HANNOVER.DE | Das offizielle Portal der Region und der Landeshauptstadt Hannover

Zuletzt aktualisiert:

Ohne Wohnung in Hannover – Strategien und Maßnahmen zum Umgang mit Wohnungs- und Obdachlosigkeit aus sozialpolitischer Sicht

Neuer Eintrag

Stadtbezirke

  • gesamtstädtisch

Handlungsfeld

  • Inklusion, Integration und Teilhabe

Kurzbeschreibung:

 Hannover ist eine wachsende Stadt. Zuzug erfolgt aus den unterschiedlichsten Gründen und durch Personen in unterschiedlichsten Lebenslagen. Um in Hannover anzukommen und sich zu integrieren ist eine angemessene, dauerhafte und bezahlbare Wohnung Grundvoraussetzung.

 Für Menschen mit geringem Einkommen – egal, ob neu in der Stadt oder seit längerem hier wohnend – ist es gerade im Bereich der preiswerten Wohnungen für Alleinstehende / größere Familien extrem schwierig, eine passende Wohnung zu finden. Die Zahl der Obdach- und Wohnungslosen bzw. der von Wohnungslosigkeit Bedrohten steigt kontinuierlich an.

 Wohnungslosigkeit hat unterschiedliche Ursachen und viele Gesichter.

Arbeitslosigkeit, Armut, Verschuldung und Erkrankungen (auch psychische Erkrankungen oder Süchte) erschweren auf einem angespannten Wohnungsmarkt die Suche nach einer neuen Wohnung erheblich. Wer einmal wohnungslos geworden ist, findet so oft keinen Zugang zu einer neuen Wohnung mehr.

 Das Leben auf der Straße, in einer Obdachlosenunterkunft oder geduldet bei Freunden / Bekannten prägt die Lebenssituation der Betroffenen. Eine gravierende Verschlechterung der gesundheitlichen Situation, eine Verschärfung von Suchterkrankungen, die zunehmende soziale Isolation und Verfestigung von Arbeitslosigkeit sind möglichen Folgen.

Nicht jede*r kann / will die bestehenden städtischen Unterbringungsangebote nutzen. Obdachlosigkeit bedeutet aber gerade im Winter eine akute lebensbedrohliche Gefährdung.

Die Maßnahmen zur Attraktivitätssteigerung in der Innenstadt (öffentliche und private Investitionen in Platzgestaltung, Straßenumbauten und Neu- bzw. Umbau von Gebäuden) haben die Aufenthaltsmöglichkeiten für Wohnungslose / Obdachlose stark eingeschränkt. Die Konzentration auf die verbleibenden Plätze führt zu verstärkten Nutzungskonflikten.

Auffällig und öffentlich präsent sind nur die Personen, die sich an zentralen Plätzen im öffentlichen Raum aufhalten. Im Zusammenhang mit dem Alkoholkonsum kommt es dabei teilweise zur Störungen von Anwohner*innen, Geschäftsleuten und Passant*innen.

Obdach- / Wohnungslosigkeit hat aber eine weit größere Dimension und findet vielfach „im Verborgenen“ statt.

Das Thema Wohnungs- bzw. Obdachlosigkeit hat Schnittstellen zu unterschiedlichsten Themen (z.B. Wohnungsbau, Sicherheit und Ordnung, Gesundheitsversorgung). In einigen Themenbereichen bestehen direkte Steuerungsmöglichkeiten (z.B. Bauplanung), in anderen Bereichen sind wir abhängig von Entscheidungen Dritter (Finanzierung von Fachleistungen über das Land / die Region, gesetzliche Rahmenbedingungen für Zuwanderung aus anderen EU-Ländern als Bundes- bzw. EU – Gesetzgebung). Damit sind die Gestaltungsspielräume begrenzt.

Das Referenzprojekt soll

  • gemeinsam mit den Akteuren der Wohnungslosenhilfe und der Region Hannover Maßnahmen und Projekte zur Verbesserung der Lebenssituation von obdachlosen / wohnungslosen Menschen entwickeln und alternative bzw. ergänzende Wohnangebote konzipieren.
  • diese Maßnahmen nach Zielgruppen differenziert umsetzen bzw. deren Entwicklung und Umsetzung konstruktiv begleiten,
  • ein aufeinander abgestimmtes Verwaltungshandeln im Sinn einer kommunalen Strategie mit Blick auf die Zielgruppe der Wohnungs- / Obdachlosen beraten und
  • die Entwicklung einer verwaltungsinternen Strategie zur Vermeidung von Wohnungs- / Obdachlosigkeit fördern.

Übergeordnete Ziele im Handlungsfeld:

MEIN HANNOVER 2030…

  • gewährleistet Teilhabe trotz Armut,
  • bietet zukunftssicheren, qualitätsvollen und bezahlbaren Wohnraum für alle Einkommen,
  • ermöglicht allen Menschen bis ins hohe Alter ein selbstbestimmtes und aktives Leben in Gemeinschaft in lebendigen Quartieren,
  • zeichnet sich durch eine Verwaltung aus, die querschnittsorientiert und integriert arbeitet und als Dienstleisterin von der Stadtgesellschaft wertgeschätzt wird (dieses auch gerade bei Themen mit Zielkonfliktpotential).

Ziele für 2019:

  • Entwicklung von systematischen und zielgruppenorientierten Bausteinen zur Verbesserung der Lebenssituation von wohnungslosen / obdachlosen Menschen.
  • Auf- und Ausbau eines interdisziplinären Netzwerks von (professionellen) Akteuren der Wohnungslosenhilfe unter Einbeziehung ehrenamtlicher Unterstützer.
  • Priorisierung und Durchführung von Maßnahmen und Projekten zur Unterstützung wohnungsloser / obdachloser Menschen.

Zeitplanung:

Bis Ende 1. Quartal:

  • Umsetzung der Maßnahmen zur niedrigschwelligen Unterstützung für obdachlose und wohnungslose Menschen im Winter (Kältebus) und Entwicklung weiterer flankierender Maßnahmen.

Bis Ende 2. Quartal:

  • Interdisziplinäre Vernetzungsstrukturen ausbauen und verstetigen.

Bis Ende 4. Quartal:

  • Weiterentwicklung und Konkretisierung der o.g. Bausteine, Maßnahmen und Projekte.
  • Zusammenführen der unterschiedlichen Bausteine zu einer Gesamtstrategie, auch unter Berücksichtigung der Haushaltsanträge.

Für 2020:

  • (Weitere) Umsetzung von Maßnahmen und Projekten
  • Evaluierung von Maßnahmen und Projekten,
  • (weitere) Projekte zur interdisziplinären Vernetzung der Akteure.

Absehbare Kosten:

Die Entwicklung der o.g. Maßnahmen / Projekte wird aus vorhandenen Mitteln und mit vorhandenem Personal finanziert. Für die Umsetzung stehen allerdings nur für wenige bereits konkretisierte Projekte im begrenzten Umfang Mittel zur Verfügung.

Inwieweit und in welcher Höhe in der Umsetzungsphase zusätzliche Kosten für weitere Maßnahmen und Pilot-Projekte entstehen, kann zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch nicht eingeschätzt werden.

Beteiligung von Ratsgremien und Beschlusslage:

  • Beschlussdrucksache 1611/2017 Sicherheit und Ordnung
  • Beschlussdrucksache 2051/2018 Kompass,
  • Informationsdrucksache 2046/2018 Kältebus,
  • Informationsdrucksache 2988/2018 zu Housing First

Externe Partner*innen:

  • Akteure der Wohnungslosenhilfe / Wohlfahrtspflege und weitere in diesem Themenfeld engagierte Partnerinnen und Partner,
  • Region Hannover.

Beteiligung der Öffentlichkeit:

  • Nutzung der vorhandenen Beteiligungs- und Kommunikationsstrukturen (Gremien, Verfahren etc.).