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Von Milchkühen, Gülle und Nachwuchssorgen

Die Landwirtschaft in der Region Hannover stand im Zentrum eines Besuchs einer israelischen Gruppe im Mai 2017. Fünf Experten aus Unter-Galiläa besuchten Bauernhöfe, aha und die Landwirtschaftskammer Niedersachsen.

Tag 1: Empfang und Besuch der aha-Deponie in Lahe

Dolmetscherin Irit Nir-Wendt hat ein Problem: Gülle, Bundesimmissionsschutzgesetz und Umweltverträglichkeitsprüfung gehörten bislang nicht zu ihrem Wortschatz. Das ändert sich an diesem Montagvormittag. Prof. Dr. Axel Priebs, Umweltdezernent der Region Hannover, empfängt die fünfköpfige Delegation aus der Partnerregion Unter-Galiläa im Haus der Region. Die Experten wollen sich vier Tage lang über die Situation der Landwirtschaft in Deutschland informieren. Und es geht gleich ans Eingemachte. Es werde immer schwieriger, junge Menschen für Landwirtschaft zu begeistern, erzählt Dov Zwi Volpe, stellvertretender Landrat von Unter-Galiläa. Und das, obwohl es in Unter-Galiläa die renommierte Kadoori-Schule für landwirtschaftliche Berufe gibt. Ein Problem, das auch die deutschen Gesprächspartner kennen.

Am Nachmittag steht ein Besuch der Abfalldeponie in Hannover-Lahe auf dem Programm. "Gibt es in Israel eigentlich einen Winterdienst?", will Roland Middendorf, Leiter der Abteilung Abfallbehandlung, wissen – und erntet herzliches Gelächter. Staunend hört die Gruppe, dass landwirtschaftliche Betriebe bei aha nur einen Euro für eine Tonne Kompost zahlen müssen, wenn sie das Material selbst abholen. "Dafür würden wir glatt welchen mitnehmen, in Israel ist Kompost erheblich teurer", sagen die Gäste. Die größte Herausforderung in Israel sei aber der Wassermangel. Auch Gülle kann so nur schwer auf den Feldern verteilt werden. Die Anzahl von Containern auf dem Wertstoffhof verblüfft die Gruppe: "Hier gibt es Behälter für Grünschnitt, Holz, Elektrogeräte und vieles mehr. In Israel habe ich mal an einer Stelle einen Container für Sonderabfälle gesehen", erzählt Landwirtschaftsplaner Eitam Birger.

Tag 2: Landwirtschaftskammer und Bio-Höfe

Beim Besuch der Land­wirtschafts­kam­mer am zweiten Tag kommt die Frage wieder auf, warum so wenige junge Menschen Landwirte werden wollen. "Die hohen Anforderungen an die Tierhaltung, starke Preisschwankungen und sinkende Ernteerträge schrecken viele ab, einen Hof zu führen", sagt Hans-Georg Hassenpflug, Leiter des Fachbereichs für Internationale Kooperationen. 14 verschiedene Berufe bilde die Landwirtschaftskammer aus, "es gibt ja nicht nur den klassischen Landwirt". Er ist Optimist: "Den Wunsch junger Menschen, wieder auf dem Land zu leben, müssen wir nutzen und Landwirtschaft wieder attraktiv machen."

Kostprobe in Hiddestorf: Mutig beißt Alon Lerner Shapira in den knackig roten Rhabarber, den Elisabeth Seiler ihm reicht und verzieht für einen Moment leicht die Miene. Besser mundet der Rhabarber später cremig gekocht mit hausgemachtem Vanille-Joghurt. Auf dem Kampfelder Hof erfahren die Gäste, wie der landwirtschaftliche Vertrieb in der Region Hannover funktioniert. Hier ist die "Gemüsekiste" zu Hause – neben dem Einzelhandel, den Wochenmärkten und dem Hofladen mit eigener Bäckerei ein wichtiges Standbein. Kundinnen und Kunden bekommen frische Waren bis vor die Haustür oder ins Büro geliefert. "Das Angebot wird sehr gut angenommen – wir haben pro Woche knapp 3500 Kunden", sagt Elisabeth Seiler.

Tag 3: Hofbesuch in Kolenfeld und Mardorf

Rund 130 Milchkühe sind der Stolz von Familie Arkenberg. Auf ihrem Hof in Wunstorf-Kolenfeld gehen die Tiere selbstständig jeden Tag in den vollautomatischen Melkroboter und genießen dabei noch eine entspannte Massage. Die Gruppe staunt und ist beeindruckt, wie hochtechnologisiert die Landwirtschaft hier ist. "Seit wann ist der Hof im Familienbesitz? Wer arbeitet mit? Wie funktioniert die Vererbung? Wollen die jungen Leute weiter in der Landwirtschaft arbeiten?", will Vize-Landrat Dov Zwi Volpe wissen. Fragen über Fragen, die Ina Arkenberg-Kallmeyer, die Ökonomin der Familie, geduldig beantwortet.

Auf dem Hof von Björn Niemeyer in Mardorf steht der Tourismus im Vordergrund. Er zeigt seinen Hofladen und das Bauerncafé sowie den Außenbereich mit Streichelwiese, Spielplatz und Minigolfplatz. Im Bauerncafé, in dem überwiegend eigene Produkte verarbeitet werden, gehen an Spitzentagen fast 100 Torten über den Tresen. Erdbeertorte, Käse- und Apfelkuchen lassen sich die Israelis dann auch schmecken.

Tag 4: "Unser Dorf hat Zukunft"

Verstärkung für die Bewertungskommission des Wettbewerbs "Unser Dorf hat Zukunft": Die fünf Gäste aus Israel schließen sich an diesem Donnerstag für den Besuch von Nöpke (Neustadt a. Rbge.) und Mesmerode (Wunstorf) an. Bei den Rundgängen durch die rund 700-Seelen-Orte übersetzt Dolmetscherin Irit, was das Dorfleben, in Verbindung mit den landwirtschaftlichen Höfen, so besonders macht. "Nur wenn alle mitmachen und den Weg gemeinsam gehen, funktioniert es", sagt Landwirtin Katrin Carl aus Mesmerode. Am nächsten Tag steht fest: Nöpke und Mesmerode haben Patz zwei und drei beim Regionalwettbewerb gemacht. Da sind die fünf Gäste aus Unter-Galiläa schon wieder auf dem Heimweg nach Israel. Das Fazit fällt rundum positiv aus. "Wir haben tolle Menschen kennengelernt und beeindruckende Projekte gesehen", sagt Vize-Landrat Dov Zwi Volpe. "Vieles davon ist in Israel wegen gesetzlicher Bestimmungen noch nicht möglich, daran müssen wir jetzt arbeiten."

(Veröffentlicht: 7. Juni 2017)