesellschaften, die – anders als die spanischsprachigen und überwiegend katholischen Regionen am Pazifik – protestantisch geprägt sind. Englisch bzw. auf dem Englischen basierende Kreolsprachen sind die Muttersprache zahlreicher Einwohner und ein Teil der Bevölkerung hat afrikanische Wurzeln. Dies ist eine Folge der kolonialen Aktivitäten Großbritanniens in der Region.

Bluefields Mosquito Coast

Die britische Krone versuchte seit dem späten 16. Jahrhundert sowohl durch Piraterie, Holzschlag und kriegerische Vorstöße als auch durch die Entsendung eines Superintendenten im 18. Jahrhundert, das Kolonialmonopol Spaniens zu brechen. Zwischen Briten und der lokalen indigenen Bevölkerung entwickelten sich intensive Handelsbeziehungen. Die Miskitu kooperierten darüber hinaus auch militärisch mit den Briten. Mit den neuen Feuerwaffen und einem privilegierten Zugang zu Handelsgütern entwickelte sich diese indigene Gruppe im 18. Jahrhundert zur militärisch stärksten Kraft der Region. Immer wieder überfielen Miskitu-Krieger Ansiedlungen im spanisch kontrollierten Teil Zentralamerikas – von der Halbinsel Yucatán im Norden bis nach Panama im Süden.

Tatsächlich verblieben weite Teile der Atlantikküste bis ins 19. Jahrhundert außerhalb spanischer Kontrolle. Es entstanden britische Ansiedlungen. Die britische Krone legitimierte ihre Präsenz mit der Berufung auf ein von Spanien unabhängiges "Königreich Mosquitia" (Mosquito Kingdom), dessen Souveränitätsrechte durch die Errichtung eines Protektorats verteidigt werden sollten. Afrikanische Menschen wurden als Sklaven für die Arbeit im Holzschlag und auf Zuckerrohrplantagen dorthin verbracht. Ihre Nachkommen prägen bis heute die Region.

Der Vortrag gibt einen Einblick in die komplexen sozialen Verhältnisse innerhalb der britischen Ansiedlungen und zeigt u.a. wie indigene Gruppen wie die Miskitu die kolonialen Rivalitäten zwischen Spanien und England für sich zu nutzen wussten.

Termine

06.09.2022 ab 18:00 bis 19:00 Uhr

Ort

Historisches Museum
Pferdestraße 6
30159 Hannover

Eintritt

frei