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Historisches Museum, Am hohen Ufer, Eingang Burgstraße © LHH, Historisches Museum Hannover

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mittelalterliches Baudenkmal

Beginenturm

Jeden Samstag um 12 Uhr findet eine Führung im Beginenturm statt.

Beginenturm
Materialsammlung zusammengestellt von Dr. Sid Auffarth (2011)

„Ab 1357 erbaut im Garten des Beginenkonvents an der Pferdestraße als stärkster und letzt erhaltener Turm der Stadtmauer. Standort am Leineufer gegenüber der Burg Lauenrode eine Geste städtischen Selbstbewusstseins gegenüber dem Landesherrn. Dreigeschossiger Halbschalenturm aus Lindener Kalkstein; bis zur Traufe ca. 23 m hoch, Fundament mindestens 4,45 m tief unter Terrain und bis zu 3 m dick. Erdgeschoss erst später überwölbt. Obergeschosse zur Stadtseite hin ca. 1660 bis 1944 mit Fachwerkwand geschlossen. Im 18. Jh. Torfmagazin. 1896 im Zusammenhang mit der Planung der Flusswasserkunst Wettbewerb für einen historisierenden Umbau zum Wasserturm (nicht verwirklicht). Seit 1948 Wohnung und Künstleratelier; 1972-2007 in den unteren Geschossen Gaststätte „Turm“. Angebaut das 1643-49 errichtete Zeughaus, dessen Reste seit 1966 Teil des Historischen Museums, in das auch der Beginenturm einbezogen werden soll.“ (Helmut Knocke in: Stadtlexikon Hannover, Hrsg. von Klaus Mlynek und Waldemar R. Röhrbein, Hannover 2009, S.54)

„Der Beginenturm, der so heißt, weil er in dem Garten der Beginen erbaut war, tritt 1357 unter dem Namen „De nye torn“ auf. Seine Mauern sind in der Höhe des Erdbodens 3m stark. Bei Ausgrabungsarbeiten hatte man in einer Tiefe von 4,20 m den Mauerfuß noch nicht erreicht, der wahrscheinlich bis unter + 51,00 m über NN. hinabgeht und noch im Niederungsgebiete vor dem eigentlichen Höhenrücken liegt, auf dem Hannover sich ausdehnt. Der Turm ist in drei abgesetzten Geschossen aus Quadern sehr verschiedener Größe erbaut.“ (Die Kunstdenkmäler der Provinz Hannover. Stadt Hannover, bearb. v. Arnold Nöldeke, Hannover 1932, S.51-52) Anm.: Nach den bei Nöldeke abgebildeten Schnitten (Bauaufnah-me von 1890) hatte der Turm drei Obergeschosse, heute gibt es in 14 m Höhe eine weitere Decke.

„Der Beginenthurm steht seit 1357 noch fest da, und wird uns hoffentlich noch erhalten bleiben; im Klostergang haben wir noch den Wächtergang mit einem kleine Mauerrest. (S.33) ... Der halb geistliche, halb weltliche Orden der Beghinen wohnte in verschiedenen Häusern der Pferdestraße nahe dem jetzt noch vorhandenen Beghinenthurme. Sie hatten dort vor ihrem Garten, welcher durch eine Planke von dem Wächtergange geschieden war. Später bezogen die frommen Schwestern ein gemeinschaftliches Gebäude, das Beghinen- oder Süsternkloster (altes Zeughaus) (S.40) ... Der Rathsmar-stall ward um 1428 von der Insel nach der jetzigen Kreuzstraße verlegt, und nach 1520, nachdem die Beghinen ein gemeinschaftliches Kloster bezogen hatten, in ein verlassenes Gebäude derselben, dadurch erhielt die Beghinenstraße die Namen Rathsstallstraße, Pferdestraße. Der Beghinenturm und die Rathshechte - worin etwas gehegt wird - (Thürme der Stadtmauer) dienten als Gefängnisse.“ (S.89) (R. Hartmann, Geschichte der Residenzstadt Hannover, Hannover 1880) Anm.: Die Beginen sind 1357 erstmals urkundlich bezeugt. „Zum Orden gehörten Töchter und Witwen von Bürgern der Stadt, und er leistete den Armen unentgeltliche Krankenpflege.“ 1530 setzt der Rat die Höchstzahl auf 20 Beginen fest. 1534, ein Jahr nach der  Reformation in Hannover; wird das Konvent geschlossen, die Beginen sollen wie jeder andere Bürger behandelt werden, sie bleiben von Steuern befreit und aus ihre Einkünften wird ein „gemeiner Tisch“ geführt, mit dem die „gerechten Armen“ gespeist werden.

Als Beginen (Frauen) und Begarden (Männer) wurden ab dem 13. Jh. die Angehörigen einer Gemeinschaft christlicher Laien bezeichnet. Sie führten ein frommes, keusches Leben in ordensähnlichen Hausgemeinschaften... Der Name Beginen könnte sich vondem Priester: Lambert des Bégues herleiten, der 1180 in Lüttich in einem ihm gehörenden großen Garten eine Anzahl einzelner Häuschen stiftete, die er Jungfrauen und Witwen ohne Unterschied von Stand oder Vermögen unter der Bedingung zu Wohnungen gab, dass sie keusch und züchtig, arbeitssam und verträglich zusammen lebten. Der Name taucht bereits 1209/11 in Köln auf, stellte zu der Zeit jedoch nur eine Fremdbezeichnung dar, die von den Schwestern (so die Eigenbezeichnung) zurückgewiesen wurde. Erst im 15. Jahrhundert übernahmen auch die Mitglieder dieser Gemeinschaft diese Bezeichnung. (Auszüge aus Wikipedia: Beginen und Begarden)