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Vorträge

Hat Ramses bereits Havannas geraucht?

Zur Möglichkeit transatlantischer Ausbreitungsmechanismen von Kulturpflanzen in der Antike 

Seit vielen Jahren führen Wissenschaftler leidenschaftliche Diskussionen über eine mögliche kulturelle Beeinflussung der vorkolumbischen Völker Amerikas durch altweltliche Kulturen. Die Debatten sind vorwiegend von archäologischen Erkenntnissen geprägt. Insbesondere weisen aber auch die Forschungsergebnisse aus der Völkerkunde, der Pflanzengenetik und Kartographiegeschichte darauf hin, dass es vermutlich schon sehr früh entsprechende Kontakte gab, und dass die neuweltlichen Ackerbauern durchaus kulturelle Impulse in Form neuer Kulturpflanzen und Zuchtmethoden aus der Alten Welt erhalten haben könnten.

Der Vortrag soll neue Erkenntnisse aus der Biologie und Archäologie zu der bis heute ungelösten Problematik des präkolumbischen Zivilisationsaustausches zwischen der Alten und der Neuen Welt liefern. Der Schwerpunkt wird ganz bewusst auf die Ausbreitungs- und Kulturgeschichte von Nutzpflanzen gelegt, die das Problem der transatlantischen, vorkolumbischen Kontakte im besonderen Maße aufwerfen. An erster Stelle sind die Verbreitungsgeschichte des amerikanischen Tabaks und Cocains zu nennen, dessen Reste bzw. Inhaltsstoffe man in ägyptischen Mumien nachweisen konnte.

Darüber hinaus gibt es viele weitere überzeugende Befunde, die für einen interhemisphärischen Kulturpflanzenaustausch zwischen der Neuen und Alten Welt sprechen. Auch sie werden in diesem Vortrag thematisiert. Die Forschungsergebnisse von Dominique Görlitz legen nahe, dass die Menschen in der ausgehenden Steinzeit lange vor den großen Hochkulturen des Altertums ausgedehnte Hochseereisen und Fernhandel betrieben. Diese frühgeschichtlichen Handelsverbindungen schlossen möglicherweise auch das frühe Ägypten ein. 

Dr. Dominique Görlitz (*1966) ist ein deutscher Experimentalarchäologe, Biogeograph und Buchautor. Bekannt wurde er vor allem als "Steinzeit-Segler" durch seine ABORA-Schilfboot-Expeditionen über das Mittelmeer und den Nordatlantik. Die Rekonstruktion der vorägyptischen Seitenschwert-Segeltechnik erlaubt ihm, auch quer und leicht gegen vorherrschende Winde aufzukreuzen. Damit konnte er experimentell nachweisen, dass der technische Stand der frühgeschichtlichen Seefahrt weit höher entwickelt war, als man allgemein immer noch annimmt.

Parallel forschte Görlitz mit Hilfe von Driftstudien an Kulturpflanzen die Ausbreitungsfähigkeit vorgeschichtlicher Kulturvölker. Seine Hochseedriftstudien mit ausgewählten Kulturpflanzensippen liefern eine Vielzahl handfester Evidenzen für den Kulturdiffusionismus und interkulturelle Wechselwirkungen der vorgeschichtlichen Völker.

Im Rahmen umfassender biogeographischer und interkultureller Forschungen erwarb er 2012 den Doktorgrad an der FAU Erlangen-Nürnberg. Seit 2012 gibt es eine intensive postdoktorale Zusammenarbeit über frühhistorische Kartographie mit Prof. Buchroithner der TU Dresden.

Termin(e): 18.10.2017 
von 18:30 bis 20:00 Uhr
Ort

Museum August Kestner

  • Trammplatz 3
  • 30159 Hannover
Eingangsfassade: Museum August Kestner © MAK