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Lebende Urlaubsmitbringsel

Vorsicht geht vor Tierliebe

Amtstierärztin der Region Hannover appelliert zum Ferienstart an tierliebe Urlauber.

Hundewelpe hinter Gittern. © Pförtner / Region Hannover

Der Labradorwelpe Findik wird die nächsten Wochen auf der Quarantänestation des Flughafens Langenhagen bleiben müssen.

Streunende Straßenhunde, süße Hotelkatzen, der Papagei aus der Zoohandlung im Urlaubsort – immer wieder bringen Urlauber Tiere aus ihren Feriendomizilen im Flieger mit nach Deutschland. Die vermeintlich tierliebe und gut gemeinte Aktion kann allerdings gegen Gesetze verstoßen und vor allem gefährlich für Mensch und Tier werden. Zum Beginn der Ferienzeit appellieren die Amtstierärzte der Region Hannover daher an alle Reisenden, ungeplant keine Tiere aus dem Urlaub mitzubringen.

Freudig schwanzwedelnd springt Findik auf, als die Tür aufgeht und Dr. Sigrid Hofmeister das Gittergehege der Quarantänestation am Flughafen Langenhagen betritt. Acht Wochen alt soll der Labradorwelpe laut Pass sein. Seine neuen Besitzer hatten ihn aus ihrem Türkei-Urlaub mitgebracht, als Geburtstagsgeschenk für ihren Sohn. Dass das nun ein sehr teures Geschenk wird, damit hatte das Paar nicht gerechnet. Bis zu 3.000 Euro kann ein dreimonatiger Aufenthalt in der Quarantäne-Station kosten. Diese Kosten stehen allerdings in keinem Verhältnis zum Schaden, den Menschen und Tiere  durch eingeschleppte Krankheiten nehmen können.

Begleitpapiere für Tiere bei der Einfuhr

„Tollwut ist das größte Problem“, sagt Dr. Sigrid Hofmeister, Amtstierärztin im Team Verbraucherschutz der Region Hannover. Die wenigsten Tiere aus dem Ausland sind geimpft. „Nach einer Impfung dauert es drei Wochen, bis diese vor einer Tollwutinfektion schützt“, erklärt Dr. Hofmeister. Eine nachfolgende Blutuntersuchung zeigt, dass sich Antikörper im Blut gebildet haben. „Bis dahin allerdings könnte sich der Hund oder die Katze anstecken oder eine Tollwutinfektion an andere Tiere und Menschen weitergeben. Daher müssen wir die Tiere, deren Impfstatus unbekannt oder zu frisch ist, in Quarantäne stecken. Zum Schutz für Tiere, aber auch für Menschen“, so die Tierärztin.

Ein ISO-Norm-Mikrochip unter der Haut des Tieres dient der eindeutigen Identifikation des Tieres. Werden die regelmäßigen Tollwutimpfungen im blauen Heimtierausweis eingetragen, reicht dieses Dokument für Reisen innerhalb der EU völlig aus. Wenn ein Tier aus einem Nicht-EU-Land einreisen möchte, reicht der Nachweis einer Tollwut-Impfung nicht aus. „Die Wirksamkeit dieser Impfung muss durch eine zusätzliche Blutuntersuchung nachgewiesen werden“, erläutert Dr. Hofmeister. Je nach Einreiseland – beispielsweise Türkei, Afrika oder Kasachstan – kann sich zusätzlich noch eine Sicherheitsspanne von drei Monaten ergeben, die gewährleisten soll, dass keine unerkannt infizierten Hunde und Katzen als wirksam geimpft eingestuft werden. Die Ein- und Ausreise von Vögeln ist über den Flughafen in Langenhagen insgesamt nicht gestattet. Bei Einreisen von Tieren kontrolliert am Flughafen der Zoll die Begleitpapiere. Die Amtstierärzte der Region werden hinzugezogen, wenn die Dokumente nicht in Ordnung sind, oder die Tiere einer Einfuhruntersuchung unterzogen werden müssen.

Rechtzeitig informieren

Wer ein Tier aus einem anderen Land nach Deutschland holen will, sollte sich vorher über die Möglichkeiten, Pflichtimpfungen sowie zeitlichen Abläufe informieren. Eine realistische Vorlaufzeit seien fünf Monate, sagt die Amtstierärztin. Sie rät dazu, die Finger von jungen Tieren zu lassen. „Welpen können durch die Vorlaufzeiten für Impfungen häufig erst ab einem Alter von  mindestens sieben Monate legal eingeführt werden.“ Viele Tierschutzorganisationen koordinieren den Transport der Tiere durch Urlaubsreisende und kümmern sich auch um die Einhaltung der Vorschriften. „Lassen Sie sich kein Tier spontan aus Mitleid aufquatschen, weder von einer Tierschutzorganisation noch von einer Privatperson.“ Oft würden Urlauber auch als Flugpate angefragt – auch hier bedarf es einiger Vorsicht. „Lassen Sie sich auf einen solchen Deal nicht ein, wenn Sie sich nicht sicher sind, dass die Tierschutzorganisation alles Wichtige geregelt hat. Im Zweifel haften die Flugpaten für die Tiere und müssen für die Quarantänekosten aufkommen“, warnt Dr. Hofmeister.

Neben der Tollwut gibt es aber auch andere Infektionen, die von Tieren eingeschleppt werden und auch für Menschen gefährlich sein können: die Leishmaniose zum Beispiel. Menschen und Tiere bekommen davon schlimmen Hautausschlag, auch Organe können befallen werden. Häufig bleiben die Tiere lebenslang chronisch krank und bedürfen aufwendiger Behandlungen. Dr. Hofmeister, die den Job als Amtstierärztin schon seit 19 Jahren macht, appelliert daher an die Reisenden, sich die Mitnahme von Tieren gut zu überlegen und sich vorher eingehend über die Bestimmungen im Einzelfall zu informieren. So können unliebsame Überraschungen für das Tier und die Besitzerin oder den Besitzer vermieden werden.

Einwohnerinnen und Einwohner der Region Hannover außerhalb der Landeshauptstadt können sich zu Fragen der Einreise nach Deutschland telefonisch beim Fachdienst Verbraucherschutz und Veterinärwesen unter Tel. +49 511 616-22095 beraten lassen oder Anfragen per E-Mail senden an: GKS@region-hannover.de