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Region Hannover

Internationale Partnerschaften

Team 01.02 Gremien und Repräsentation

Fünf Männer und eine Frau stehen am Nordufer des Maschsees. Hinter ihnen ist das Gewässer zu sehen, sie stehen nebeneinander und schauen in die Kamera. © Kirsch, Region Hannover

Der Blick auf den Maschsee ist einer der Höhepunkte der kleinen Stadtrundfahrt kurz vor der Eröffungsveranstaltung der chinesischen Kulturtage im Regionshaus.

Partnerschaft mit Lu’an

Chinesische Kulturtage im Regionshaus

Sechs Gäste aus China, drei Tage Programm, viele Eindrücke aus einem fernen Land: Die Region Hannover hat im November 2016 erstmals mit der befreundeten Stadt Lu’an im Regionshaus chinesische Kulturtage ausgerichtet - Ergebnis einer Vereinbarung von Regionspräsident Hauke Jagau und Bürgermeister Xiaobin Bi aus dem Frühjahr 2016. Fast 1000 Menschen nahmen die Chance wahr, Einblick in die fernöstliche Kultur zu erhalten.

Ankunft

Als die sechsköpfige Delegation aus Lu’an an einem kalten Sonntagabend im November in Hannover aus dem Flugzeug klettert, steckt ihr eine 20-stündige Flugreise in den Knochen. Von Hefei in der chinesischen Provinz Anhui nach Shanghai, weiter nach Frankfurt und schließlich in die niedersächsische Landeshauptstadt. Viele Ausstellungsstücke hat die Stadt Lu’an bereits einen Monat zuvor auf die Reise nach Hannover geschickt: 13 schwere Pakete mit Rollbildern, Kalligrafien, kostbaren Papieren und grünem Tee. Dass alles in Deutschland angekommen ist, ist fast ein Wunder, behauptete die Internetseite des Express-Dienstes doch, die Pakete seien im karibischen Grenada. Ein Übersetzungsfehler, wie sich herausstellte.

Sechs Künstler aus Lu’an sind in den folgenden Tagen Botschafter ihrer Heimat und werden den Besucherinnen und Besuchern ihre Kultur näherbringen: Anyi Wang ist nicht nur stellvertretender Bürgermeister, sondern auch Experte für halbkursive Schrift, eine der fünf Kategorien der chinesischen Kalligrafie. Yong Gao, die einzige Frau der Grupppe, spielt die Guzheng, eine Variante der chinesischen Wölbbrett-Zither, und beherrscht die Teezeremonie. Yuzhu Zhang ist Meister des Scherenschnitts – seit mehr als 40 Jahren übt er sich in dieser traditionellen Kunst. Yushi Sun ist studierter Maler, Yunzhou Tang widmet sich der Kalligrafie und Yunbiao Liang ist Oberarzt am Volkskrankenhaus in Lu’an und macht regelmäßig Tai Chi.

Aufbautag

Die Galerie des Regionshauses, sonst Treffpunkt und Besprechungsraum, ist kaum wiederzuerkennen: Rollbilder mit luftigen Berglandschaften und eleganten Schriftzeichen zieren die Stellwände. An den Decken hängen rote Fächer – die Farbe des Glücks in China. Eine Ecke des Raums hat sich in ein kleines Teehaus verwandelt. Und an den Tischen bereiten die Künstler aus Lu’an ihre Arbeitsmaterialien vor: dicke, langborstige Pinsel, schwarze Tusche, knisternd-rotes Seidenpapier und feinstes Teegeschirr. Auch die Guzheng, das Instrument von Yong Gao, findet seinen Platz. Für den Abend haben sich rund 100 Gäste zur Eröffnung der Kulturtage angesagt.

Ehe es so weit ist, steht im Schnelldurchlauf eine kleine Stadtrundfahrt an. Ein Blick auf das Neue Rathaus und den Maschsee, ein Foto der Universität, ein Stopp des Minibusses an den Herrenhäuser Gärten. "Wie grün das hier ist", staunen die Gäste aus der chinesischen Millionen-Stadt. Beim Mittagessen begrüßt Regionspräsident Hauke Jagau die Gäste – und erhält als Gastgeschenk ein zartes Aquarell für das Regionshaus.

Dicht an dicht stehen Besucherinnen und Besucher am Abend in der Galerie. Anyi Wang bedankt sich für die Einladung und spricht seine Hofffnung aus, dass die Freundschaft zwischen der Region Hannover und Lu’an durch diese Tage weiter gestärkt wird. Dann erklingt die Wölbbrett-Zither. Es ist ein bisschen wie eine Reise in ein fernes Land. Und das ist der Abend ja auch. Nur ohne den langen Flug.

Ausstellungstag 1

Yunbiao Liang steht mit beiden Füßen auf dem Boden. Langsam beugt er die Knie, hebt die Arme, richtet die Handflächen nach vorne. Rund 20 Menschen in der Galerie des Regionshauses folgen seinem Beispiel. Bis auf leise Musik aus den Lautsprechern herrscht andächtige Stille. Start in den Tag mit Tai Chi.  "Tai Chi ist eine gute Möglichkeit, sich zu entspannen und innerlich zur Ruhe zu kommen", sagt Yunbiao Liang. An diesem ersten offiziellen Tag ist er nervös. Sonst praktiziert er Tai Chi für sich selbst, nie musste er andere anleiten. Doch die Aufregung legt sich – alles geht gut. Und zum Nachdenken bleibt ihm auch gar nicht viel Zeit: Er hat die Schröpfgläser im Hotel gelassen, die er an diesem Vormittag bei einem Vortrag über traditionelle chinesische Heilmethoden zeigen will. Schnell noch einmal ins Zimmer. Gerade noch rechtzeitig ist er zurück im Regionshaus, wo knapp 100 Zuhörerinnen und Zuhörer im Sitzungssaal auf den Vortrag warten. Am Nachmittag wird er einen medizinischen Vortrag im Krankenhaus Siloah halten.

In der Galerie läuft derweil das Programm weiter: Im halbstündlichen Wechsel stehen Scherenschnitt, Teezeremonien Kalligrafie und Malerei auf dem Programm. Mittagessen gibt es an diesem Tag in der Kantine des Regionshauses – die Küche dort hat neben den üblichen Töpfen auch einen Wok aufgebaut und bereitet vor Publikum chinesische Speisen vor. Das Urteil der Gäste? "Mehr Schärfe bitte!"

Nach dem Mittag legt sich der Andrang in der Galerie ein bisschen. Glück für das Publikum, das jetzt hier ist! Yuzhu Zhang nimmt sich die Zeit, für jeden einen individuellen Scherenschnitt anzufertigen. Die Kallligrafie-Experten lassen auch die Gäste mal an die Tusche und zeigen, wie der Pinsel zu führen ist. Am späten Nachmittag dann ein Abstecher nach Langenhagen: In der dortigen Geschäftsstelle der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung zeigen die Gäste aus Lu’ an ebenfalls ihre Kunst. Nach dem anstrengenden Tag geht es abends nur noch ins Hotel – Ruhe und Kraft tanken für den nächsten Morgen.

Ausstellungstag 2

Es wird eng beim Tai Chi am Morgen: Eine Gruppe aus Barsinghausen ist schon früh nach Hannover aufgebrochen, um 9 Uhr mit einem echten Tai-Chi-Meister die 24 Bewegungen, die auf dem Programm stehen, gemeinsam zu vollziehen. Mitten drin steht eine Reporterin von RTL, die den Vormittag über alle Aktionen begleitet – die Kamera läuft mit. Später stößt eine Schulklasse dazu: der Chinesischkursus der Internationalen Schule Hannover macht sich ein Bild.

Yong Gao lässt mit eleganten Bewegungen den Tee von einem Gefäß ins nächste fließen und serviert das heiße Getränk zuletzt in winzigen Schälchen. Sie staunt über das Interesse des Publikums. "Für chinesische Verhältnisse ist das eine sehr simple Zeremonie, die ich hier durchführe." Vielleicht, so verrät sie später, wird sie sich in ihrer Heimat künftig noch intensiver mit dieser Tradition beschäftigen. Der Blick von außen hat ihr die Augen für das Besondere dieser Kulturtradition geöffnet. Vize-Bürgermeister Anyi Wang nutzt derweil die Möglichkeit zu einer Privatführung durch die benachbarte Stadtbibliothek. "So etwas möchte Lu‘an auch schaffen."

Am Abend dann ein weiterer Einblick in die deutsche Kultur: Im Brauhaus Ernst August gibt es Haxen und Rippchen. Die Gruppe ist beeindruckt von den Portionen. Haxe gelte in China als besondere Delikatesse, berichtet Dolmetscherin Se Schirmer-Wang, gleichzeitug Repräsentatntin der Stadt Lu’an. Und wie schmeckt es? "Bitte schärfer!"

Ausstellungstag 3

Mit feinem Schwung zaubert Yushi Sun ein feines Gerüst aus schwarzen Ästen auf das Aquarellpapier und fügt mit dickem Pinsel breite rote Tupfen hinzu. Es ist ein bisschen wie ein Ratespiel – was wird das Bild am Ende darstellen? Und plötzlich, wenige Striche später, ist es klar. Vor den Augen des Publikums ist ein filigraner, leuchtend rot blühender Busch entstanden. Am Tisch daneben führt Yunzhou Tang derweil vorsichtig den Tuschestrich über das Papier. Eine gebürtige Chinesin folgt den Bewegungen andächtig. "Das ist der Name meines Sohnes. Den werden wir ins Wohnzimmer hängen. Das bringt Glück", erzählt sie. Scherenschnittmeister Yuzhu Zhang hat an diesem Vormittag goldene Folie herausgeholt. Statt mit der Schere zu schneiden reißt er das Papier. Seine Technik gilt als einzigartig in China. Stück für Stück entblättert sich das Kunstwerk – ein goldener Vogel. Später zaubert er noch eine riesige rote Rosette aus Seidenpapier. Eine Überraschung hat auch Yong Gao parat. Sie singt und tanzt ein traditionelles Lied aus einer chinesischen Oper. Wer jetzt die Augen schließt, merkt kaum noch, dass er auf hannoverschem Boden steht.

Und dann ist plötzlich Einpacken angesagt. Noch an diesem Abend geht es für die chinesische Delegation weiter nach Paris. Noch ein letztes Mal Tai Chi mit Yunbiao Liang, ein Schnellkursus in Kalligrafie, eine letzte Teezeremonie, und schon sind die Kulturtage vorüber. Mit riesigem Gepäck geht es am späten Nachmittag wieder zum Flughafen. Im Koffer unter anderem fünf Kilo Schokolade. Die gibt es in China nämlich nicht so lecker.

Was bleibt? "Die Menschen hier wissen noch wenig über die chinesische Kunst, sind aber sehr interessiert", sagt Maler Yushi Sun. Auch Kalligraf Yunzhou Tang sieht Potenzial für einen weiteren Austausch – auch mit anderen Künstlern. "Ich könnte hier glatt ein Schulungszentrum für Scherenschnitt aufmachen, so interessiert waren die Besucherinnen und Besucher", lacht Yuzhu Zhang. Für Vize-Bürgermeister Anyi Wang ist klar: "Wir wollen die Freundschaft weiter vertiefen." Einer der nächsten Schritte könnte eine deutsche Kulturwoche in Lu’an sein.