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2017: Karl Schmidt-Rottluff "Das Windrad"

Restitutionen

Restitution bedeutet die Rückgabe von Kunstwerken an die ursprünglichen Eigentümer bzw. an deren Erben, die während der Zeit des Nationalsozialismus geraubt, enteignet oder zwangsweise verkauft wurden. Vorrangig erfolgt Restitution durch Rückgabe des geraubten Gegenstandes. 

Oberbürgermeister Stefan Schostok hat am 27. Juni 2017 das Aquarell "Marschlandschaft mit rotem Windrad (Das Windrad)" (1922) von Karl Schmidt-Rottluff restituiert. Stellvertretend für die Erbengemeinschaft nach Max und Margarethe Rüdenberg haben Professor Vernon Reynolds, dessen Sohn Dr. James Reynolds, Enkelin Isabella Reynolds und Nichte Vivien Minto das Aquarell in Empfang genommen.

Karl Schmidt-Rottluff (1884–1976)
Marschlandlandschaft mit rotem Windrad
 (ehemals "Das Windrad"), 1922
Aquarellfarbe auf Papier, 49 x 65,5 cm

Die Besitzverhältnisse

  • ehem. Inv.-Nr.: Sammlung Sprengel I, 274
  • Übernahme infolge einer Sammlungsschenkung an die Landeshauptstadt Hannover 1969, ehemals aufbewahrt im Sprengel Museum Hannover
  • am 27.06.2017 restituiert an die Erbengemeinschaft nach Max und Margarethe Rüdenberg durch die Landeshauptstadt Hannover, vertreten durch Oberbürgermeister Stefan Schostok
  • am 28.02.2018 angeboten bei der Auktion: Impressionist and Modern Works on Paper, Christie’s London.

siehe Auktion CHRISTIE'S 

Die Landeshauptstadt Hannover, vertreten durch den Oberbürgermeister, folgt mit der Restitution des Aquarells einer Empfehlung der Limbach-Kommission (Beratende Kommission im Zusammenhang mit der Rückgabe NS-verfolgungsbedingt entzogener Kulturgüter, insbesondere aus jüdischem Besitz) vom 10. Januar 2017.

siehe Presseerklärung - Deutsches Zentrum Kulturgutverluste

Hintergrund

Das Aquarell des Künstlers Karl Schmidt-Rottluff stammt aus der Sammlung Bernhard und Margrit Sprengel, die 1969 der Landeshauptstadt Hannover geschenkt wurde und seit 1979 im Sprengel Museum Hannover aufbewahrt wird. Die Beratende Kommission bewertet in ihrer Empfehlung verschiedenen Indizien, die sich in Aufzeichnungen aus der Zeit nach 1945 ergeben haben und empfahl der Landeshauptstadt Hannover, das Aquarell an die Erben nach Max Rüdenberg (geb. 9.4.1863 Bad Oynhausen – 26.9.1942 Theresienstadt) und Margarethe, (geb. Grünberg 17. Juli 1897 Arnsberg – 29. November 1943 Theresienstadt) zu restituieren. Der Oberbürgermeister erklärte, "die Empfehlung" der Beratenden-Kommission sei für die Stadt "bindend"

Forschungen

Der Empfehlung durch die Limbach-Kommission waren von Seiten der Landeshauptstadt Hannover umfangreiche Forschungen vorausgegangen. Dennoch konnte die Provenienz des Aquarells, das erst seit Mitte der 1960er infolge einer von dem Kunsthistoriker Gunther Thiem (1917–2015) vorgenommenen Umbenennung seinen heutigen Titel erhalten hat, nicht abschließend geklärt werden. Für die Jahre zwischen 1933 und 1945 fehlen jegliche belegenden Nachweise, die einen Eigentumswechsel oder Verlust des Aquarells durch Einfluss der nationalsozialistischen Herrschaft bezeugen könnten. Bis zum Zeitpunkt eines ersten Drucknachweises in einem durch die Kestner-Gesellschaft in Hannover 1952 publizierten Ausstellungskatalog bleibt die Eigentümerstellung des Aquarells unklar.

Weder für den Erwerb des Aquarells durch Max Rüdenberg oder einen durch nationalsozialistische Verfolgung verursachten Verlust zwischen 1933 und 1942 noch für den nachfolgenden Erwerb durch Dr. Bernhard Sprengel existieren nach jetziger Kenntnis Quellen aus der Zeit von vor 1945. Ebenso wenig konnten für einen vermuteten Zwischenbesitz des Aquarells durch den aus Braunschweig stammenden und in Hannover tätig gewesenen Antiquitäten- und Kunsthändler Erich Pfeiffer belegende Dokumente ermittelt werden. Die Vermutung, Max Rüdenberg habe das Aquarell in der 1916 gegründeten Kestner-Gesellschaft in Hannover erworben, lässt sich durch Belege in den umfangreich erhaltenen Aktenbeständen der Institution nicht bestätigen (Niedersächsisches Landesarchiv Hannover). Zu den Käufern von der in der Kestner-Gesellschaft angebotenen Kunst des deutschen Expressionismus zählten gemäß der in den Akten erhaltenen Ankaufsquittungen hingegen andere Sammler (s.w.u.). Der für die Abteilung der Grafik in der Staatsgalerie Stuttgart zuständig gewesene Kustode Gunther Thiem hatte in einem 1969 dort herausgegebenen Ausstellungskatalog zur entsprechenden Katalognummer 23 folgende Angaben wörtlich publiziert: "Provenienz: Max Rüdenberg, Hannover-Limmer (wahrscheinlich aus einer Ausstellung der Kestner-Gesellschaft). Dr. Bernhard Sprengel".  

Als Beleg für das frühere Eigentum der von den Nationalsozialisten verfolgten und nach ihrer Deportation in Theresienstadt 1942 umgekommenen Max und Margarethe Rüdenberg wertete die Limbach-Kommission eine Inventarkarte aus dem Nachlass Bernhard und Margrit Sprengels, auf welcher der Vorbesitz "unklar" handschriftlich, vermutlich durch Margrit Sprengel, mit der Zeile "Familie Max Rüdenberg Hannover-Limmer" nachträglich ergänzt wurde. Die Inventarkarte wurde Mitte der 1960er Jahre durch die bei dem Ehepaar Sprengel angestellte Volontärin Barbara Mundt in Vorbereitung erster Publikationen über die Sammlung des Schokoladen-Industriellen maschinenschriftlich erstellt. 1965 wurde die Sammlung Sprengel in verschiedenen Hannoverschen Kunstinstitutionen erstmals öffentlich als Gesamtschau präsentiert. Spätere inhaltliche Ergänzungen, wie auch der Ausstellungsleihverkehr, wurden gewöhnlich auf diesen Inventarkarten bis zur erfolgten Sammlungsschenkung durch den zuvor zuständigen Personenkreis handschriftlich nachgetragen.

Maßgeblich wurden in den Entscheid die anlässlich des 85. Geburtstages des Künstlers Karl Schmidt-Rottluff 1969 durch die Staatsgalerie Stuttgart im Katalog publizierten o.g. Angaben in die Beurteilung miteinbezogen. Gunther Thiem hatte im Vorwort geschrieben, "die Herkunft der Blätter konnte vielfach ermittelt und angegeben werden". Belege für solche Ermittlungen sind jedoch nicht angeführt und lassen sich mangels Unterlagen in der Staatsgalerie Stuttgart nicht verifizieren oder bestätigen.

Der schriftliche Nachlass von Gunther Thiem in Chemnitz – Künstlerkorrespondenzen und Quellen

Ein schriftlicher Nachlass von Gunther Thiem, der auch Korrespondenzen mit Karl Schmidt-Rottluff enthält, wird hingegen aufbewahrt im Archiv der Kunstsammlungen zu Chemnitz. Nach sorgfältiger Prüfung der in diesem Bestand überlieferten Korrespondenzen ergab sich auch aus Sichtung dieser Materialien kein Hinweis auf eine erfolgte Provenienzprüfung des benannten Aquarells durch den Autor. Weder in der Korrespondenz Bernhard Sprengels mit Gunther Thiem noch in den in verschiedenen Archiven lagernden Dokumenten aus Hand des Künstlers oder seinem historischen Umfeld von Sammlern und Händlern konnten Hinweise zu einem Erwerb dieses Aquarells durch Max Rüdenberg gefunden werden.

Der Name Max Rüdenberg tritt in zeitgenössischen Quellen, der kunsthistorischen Literatur zu Karl Schmidt-Rottluff oder vergleichbaren Werkverzeichnis-Nachlässen und Dokumenten (darunter Ernst Beyersdorf, Will Grohmann, Carl Hagemann, Paul und Martha Rauert, Rosa Schapire, Gustav Schiefler, Gerhard Wietek und weitere) nicht in Erscheinung, auch ist er nicht als Sammler expressionistischer Kunst belegbar.

Karl Schmidt-Rottluff formulierte nach 1945 mehrfach, dass zahlreiche seiner Unterlagen durch Kriegseinwirkung verloren seien und er nur lückenhaft Kenntnis von dem Verbleib seiner Bilder habe. Vor 1945 hatte er den Vertrieb seiner Kunst selbst gesteuert, den Versand seiner Werke an Kunstvereine und Museen zu Ausstellungszwecken selbst vorgenommen. Der Künstler zählte nach 1933 zu den unter den Nationalsozialisten durch das Reichministerium für Propaganda und Volksaufklärung öffentlich Verfemten, dessen Werke beschlagnahmt und zerstört wurden. Der Ausschluss aus der Reichskammer der Bildenden Künstler, ein Ausstellungs- und Malverbot waren die Folge. Ein ursprünglich durch den Künstler verwendeter historischer Titel des Aquarells ist nicht eindeutig belegt. Den Forschungen zufolge wird das Aquarell erstmals 1963/1964 anlässlich einer im Kunstverein Hannover gezeigten Ausstellung und zu diesem Anlass durch Gunther Thiem bei dem Verlag Bruckmann in München herausgegebenen Katalog "Aquarelle und Zeichnungen von Karl Schmidt-Rottluff" als "Marschlandschaft mit rotem Windrad" bezeichnet, fotografisch abgebildet und als Eigentum Bernhard Sprengels ausgewiesen. Die erhaltenen Korrespondenzen zwischen Thiem und Sprengel belegen diese Eigentumsausweisung (Nachlass Bernhard Sprengel, Niedersächsisches Landesarchiv Hannover).

Der Kunsthistoriker Alfred Hentzen (1903–1985) – von Berlin nach Hannover

Entgegen verschiedener vorgebrachter Vermutungen existiert kein vor 1945 durch den Berliner Kunsthistoriker Alfred Hentzen erstelltes Sammlungsinventar zur Sammlung Sprengel. Bernhard Sprengel und Alfred Hentzen lernten sich nachweislich erst nach dessen Übernahme der Leitung der 1946 wiederbegründeten Kestner-Gesellschaft kennen. Die Kestner-Gesellschaft war 1936 auf Druck der Nationalsozialisten geschlossen worden. Hentzen befand sich bis 1946 in Kriegsgefangenschaft in Ägypten. Das als "Das Windrad 1922" bezeichnete Aquarell wurde durch ihn erstmals 1952 in einer großen in der Kestner-Gesellschaft ausgerichteten Retrospektive des Werkes von Schmidt-Rottluff präsentiert. Bei dieser Ausstellung ist allein Bernhard Sprengel als Leihgeber und Eigentümer des Aquarells dokumentiert, nicht aber ein Hinweis auf ein eventuell vorhanden gewesenes vormaliges Eigentum von Max Rüdenberg. Im Juni 1949 bestand lediglich ein durch Bernhard Sprengel vergebener Auftrag an Hentzen, die bis dahin von ihm umfassend erworbene Nolde-Grafik zu inventarisieren. Die Erfassung erfolgte nach Vorlage des von Gustav Schiefler erstellten Werkverzeichnisses (Das graphische Werk von Emil Nolde 1910–1925, Berlin 1927). Wie brieflich belegt, hatte sich Sprengel schon frühzeitig zwecks Vervollständigung des grafischen Oeuvres von Emil Nolde in seiner Sammlung bei der Erwerbungstätigkeit an Gustav Schieflers Publikation orientiert. Hentzens Beschäftigung mit Sprengels umfangreicher Nolde-Sammlung entstand in Zusammenhang mit der zur Wiedereröffnung der Kestner-Gesellschaft konzipierten Retrospektive des Künstlers im Oktober 1948. 1955 wurde Hentzen als Direktor der Hamburger Kunsthalle berufen, ein möglicher Austausch in dieser Zeit über eine Provenienz Max Rüdenberg ist bislang unbekannt.

Die Antiquitätenhandlung Erich Pfeiffer in Hannover

Die Anspruchstellung durch die Erbengemeinschaft nach Max Rüdenberg basierte weiter auf der Annahme, dass Max Rüdenberg das Aquarell während der Zeit der Verfolgung in der Galerie Erich Pfeiffer in Hannover und unter dem üblichen Handelswert veräußert habe. Die Herkunft des Namens "Pfeiffer" auf der durch die seinerzeit angestellte Volontärin erstellte Inventarkarte ist indes unklar geblieben, zu jener Zeit waren keine spezifizierten Provenienzforschungen vorgenommen worden. Ein Geschäftsnachlass der Galerie Pfeiffer ist nach heutiger Kenntnis nicht erhalten. Die ehemals am Altenbekener Damm gelegene Antiquitätenhandlung wurde gemäß der Kriegsschädendokumentation während der Bombennächte von Hannover 1943 zerstört.

Der schriftliche Nachlass von Bernhard und Margrit Sprengel

Als Beleg für den Zeitpunkt des Erwerbs des Aquarells durch Dr. Sprengel wurde ein einzelner Brief aus dessen umfangreich erhaltenem schriftlichen Nachlass gewertet, den dieser am 5. Juli 1939 an den Berliner Galeristen Joseph Nierendorf geschrieben und darin geschildert hat: "Ich habe gestern bei einem Freunde zwei Blätter aufgefunden, die wir mit Freude unserer Sammlung einverleibt haben: 1 Aquarell von Schmidt-Rottluff von 1922 und von Nolde eine Lithographie Frau, Profil. Für den Schmitt-Rottluff habe ich RM 180,-, für die Lithographie von Nolde RM 40,- bezahlt. Ich glaube, das ist billig."

Ob diese Quelle konkret den Erwerb des in Anspruch gestellten Aquarells benennt, ist nicht gesichert. Der heute im Sprengel Museum seit Schenkung 1969 vorhandene Bestand spiegelt nicht denselben Bestand aus der Zeit vor 1945. Sprengel veräußerte schon vor 1945 zuvor von ihm erworbene Aquarelle des Expressionisten.

Anders als bei dem unbezeichneten Aquarell Karl Schmidt-Rottluffs, wird in dem Brief eine präzise bezeichnete Lithographie von Emil Nolde erwähnt. Dieses Werk lässt sich in den Beständen der Sammlung Sprengel durch die Titelzuweisung nach Gustav Schiefler identifizieren und stammt nach bisherigen Kenntnissen aus den 1937 beschlagnahmten umfangreichen Grafik-Beständen Emil Noldes des Folkwang Museum in Essen. Diese Grafiken waren wie auch weitere Werke seit März 1939 im Rahmen der durch das Reichministerium für Propaganda und Volksaufklärung initiierte ‚Verwertungsaktion‘ von Hildebrand Gurlitt übernommen worden. Während der Zeit des Nationalsozialismus hatte nur ein sehr beschränkter Händlerkreis Zugriff auf das beschlagnahmte Museumsgut mit dem Ziel, dieses gegen Devisen zu "verwerten", zu diesen zählten Bernhard Böhmer, Karl Buchholz, Ferdinand Möller und Hildebrand Gurlitt. Dass der Antiquitätenhändler Erich Pfeiffer in Hannover mit Werken expressionistischer, als "entartet" verfemter Künstler vor 1940 handelte, ist weder naheliegend noch erwiesen.

Während Bernhard Sprengel seine privaten Kontakte und Handelspartner in den erhaltenen brieflichen Dokumenten und Abschriften üblicherweise alle namentlich benennt, blieb der hier erwähnte Freund namenlos und lässt sich bislang nicht durch die chronologisch zusammenhängenden Korrespondenzen identifizieren. Dennoch ist nicht davon auszugehen, dass Sprengel den Kontakt hatte verschleiern wollen. Ein vermuteter freundschaftlicher Kontakt zu dem Galeristen Erich Pfeiffer ist zudem nicht überliefert.

Lediglich eine von 1942 datierende Versicherungsliste des Hannoverschen Industriellen Sprengel listet drei Aquarelle des Künstlers Karl Schmidt-Rottluff auf, von denen eines als "Landschaft mit Mühle" betitelt ist (Nachlass Bernhard Sprengel, Niedersächsisches Landesarchiv Hannover). Die weiteren beiden zu diesem Zeitpunkt in Eigentum Sprengel befindlichen Aquarelle heißen: "Kurische Nehrung" und "Weidenkätzchen". Die Liste entstand im Vorfeld der zum Schutz vor Luftangriffen geplanten Auslagerungen seiner Sammlung.

Weitere Forschungen zur Authentizität des Aquarells

Da ein historisch verwendeter Werktitel des Künstlers nicht überliefert ist, konzentrierte sich die Recherche auch stilistisch auf die Entstehung von Motiven eines Windrades oder einer Windmühle am Wasser und beschreibende alternative Titel in Quellen durch den Künstler und der Literatur zu Karl Schmidt-Rottluff. Auch folgt Folgende Nennungen lassen sich nachweisen:

• 1922 veranlasste Karl Schmidt-Rottluff den Versand eines von ihm betitelten und nach Hannover entliehenen Aquarells "An der Windmühle" durch den Leiter der Kestner-Gesellschaft Eckhard von Sydow an das Kunsthaus Tannenbaum in Mannheim (Niedersächsisches Landesarchiv Hannover). Ob jenes Aquarell dort eingetroffen oder veräußert worden ist, lässt sich zum jetzigen Zeitpunkt nicht abschließend klären, da ein Geschäftsnachlass des durch die Nationalsozialisten verfolgten und emigrierten jüdischen Kunsthändlers nicht erhalten ist bzw. in einzelnen Archiven ermittelt werden muss.

• Ob das von Karl Schmidt-Rottluff betitelte Werk identisch ist mit dem als "Windmühle" (EK Nr. 121) bezeichneten und 1937 in der Städtischen Galerie Wuppertal durch die Nationalsozialisten beschlagnahmten Aquarell des Künstlers konnte nicht abschließend geklärt werden.

Gemäß der mit dem Reichsministerium zwischen 1938 und 1941 zur Verwertung der verfemten Kunst entstandenen Tauschverträge gelangte dieses Blatt um 1939 an Hildebrand Gurlitt (Bundesarchiv Berlin), der seine umfangreich erworbenen Grafikbestände seither über verschiedene Wege, auch Zwischenhändler, vertrieben hat.

• Ein Aquarell "Windmühle", undatiert figuriert im Ausstellungskatalog 1928 der Galerie Ferdinand Möller Berlin, Nr. 27. Eine eindeutige Identifizierung durch Quellen ist bislang nicht erwiesen (Archiv Ferdinand Möller, Berlinische Galerie).

• Als Sammler expressionistischer Kunst, insbesondere von Werken Karl Schmidt-Rottluffs sind Hannover nachweislich schon frühzeitig der Sammler und Galerist Herbert von Garvens-Garvensburg (1883–1953) als auch Fritz Beindorff (1860–1944) bekannt geworden, die wie der Fabrikant August Sprengel, Vater von Bernhard Sprengel, zu den Initiatoren und 24 Gründungsstiftern der Kestner-Gesellschaft zählen. Offen ist die Frage geblieben, ob in der Nachfolge von Garvens auch der ehemalige Leiter der Kestner-Gesellschaft und spätere Kunsthändler Hanns Krenz, der in den Handel von Werken Emil Noldes miteinbezogen war und zu dem Bernhard Sprengel nach Aufnahme seiner Sammlungstätigkeit im Jahr 1937 enge Kontakte pflegte, ein Aquarell Karl Schmidt-Rottluffs veräußert hat.

• Seit den 1950er Jahren suchte die Witwe Sophie Küppers-Lissitzky neben den weiteren im Provinzialmuseum Hannover 1937 beschlagnahmten Kunstwerken, die sie 1927 unter dem Leiter der Gemäldegalerie Alexander Dorners als Privatperson dort eingelagert hatte. Darunter befand sich ein nicht näher als "Landschaft" bezeichnetes Aquarell Karl Schmidt-Rottluffs, das bis heute als verschollen gilt.

Das Schicksal der Familie Max und Margarethe Rüdenberg

Max und Margarethe Rüdenberg durchlebten alle Stadien existentieller Verfolgung im nationalsozialistischen Regime. Der Bettfedernfabrikant zählte 1916 zu den 72 Mitbegründern der Kestner-Gesellschaft Hannover und besaß eine große Sammlung ostasiatischen Kunsthandwerks, die durch die Nationalsozialisten enteignet wurde (Link folgt in Kürze). Aus den in Hannover erhaltenen Aktenbeständen ihrer Verfolgung geht allerdings keine Veräußerung oder Enteignung eines solchen Aquarells des Künstlers Karl Schmidt-Rottluff hervor. Zahlungen der Galerie Erich Pfeiffer auf ein Sperrkonto des verfolgten Ehepaars für einen eventuellen Zwangsverkauf sind nicht belegt.

Die Akten zu dem Verfolgungsschicksal von Max und Margarete Rüdenberg sind öffentlich einsehbar im Stadtarchiv Hannover sowie im Niedersächsischen Landesarchiv Hannover.

Die Landeshauptstadt Hannover betreibt aktive Erinnerungskultur, um an die Opfer nationalsozialistischer Verfolgung zu erinnern. Für das im Juli 1942 nach Theresienstadt deportierte Ehepaar Max und Margarethe Rüdenberg wurden durch die Landeshauptstadt Hannover an ihrem ehemaligen Grundstück, der Villa Schwanenburg in Hannover-Limmer, 2008 und 2014 Stolpersteine verlegt. Im September 2017 wurde der Margarethe-und-Max-Rüdenberg-Platz in Hannover-Limmer eingeweiht. Auch das 1994 eingeweihte Mahnmal für die ermordeten Juden Hannovers am Opern-Platz würdigt die Namen des in Theresienstadt ermordeten Ehepaars.

Der Sammler Bernhard Sprengel

Ausgelöst durch den Eindruck der Ausstellung "Entartete Kunst", die ab dem 19. Juli 1937 in den Münchner Hofgartenarkaden ausgerichtet worden war, begann das Ehepaar Bernhard und Margrit Sprengel auf ihrer Hochzeitsreise die von den Nationalsozialisten aus den deutschen Museen ausgesonderte und durch sie als "entartet" verfemte Kunst der Moderne zu sammeln. Die erste Erwerbung war ein Aquarell von Emil Nolde in der Münchner Galerie Günther Franke, der Bernhard Sprengel in den folgenden Jahren verbunden blieb. Weitere Händler und Vermittler, die er auf Reisen aufsuchte, oder die ihm Werke nach Hannover zur Ansicht sandten, waren Josef Nierendorf, Hildebrand Gurlitt, Edgar Lehmann, Hanns Krenz und Karl Buchholz.

Anteil nahm Bernhard Sprengel an der Auflösung namhafter norddeutscher Sammlungen expressionistischer Kunst, wie es seine Ankäufe aus den Sammlungen Paul und Martha Rauert oder Paul Ströhmer belegen. Einen besonders engen Austausch verband das Ehepaar Sprengel mit Ada und Emil Nolde, der von Sprengel während der Kriegsjahre durch Ankäufe materiell unterstützt wurde. 1942 lagerte er sowohl seine eigene, inzwischen auf nahezu 600 Arbeiten angewachsene Sammlung als auch Noldes eigene Werke aus Seebüll zum Schutz vor Bombenangriffen aus, aber auch solche, die sich bei weiteren privaten Sammlern von Nolde befanden. Die anlässlich der Wiedereröffnung der Kestner-Gesellschaft im Oktober 1948 ausgerichtete große Retrospektive zu Ehren Emil Noldes wurde durch seine zahlreichen Leihgaben unterstützt.

Ausgewählte Literatur

  • Karl Schmidt-Rottluff. Aquarelle, Farbstift- und Tuschpinselblätter. Ausstellung zum 85. Geburtstag, Staatsgalerie Stuttgart, Graphische Sammlung, 11. Oktober bis 7. Dezember 1969
  • Karl Schmidt-Rottluff – Ungemalte Bilder von 1934 bis 1944 und Briefe an einen jungen Freund, hrsg. von Gunther Thiem, Berlin 2002
  • Emil Nolde und die Sammlung Sprengel 1937 bis 1956 – Geschichte einer Freundschaft, Ausst.-Kat.
  • Sprengel Museum Hannover, hrsg. von U. Krempel/M. Heinzelmann, Hannover 1999
  • Fremde Heimat. Rettende Kindertransporte aus Hannover 1938/39, Schriften zur Erinnerungskultur in Hannover, hrsg. von Karljosef Kreter und der Landeshauptstadt Hannover, Hannover 2015
  • Vanessa-Maria Voigt, Kunsthändler und Sammler der Moderne im Nationalsozialismus. Die Sammlung Sprengel 1934 bis 1945, Berlin 2007

Autorin: Landeshauptstadt Hannover, Provenienzforschung – Dr. Annette Baumann