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Spaziergang durch Bad Münder

Brunnen mit Skulpturen eines Mädchens, einer Gans, einer Ziege. Im Hintergrund ein älteres Gebäude

 

Bad Münder wird erstmalig um 800 unter dem Namen „Munimeri“ urkundlich erwähnt. Schon der Name deutet auf Quellen hin. Gut 200 Jahre später bezeugt eine Urkunde des Kaisers Konrad II. zum ersten Mal die Salzgewinnung. Diese Salzvorkommen sind noch immer die Grundlage für die Zusammensetzung der vier Heilquellen: Sole, Schwefel, Eisen und Bitterwasser.

Gegen 1877 wurde an der Stelle des früheren Salzhofes ein kleines Badehaus und ein Park mit einem Teich angelegt und zwei Jahre später ein Sole- und Schwefelbad eingeweiht. Um 1900 ließ der Münderaner Fritz Koke ein Kurhotel neben das Badehaus bauen und seit 1936 trägt Münder das Prädikat „Bad“ im Namen.

Bis 1924 wurde das Salz aus der Saline mit ihren Gradierwerken gewonnen. Diese wurden später abgerissen, aber seit 1999 befindet sich eine neue kleine Gradieranlage im Kurpark. Sie ist nach altem Vorbild erbaut und dient der Sole-Inhalation. Heute ist das 1980 eingerichtete Kurmittelhaus das Zentrum für die Trink- und Badekuren. Das medizinische Angebot umfasst auch Krankenhäuser sowie Reha-Kliniken und wird ergänzt durch Einrichtungen, wie das „Rohmelbad“ (Mineralwasserbad) sowie Sport- und Fitnessangebote.

Vom ehemaligen Vorort Salz führt die Lange Straße geradewegs zum Markt. Hier stehen einige gut erhaltene Fachwerkhäuser, teils giebelständig, teils traufständig, mit auffällig breiten Einfahrtstoren. Es sind die Häuser ehemaliger Ackerbürger, die zugleich als Wohn- und Wirtschaftsgebäude dienten. Die vor dem Dreißigjährigen Krieg entstandenen Gebäude zeichnen sie sich durch reiches Schnitzwerk aus, später wurden nur noch Torüberschriften angebracht, die den Namen des Erbauers und seiner Frau, Gottesglaube sowie Liebe und Stolz auf das Eigentum kundtun.

Rund 400 Jahre, von 1500 bis 1900, diente der Laurentiusfriedhof als Bestattungsort. Die alten Grabplatten zeugen von dieser Zeit. Das weitläufige Gelände mit seinen verstreut liegenden Efeu überwachsenen Gräben, den alten Bäumen sowie einem Rastplatz mit Tischen und Bänken lädt zum Verweilen ein. Bei dem gotischen Steinkreuz an der Ecke zum Laurentiusweg handelt es sich wahrscheinlich um ein mittelalterliches Sühnekreuz.

Das älteste Bauwerk Bad Münders ist der Kirchturm der St. Petri-Pauli-Kirche aus dem Jahr 1529. Sein barockes Dach hat er allerdings erst 200 Jahre später erhalten. Wiederum hundert Jahre später, 1839, wurde die Kirche im klassizistischen Stil erbaut.

Die Salzgewinnung in Bad Münder ist auch das Thema des Söltjerbrunnen in der Marktstraße. Er zeigt zwei Salinenarbeiter, die sogenannten Söltjer: Der eine siedet Salz mit Hilfe einer Kratze, der andere trägt es in einer Kiepe zu seinem Bestimmungsort.

Am Markt steht eines der bedeutendsten Gebäude der Stadt: das Steinerne Haus, heute Kornhus. Früher diente es als Kornmagazin mit Bäckerei, später als Kornscheune des Steinhofs, dem bekanntesten Burghof Bad Münders. Es wurde um 1560 als Wehrbau im Renaissancestil errichtet. Das Dielengeschoss trägt ein Speichergeschoss mit vier Horizontalgesimsen. Auf der Dachspitze bewacht ein Landknecht das Haus, in dem sich heute ein Restaurant mit gutbürgerlicher Küche und hauseigener Brauerei beherbergt.

Die zahlreichen Burghöfe Bad Münders boten ihren Besitzern Schutz und unterirdische Gänge dienten als Fluchtweg. Auch vom Steinhof führte ein etwa ein Meter breiter, gewölbter Tunnel zum „Steinernen Haus“ und weiter zum Kirchturm. Aus Sicherheitsgründen wurde er mittlerweile zugeschüttet. Am Steinhof stehen noch zwei ehemalige Herrenhäuser: Das linke Gebäude wurde 1596 von Tieleman Büsing errichtet. Auffällig ist das Portal mit seinen ionischen Säulen, die den profilierten Rundbogen tragen. Die seitliche Utlucht, ein zweigeschossiger Erker, ist im klassischen Stil der Weserrenaissance erhalten geblieben: Fünf Säulen mit ionischen Kapitellen im unteren und korinthischen im oberen Teil rahmen die Fensterachsen ein. Löwenmasken, Blätter und Girlanden zieren das Gebälk. Das rechte Gebäude war das eigentliche Herrenhaus des Steinhofs.1721 ließ ein Urenkel des Tielemann Büsing, Johann Dietrich Büsing, das baufällig gewordene Herrenhaus in Fachwerk neu aufstocken. Das Bauwerk beeindruckt durch die klaren klassizistischen Formen, die zweiarmige Freitreppe und das Giebeldreieck mit dem steinernen Wappen der Büsings. Heute sind hier das Haupt-, das Personal- und das Standesamt der Stadt Bad Münder untergebracht.

Ein Blick hinter das Standesamt lohnt sich: Dort steht eine über hundert Jahre alte Süntelbuche. Der imposante Baum ist ein Naturdenkmal. Als ältestes Fachwerkgebäude gilt das heutige Gasthaus „Eisenstein“ in der Kellerstraße, das 1647 erbaut wurde. Nur wenige Schritte weiter steht das Rathaus, ein Fachwerkbau im klassizistischen Stil aus dem Jahr 1815. Das städtische Museum (Kellerstraße 13), einst das Herrenhaus der von Wettbergschen Burggrafen („Pächterhaus“), wurde um 1575 im Renaissancestil erbaut. Das Fachwerkobergeschoss kam erst später, vermutlich um 1700, hinzu. Bemerkenswert sind das Eingangsportal, die dahinter liegende Wendeltreppe und der seitliche Erker. Wer Entspannung sucht, ist im Kurpark richtig: Der alte Teil mit dem Kurmittelhaus und der Konzertmuschel, alten Bäumen und gepflegten Blumenrabatten, ist quasi das kulturelle Herz der Anlage. Hier befinden sich auch das neu aufgebaute Gradierwerk und eine Wassertretstelle. Der neuere Teil bietet naturnah gestaltete ruhigere Bereiche, einen See, aber auch Angebote für Spiel und Sport.