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Kulturhauptstadt Europa 2025

Was bringen EU-Kulturhauptstädte?

An den Beispielen Leeuwarden, Linz und Liverpool kann man sehr anschaulich die positiven Langzeitfolgen einer Kulturhauptstadt-Bewerbung erkennen und „erspüren“ (Auszug aus: „Was bringen EU-Kulturhauptstädte?“ von Robert. B. Fishman, Beitrag in Deutschlandfunk Kultur vom 19.09.2018 https://bit.ly/2yHBbAp ).

Leeuwarden

„In Leeuwarden ist zurzeit die Hölle los“

Leeuwarden war 2018 Europäische Kulturhauptstadt und hat sich den großen Fragen der Zeit gewidmet. Es ging um die Ausbeutung der Erde und den Klimawandel: Im Projekt „Pioniere der Hoffnung“ wurde für Elektromobilität, Fahrradfahren und den öffentlichen Nahverkehr geworben, um die Umwelt in den ländlichen Regionen zu erhalten. Die Ausstellung „Landmaker“ hat Menschen präsentiert, die die Zukunft schon angepackt haben. Eine junge Architektin kämpft gegen Lichtverschmutzung, will das Wattenmeer als „Dark Sky Park“, als Schutzraum für natürliche Dunkelheit, ausweisen lassen. Andere bauen Häuser, in denen sie Brauchwasser für die Toilettenspülung recyceln oder Möbel aus Altstoffen herstellen. 

Das friesische Leeuwarden hat als Europäische Kulturhauptstadt 2018 vieles richtig gemacht: Es ist ein Festival der Besucher und der Einheimischen, die an sehr viel Stellen mitgestalten können. Auch einheimische, weniger bekannte Kulturschaffende haben ihren Platz im Programm bekommen.

Und es gibt einen Plan für Leeuwarden 2025 und 2030. So kann der Titel Europäische Kulturhauptstadt eine Stadt zum Positiven verändern, wenn die Verantwortlichen Kultur ganzheitlich verstehen und über die jeweilige Wahlperiode hinausdenken.

Und was bleibt von den zwölf Event-Monaten? Oeds Westerhof, zuständig für die Nachhaltigkeit bei der Stiftung „Leeuwarden Europäische Kulturhauptstadt 2018“: „Was hier funktioniert hat, ist, dass man Leuten die Verantwortung für ihre Projekte gegeben hat. Alles, was sie gemacht haben, ist größer als alles, was sie je zuvor gemacht haben.“

Liverpool

Gerade das nordenglische Liverpool hat sich seit dem Kulturhauptstadtjahr 2008 vor zehn Jahren so grundlegend verändert wie kaum eine andere Stadt in Europa. Aus dem Armenhaus Englands ist ein angesagtes Ziel für Städtereisen geworden.

Der Wandel lässt sich am Gesicht der Stadt erkennen: Aus der alten Waterfront, wo einst die Werften berühmte Schiffe bauten und die großen Dampfer aus Amerika anlegten, ist ein Vergnügungs- und Kulturviertel geworden. Die Londoner Tate Modern hat ihre größte Filiale außerhalb der Hauptstadt eröffnet. Die einst verfallende Innenstadt wurde renoviert und ist heute eine beliebte Wohngegend. Und aus der ehemals heruntergekommenen Bold Street wurde eine bunte Einkaufsstraße mit zahlreichen Cafés und ausgefallenen Läden.

Linz

Das Image der Stahlkocherstadt hat sich gewandelt. Man wird von Wienern und Salzburgern nicht mehr als kulturelle Hinterwäldler betrachtet. Auch dank des „Höhenrauschs“: ein Kunstprojekt über den Dächern der Stadt, das jährlich fast so viele Besucher anlockt, wie die oberösterreichische Landeshauptstadt Einwohner hat – rund 200.000, Tendenz weiter steigend.