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Dritte Etappe

Von Neustadt a. Rbge. durch Tote Moor

Eine Landschaft als Rohstofflieferant und wertvoller Lebensraum für Tiere und Pflanzen: Das Moorgebiet am Ostufer des Steinhuder Meeres hat viele Gesichter (ca. 20 km)

Die Moorroute © Thomas Langreder

Die Nordhannoversche Moorroute

Auf einer Fläche von rund 30 Quadratkilometern erstreckt sich zwischen Neustadt a. Rbge. und dem Steinhuder Meer das Tote Moor. „Tot“ ist der Landstrich keineswegs. Doch zeigt der Name, welchen Eindruck die Gegend früher auf die Menschen gemacht haben muss: „Eine entsetzlich trostlose, von keinem Strauche belebte Fläche“, schrieb der Hofarchivar Georg Landau 1859.

Wer heute das Moor von Neustadt a. Rbge. Richtung Mardorf auf der Moorstraße durchquert, kann erkennen, wie stark der Einfluss des Menschen die Landschaft verändert hat. Statt baumloser Einöde sieht man überwiegend Birken- und Kiefernwald. Das Torfwerk rechts der Straße zeigt, dass das Moor noch immer industriell abgebaut wird. Das Tote Moor ist das größte und am intensivsten genutzte Moorgebiet in der Region. Getrockneter Torf diente den Menschen in der Gegend seit Jahrhunderten als Brennstoff. Große Teile des Moores wurden für den Torfabbau entwässert. Nach und nach verdrängten Gehölze die auf feuchte Böden angewiesene ursprüngliche Moorvegetation.

Gut zu erkennen ist die Zerstörung der Landschaft rechts der Moorstraße, wo sich das Areal teilweise als wahre Mondlandschaft präsentiert. Nach gut drei Kilometern erscheint links ein Abzweig Richtung Steinhuder Meer. Achtung: Hier in einer 180-Grad-Kehre scharf links in den Moor-Erlebnispfad einbiegen!

Der Moor-Erlebnispfad verläuft ein Stück parallel zur Hauptstraße und knickt dann schräg rechts ab. Dieser Streckenteil, genannt Vogeldamm, führt durch den am besten zugänglichen Moorabschnitt der gesamten Nordhannoverschen Moorroute. Früher wurde hier ebenfalls Torf abgebaut. Heute steht dieser Teil des Moores unter Naturschutz. Den Erfolg kann man vielerorts sehen: Eine Aussichtsplattform und ein Steg, der zwischen Kiefern und Birken über ein wieder wachsendes Moor führt, vermitteln einen unmittelbaren Einblick in den Lebensraum Moor. Eine gezielte Wiedervernässung hat dazu geführt, dass sich hier die ursprüngliche Moorvegetation wieder ansiedeln konnte. Aufmerksame Beobachter können moortypische Pflanzen wie Wollgräser, Torfmoose und den seltenen Sonnentau entdecken.

Der Torfabbau erfolgte traditionell per Hand mit dem Torfspaten. An einigen Stellen der Route kann man solche alten Handtorfstiche noch sehen. Anhand ihrer rechteckigen Form sind sie gut zu erkennen. Gefüllt mit Niederschlagswasser, dienen sie heute Pflanzen und Tieren als Lebensraum. Nach etwa vier Kilometern endet der Vogeldamm an einer T-Kreuzung. Der Moorwald geht hier über in eine offene Landschaft. Etwa 100 Meter weiter rechts weist ein Schild auf den nahe gelegenen Beobachtungsturm hin.

Am Ostufer des Steinhuder Meeres grenzt das nährstoffarme Hochmoor an den nährstoffreichen See. Auf dem Weg zum Beobachtungsturm lässt sich der Übergang gut beobachten. Der Steg führt vom Moor zunächst durch einen Bruchwald, der mit den „Füßen“ bereits im Wasser steht. Es folgt ein breiter Schilfgürtel und daran anschließend die Rohrkolben- und Schilfzone, die bereits vom Wasser des Sees durchströmt wird.

Kurz hinter dem Hinweisschild zum Turm gabelt sich die Strecke. Die Nordhannoversche Moorroute führt über den linken Abzweig Richtung Poggenhagen. Der Weg durchquert eine idyllisch wirkende Landschaft, die Großenheidorner Wiesen, ein artenreiches Nass- und Feuchtwiesengebiet, das heute als Grünland landwirtschaftlich genutzt wird. Sumpfdotterblumen und Binsen zählen zu den typischen Pflanzen dieses Lebensraums. Tierarten, die es feucht lieben, wie Sumpfschrecke oder Sumpfgrashüpfer, finden hier ein Rückzugsgebiet. Der Streckenabschnitt endet nach etwa zwei Kilometern abrupt vor dem Waldgebiet Hohe Holz. Der Weg knickt dort links ab und mündet nach etwa 1,5 Kilometern in die B 442. Das militärische Sperrgebiet auf der anderen Straßenseite gehört zum Fliegerhorst Wunstorf.

Auf dem Radweg geht es ein Stück an der Kreisstraße entlang Richtung Poggenhagen. Nach knapp einem Kilometer links abbiegen in einen Fahrweg. Der Wegabschnitt führt durch den äußersten südöstlichen Zipfel des Toten Moores – das Naturschutzgebiet Wunstorfer Moor – Richtung Moordorf. Schon bald kommen die Ausläufer der Ortschaft in Sicht. Den historischen Ortskern der heute zu Poggenhagen gehörenden Moorbauernsiedlung bildet ein malerisches Ensemble aus alten Fachwerk- und Backsteinhäusern. Schautafeln informieren über die Geschichte des einst als Moorkolonie gegründeten Ortes. Während der Sommermonate stachen die Moorkolonisten Torf und betrieben Landwirtschaft. Im Winter arbeiteten sie auf dem nahegelegenen Gut Poggenhagen.

Neustadt am Rübenberge, Ausgangs- und Endpunkt der Etappe, ist nun nicht mehr weit. Ein paar hundert Meter hinter Moordorf vor einem Wald rechts abbiegen und der Beschilderung der Fahrradroute folgen. Vorbei an Wiesen und Wäldchen geht es dem Ziel entgegen.

Karte und GPX Track