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Fünfundzwanzig Personen stehen vor dem Hardenberg’schen Haus an den Herrenhäuser Gärten. © Kirsch, Region Hannover

Festlicher Empfang im Hardenberg’schen Haus an Tag 3

Partnerschaft mit Lu’an

Sechsköpfige Delegation ist zu Gast

Knapp drei Tage hat eine chinesische Delegation aus der Partnerregion Lu’an im Mai 2016 in der Region Hannover verbracht. Für Bürgermeister Xiaobin Bi der erste Besuch in der Region überhaupt. Das Reisetagebuch erzählt, wie die sechs Gäste den Aufenthalt erlebt haben.

Tag 1: Ankunft

Es ist eine lange Reise, die die sechsköpfige Delegation aus dem chinesischen  Lu’an hinter sich hat, als sie am Montagabend um 21.45 Uhr in Hannover landet. Über Shanghai und Frankfurt ging der Flug, rund 24 Stunden sind die sechs Männer unterwegs gewesen. Die innere Uhr der Gruppe steht zu diesem Zeitpunkt schon auf 4 Uhr morgens. Schnell geht es ins Hotel – Zeit zum Entdecken bleibt an den folgenden zweieinhalb Tagen.

Tag 2: Begrüßung und Seniorenresidenz

Es muss der Jetlag sein: Um 5 Uhr sind die ersten Gäste munter und nutzen die frühe Morgenstunde zu einem kleinen Bummel durch die noch stille hannoversche Innenstadt. Die offizielle Rundfahrt mit Stopp an den Herrenhäuser Gärten, dem Berggarten und dem Blick auf die altehrwürdige Universität steht erst nach dem Frühstück auf dem Programm. Ungewohnte Anblicke für die sechs Männer. Dass man in Deutschland alte Gebäude gut erhält, ist eine erste spannende Erkenntnis. Und dann das ganze Grün! "Die Menschen, die hier leben, haben wirklich Glück", sagt Bürgermeister Xiobin Bi. Sein größter Wunsch ist, diese grüne Landschaft mit dem Fahrrad zu entdecken.

Vormittags dann die Begrüßung durch Regionspräsident Hauke Jagau im Regionshaus. Xiaobin Bi findet persönliche Worte: "Wir sind sehr aufgeregt und gespannt, die Region kennenzulernen", sagt er. "Nach mehreren Versuchen hat es mit dem Besuch endlich geklappt – ich freue mich sehr!" Während die Region Hannover beim Vortrag auf Powerpoint setzt, haben die Gäste einen Film über ihre Region im Gepäck. Ehe es zum gemeinsamen Essen in den Gartensaal geht, steht noch der Austausch von Willkommensgeschenken an – ein besonders wichtiges Ereignis, denn nicht nur im deutschen Sprichwort erhalten kleine Geschenke die Freundschaft.

Am Nachmittag widmet sich die Gruppe dem Thema "Wohnen im Alter" – ein besonderer Wunsch der Gäste für das Besuchsprogramm in der Region Hannover. Denn auch in China wächst die Zahl alter Menschen. Im Johanniter Quartier in Hannover-Kirchrode macht sich die Delegation ein Bild von modernen Wohnanlagen für Seniorinnen und Senioren. Die 50 bis 100 Quadratmeter großen, neu gebauten Mietwohnungen sind barrierefrei und modern eingerichtet. Die Gruppe zeigt sich beeindruckt von der Ausstattung: "Die großen Türen für Rollstuhlnutzer oder der Notfallknopf in den Wohnungen sind eine sinnvolle Einrichtung, hier nehmen wir viele Ideen mit", sagt Bürgermeister Bi. Derweil sieht es so aus, als bräuchte Zongshen Wu, Präsident des Krankenhauses in Lu’an, selbst Pflege: Der Fuß schmerzt, ein Gichtanfall. Nur gut, dass auch die Region gute Verbindungen zum Klinikum hat – im Lauf des Abends gelingt es, das verschreibungspflichtige Medikament für den schmerzgeplagten Krankenhaus-Experten zu besorgen. Den Fuß muss Wu trotzdem schonen; der abendliche Besuch im GOP findet ohne ihn statt. "Die Menschen sind hier sehr gesundheitsbewusst", stellt er später fest. Und auch den übrigen steckt der lange Flug in den Knochen. Nach der Show geht es rasch zurück ins Hotel.

Tag 3: Berufsbildende Schule und Klinikum

Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Teams Gremienbetreuung des Region haben es möglich gemacht: Am morgen stehen zwei Räder an der Fahrradstation am Hauptbahnhof bereit. Zu früher Stunde schwingen sich Bürgermeister Bi und Liwen Dai, Direktor für Wirtschafts- und Investitionsförderung, auf die Drahtesel und strampeln los. "Was für reine Luft und was für eine wunderschöne Landschaft", wird Bi später schwärmen. Auch Dai ist von der Natur begeistert. 15 Kilometer haben die beiden auf dem Tacho, als sie pünktlich zum Frühstück zurück sind.

Der erste offizielle Termin der chinesischen Delegation aus Lu’an an diesem Tag ist die Besichtigung der Berufsbildenden Schule Metalltechnik-Elektrotechnik. Wie viel Prozent der Schüler finden nach der Berufsausbildung einen festen Job? Wie viel Geld bekommen die Schulen von der Region und vom Land? Das Interesse der Delegation ist groß. Schulleiter Uwe Backs bemüht sich, die Fragen genau zu beantworten.

Die Gastgeber aus Deutschland staunen indes, als Sun Yong, Vizepräsident des Vocational Technical College in Lu’an, über die 45 verschiedenen Fächer und die 1.000.000 m² große Fläche seiner Akademie berichtet. "Wir haben die Ausbildung sehr breit angelegt, in Deutschland spezialisieren sich die Auszubildenden fachlich viel stärker", stellt Bi fest. So angeregt diskutieren Gäste und Gastgeber, dass die Führung durch das Gebäude schließlich knapper ausfällt als geplant.

Beim Mittagessen – dieses Mal ganz auf die chinesischen Gewohnheiten abgestellt – ist auch Gesundheitsexperte Wu wieder dabei. Kein Wunder, am Nachmittag geht es ins Klinikum Siloah, wo der ärztliche Direktor, Prof. Dr. Thomas Moesta, die Gruppe auf eine Führung durch das modernste Krankenhaus in der Region Hannover mitnimmt. Mit der Größe der Klinik in Lu’an kann das Siloah dennoch nicht mithalten: Das dortige Krankenhaus hat schließlich ein Einzugsgebiet von rund sechs Millionen Menschen. Wie viele Patienten versorgt das Klinikum Siloah? Wie wurde der Neubau finanziert? Wie werden die Leistungen abgerechnet? Wieder haben die Gäste aus Lu’an viele Fragen im Gepäck – und den konkreten Wunsch nach einer Kooperation. "Dies ist eine Chance, um freundschaftliche Beziehungen zu fördern und Erkenntnisse in der Medizin auszutauschen", so Wu Zongsheng. Er ist überrascht von den hohen Standards, die in Deutschland gelten. "Es gibt hier viele Regeln, die wir in China so nicht kennen", bestätigt auch Bürgermeister Bi.

Der Tag schließt mit einem festlichen Empfang im Hardenberg’schen Haus an den Herrenhäuser Gärten, wo passend zur Jahreszeit Spargel in verschiedenen Variationen kredenzt wird. Vorher aber wird es noch einmal hoch offiziell: Vier Vereinbarungen zur Zusammenarbeit sind zu unterzeichnen. Mit ihren Unterschriften besiegeln Bi und Jagau ihre Absicht, in den Bereichen Gesundheitswesen, Wirtschaft und Berufsbildende Schulen den Austausch zu intensivieren. Außerdem wird vereinbart, im November 2016 eine Lu’an-Kulturwoche in der Region Hannover zu veranstalten. Im Gegenzug steht zu einem späteren Termin auch eine Region-Hannover-Woche in Lu’an an. Xianzhong He, der für den partnerschaftlichen Austausch zuständig ist, ist sehr zufrieden: "Das war ein fruchtbares Treffen. Ich freue mich auf die weitere Zusammenarbeit!"

Tag 4: Firmenbesuch und Abschied

Ruckzuck ist der letzte Tag des Besuchs angebrochen. Wichtigste Frage am Morgen: Gibt es zwischendurch noch die Möglichkeit, sich vor dem Abflug umzuziehen? Partnerschaftsbetreuerin Claudia Matschofsky macht es möglich. Und so steigen die sechs Delegationsteilnehmer mit gepackten Koffern und förmlich im Anzug gekleidet nach dem Frühstück in den Bus, um nach Neustadt am Rübenberge zu fahren. Dort steht an diesem Vormittag die Besichtigung der Firma A-TRON Blockheizkraftwerke GmbH auf dem Programm. Gründer und Geschäftsführer Egbert von Bestenbostel hat eine chinesische Studentin der Hochschule Hannover engagiert, die die Technik erläutert. Gut, dass es keine Sprachbarrieren gibt: Blockheizkraftwerke kennen die Gäste aus China nämlich gar nicht. Die Technik aus Neustadt hat schon den Weg in mehrere Länder gefunden, unter anderem nach Kanada. Vielleicht demnächst auch nach Lu’an?

Noch fix Mittagessen – dieses Mal italienische Küche -, dann geht es zum Flughafen. Bürgermeister Bi, inzwischen im legeren Freizeitdress, zieht Bilanz: "Die Menschen sind sehr freundlich und offen hier." Yong Sun, Vizepräsident der Technischen Berufsbildenden Schule in Lu’an, hat indes gelernt: "Hier gibt es viel Natur und wenige Menschen!" Wohl wahr – 1,1 MiIlionen Menschen, die in der Region Hannover leben, sind für chinesische Verhältnisse eine Kleinstadt. Mit der Freundschaft klappt es trotzdem. Auf Wiedersehen im November 2016 zur Lu’an-Kulturwoche!