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Sophie und die Kannibalen

Vortrag zur Kolonialismuskritik im Leibniz-Kontext von Prof. Dr. Michael Kempe (Leibniz-Forschungsstelle/Leibniz-Archiv Hannover) Donnerstag, am 22. September 2022, 18 Uhr

Eingepacktes Gemälde der Sophie von Braunschweig-Lüneburg, Kurfürstin von Hannover in der Sonderausstellung "Von goldenen Kutschen und kolonialer Vergangenheit"

Im Mittelpunkt des Vortrags steht der koloniale Kannibalismusdiskurs in Europa um 1700, der auch in Hannover seinen Widerhall fand.

John Tolands Kritik, dass der Kannibalismusvorwurf an die Ureinwohner Amerikas nur eine Erfindung der Spanier gewesen sei, um ihre Grausamkeit als Eroberer des neuen Kontinents zu rechtfertigen, findet in höfischen Kreisen Norddeutschlands deutlichen Widerspruch. Und zwar nicht nur beispielsweise von Sophie von Braunschweig-Lüneburg, Kurfürstin von Hannover, sondern anscheinend auch von Gottfried Wilhelm Leibniz, was seine Gespräche an den Sommerresidenzen in Herrenhausen und Lietzenburg (bei Berlin) zeigen.

Spuren dieser „Konversationen“ lassen sich auch in dem um 1703 entstanden Text über den Begriff der Gerechtigkeit („Sur la notion commune de la justice“) nachweisen, in dem sich Leibniz kritisch zur Sklavenfrage äußert und der in Ausschnitten im Original (Leihgabe GWLB) auch auf der Sonderausstellung zu sehen ist.

Indem Leibniz’ Ausführungen zur Skaverei im Kontext des amerikanischen Kannibalentopos beleuchtet werden, soll zugleich ein kritisches Licht auf die Haltung des Gelehrten zum Kolonialismus geworfen werden.

Termine

22.09.2022 ab 02:00 Uhr

Ort

Historisches Museum
Pferdestraße 6
30159 Hannover

Eintritt

frei