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Ausstellungen

Trecker nach Hannover

Vor 40 Jahren, vom 25. bis 31. März 1979, zogen Frauen und Männer aus dem Wendland in die Landeshauptstadt Hannover, um gegen eine Wiederaufarbeitungsanlage und ein Atom-Endlager in diesem Gebiet zu protestieren. In der Sonderausstellung des Historischen Museums berichten Fotos, Dokumente, Zeitzeugenberichte und "Erinnerungsstücke" über die damaligen Ereignisse und deren Auswirkungen bis in die Gegenwart hinein.

Im März 1979 war es soweit: Im "Gorleben-Treck" zogen Männer und Frauen aus dem Wendland in großer Zahl in die Landeshauptstadt – auf Traktoren, Fahrrädern und zu Fuß. Und es wurden immer mehr. Was hatte sie bewogen, sich bei strömendem Regen auf den langen Weg nach Hannover zu machen?

Gewaltfreie Protestaktion: Der Gorleben-Treck

Die niedersächsische Landesregierung verfolgte bereits seit 1977 das Ziel, im schwach besiedelten Wendland, unmittelbar an der Grenze zur DDR, eine atomare Wiederaufarbeitungsanlage und ein Atom-Endlager zu errichten. Und um die Unbedenklichkeit dieses Vorhabens nachzuweisen, hatte Ministerpräsident Ernst Albrecht führende Fachleute zu einem Hearing nach Hannover eingeladen: Ende März 1979 diskutierten über 60 internationale Wissenschaftler über die Sicherheit der Entsorgungsanlage im Salzstock Gorleben.

Das war der Anlass für die spektakuläre, gewaltfreie Protestaktion vor 40 Jahren: Unter dem Motto "Albrecht wir kommen!" startete der Treck am 25. März in Gedelitz und endete nach Stationen in Uelzen, Hösseringen, Hermannsburg, Celle und Burgdorf am 31. März in einer Großkundgebung in Hannover, wo er von vielen Sympathisant*innen begeistert empfangen wurde.

In den sieben Tagen war die Zahl der Trecker – wie sich die Teilnehmenden selbst nannten – stetig gewachsen: Hatten sich schon in Lüchow etwa 350 Traktoren, rund 100 Pkw und zahlreiche Fahrradfahrer*innen zusammengefunden, versammelten sich in Hannover mehr als 500 Traktoren. Mit geschätzten 100.000 Teilnehmer*innen kam es auf dem Klagesmarkt zur bis dahin größten Anti-Atom-Demonstration in Deutschland.

Anti-Atomkraft-Bewegung

Die hohe Zahl der Teilnehmenden erklärt sich nicht zuletzt aus dem Reaktorunfall im Kernkraftwerk Harrisburg (USA) vom 28. März 1979. Kein Zweifel: Atomkraft hatte sich als nicht beherrschbar erwiesen, selbst wenn Politiker und Experten dies immer wieder behaupteten.

Ministerpräsident Albrecht räumte einige Wochen nach der eindrucksvollen Demonstration in Hannover ein, dass die Wiederaufbereitungsanlage im Wendland politisch nicht durchsetzbar sei – für die Organisator*innen des Trecks ein großer Erfolg ihrer Proteste.

Die Ausstellung

Zeitgenössische Fotos, Dokumente, Zeitzeugenberichte und "Erinnerungsstücke" berichten über die Ereignisse und ihre Auswirkungen. Protagonisten im Wendland und in Hannover kommen zu Wort, Akteur*innen und Initiativen werden vorgestellt – und mehrere illustrative Inszenierungen lassen die Protest-Szene in Hannover, Gorleben und auch die Position der AKW-Befürworter anschaulich werden.

Schließlich richtet sich der Blick auf das Wendland nach 1979, beleuchtet den politischen Protest seither und zeigt anhand der "Kulturellen Landpartie", wie sich das Wendland als Kulturregion etabliert hat.

Eine "Mitmachstation" für große und kleine Besucher*innen sowie ein spannendes Film-, Vortrags- und Begleitprogramm runden diese besondere Ausstellung ab.

Die Ausstellung entstand in Kooperation mit dem Institut der Didaktik der Demokratie und Studierenden am Historischen Seminar der Leibniz-Universität sowie dem Gorleben-Archiv in Lüchow.

Termin(e): 27.03.2019 bis 28.07.2019
dienstags 
von 11:00 bis 20:00 Uhr
27.03.2019 bis 28.07.2019
mittwochs  donnerstags  freitags  samstags  sonntags 
von 11:00 bis 18:00 Uhr
Ort

Historisches Museum

  • Pferdestraße 6
  • 30159 Hannover
Die Veranstaltung findet nicht statt am: 19.04.2019
01.05.2019
Preise:
Kosten Museumseintritt