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Delegiertenvollversammlung

Ältere Menschen und Digitalisierung

Die Herbstvollversammlung des Seniorenbeirats der Landeshauptstadt fand am 23. Oktober 2019 im DIAKOVERE Annastift Berufsbildungswerk in Hannover-Mittelfeld statt.

Ein Mann hält einen Vortrag © Gerhard Kier

Dr. Frank Berner

Als Referent war Dr. Frank Berner vom Deutschen Zentrum für Altersfragen zu Gast. In diesem Rahmen erklärte er, dass die Bundesregierung in jeder Legislaturperiode dem Parlament einen Bericht über die Situation älterer Menschen vorlegen muss. Der neueste Altersbericht befasst sich mit: "Ältere Menschen und Digitalisierung".

Darin werden Entwicklungen aufgegriffen, die aktuell die Gesellschaft in vielfältiger Weise und in unterschiedlichen Bereichen verändern. Die zunehmenden Technisierungs- und Digitalisierungsprozesse betreffen dabei auch die Lebenswelten älterer Menschen. Der Einsatz technischer Produkte und Anwendungen spielt eine immer stärkere Rolle, wenn es darum geht, im Alter selbstbestimmt zu leben und an der Gesellschaft teilzuhaben. Dr. Berner hat hierzu acht Thesen aufgestellt.

  • These 1: Digitalisierung ist ein gesellschaftlicher Megatrend, sie trifft auf folgende Entwicklungen und wirkt mit ihnen zusammen: Globalisierung, Demografischer Wandel, Urbanisierung (regionale Unterschiede), Wandel der Arbeitswelt sowie der Wandel sozialer Ungleichheit.
  • These 2: Digitalisierung hat sehr viele sehr unterschiedliche Formen, zum Beispiel Neue Kommunikationsformen, Online-Plattformen für Nachbarschaftshilfe, Einkaufen online, Elektronische Steuererklärung, Sturzsensoren in der Wohnung, Diagnostische Verfahren mit Künstlicher Intelligenz, Elektronische Patientenakte, digitale Pflegedokumentation und auch Robotische Assistenzsysteme in der Pflege.
  • These 3: Digitalisierung wirkt in allen Lebensbereichen. In Bezug auf ältere Menschen werden vor allem die Anwendungsbereiche Wohnen, Pflegerische Versorgung, Gesundheitliche Versorgung, Kommunikation, soziale Integration, Sozialraum und Mobilität in den Blick genommen
  • These 4: Die Entwicklung digitaler Technik für ältere Menschen hat verschiedene Triebkräfte. Hierzu gehören der Technologische Fortschritt, Wirtschaftliche Interessen aber auch die Suche nach funktionalen Lösungen für Bedarfe und Interessen älterer Menschen.
  • These 5: Die Digitalisierung verändert soziale Ungleichheit (Digitale Spaltung). Wer nutzt das Internet und seine Möglichkeiten auf welche Weise? Wie wirken sich regionale Unterschiede aus? Verschärft Digitalisierung soziale Ungleichheiten oder gleicht Digitalisierung soziale Ungleichheiten aus? Gibt es ein Recht auf ein Leben ohne Internet?
  • These 6: Mit der Digitalisierung entstehen im Hinblick auf das Leben im Alter neue ethische Fragen. Wie weit sollen die Optimierung des Alters und die Kompensation von gesundheitlichen Einschränkungen gehen? Wann ist der Einsatz von Technik vertretbar, auch wenn dadurch menschliche Interaktion wegfällt? Welche Entscheidungen sollen von Maschinen getroffen werden? Und wer hat dann die Verantwortung?
  • These 7: Es gibt kaum gesichertes Wissen über die Wirkungen digitaler Technik auf das Leben im Alter. Eine sachliche Auseinandersetzung wird erschwert, da bislang nur wenige empirische Erkenntnisse über die Wirkungen und den Nutzen digitaler Technologien bekannt sind und es ist offen, wie sich die Technik entwickeln wird. Und damit ist es noch unklarer, wie zukünftige Technik wirken wird.
  • These 8: Es fehlt eine gesellschaftliche Debatte über "Alter und Digitalisierung", obwohl Digitalisierung in aller Munde ist! Wie wollen wir im Alter in einer digitalisierten Welt leben? Welche digitalen Technologien sollen in welchen Lebensbereichen eingesetzt werden? Welche Ziele sollen erreicht werden?

Dr. Berners forderte die Delegierten abschließend auf, die Debatte zu politisieren. Er sieht die Digitalisierung auch als eine große Gestaltungsaufgabe!