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„Yes, we're open!“

„Aufeinander zugehen!“

Vortrag und Diskussion: Anforderungen an eine Einwanderungsgesellschaft

Der Runde Tisch für Gleichberechtigung und gegen Rassismus (RTGS) lud am 8. Dezember ein zur öffentlichen Diskussionsrunde „Aufeinander zugehen! Anforderungen an eine Einwanderungsgesellschaft“. Der RTGS ist ein breites Bündnis von Initiativen und Organisationen, das regelmäßig Veranstaltungen zum Thema Integration, Menschenrechte, Rassismus und Diskriminierung durchführt. Die Diskussionsrunde fand im Rahmen des vielseitigen Begleitprogramms zur Ausstellung „Yes, we're open!“ im Bürgersaal des Neuen Rathauses statt. Fulya Kurun (Polizeidirektion Hannover) begrüßte die Teilnehmenden und zeigte nach einer kurzen Vorstellungsrunde der Anwesenden einen humorvollen Kurzfilm zum Thema Integration.

Anschließend referierte der Soziologe Prof. Dr. Hartmut Griese (Leibniz Universität Hannover) über das Thema der Woche. Er führte den Anwesenden mit Beispielen aus dem öffentlichen politischen Diskurs vor Augen, wie Begrifflichkeiten normative Deutungen verändern können. Deutschland habe lange bis zur Feststellung gebraucht, dass es ein Einwanderungsland sei. So wurde für diese festgeschriebene „Einwanderungsgesellschaft“ im Jahre 2005 das „Zuwanderungsgesetz“ beschlossen. Dabei sei „Zu-“ und „Einwanderung“ nicht gleichzusetzen, denn die Begriffe unterstellten verschiedene Ursachen und Folgen. Der Paradigmenwechsel hin zu einer „echten“ Einwanderungsgesellschaft sei noch im Gange und habe die Mitte der Gesellschaft noch längst nicht erreicht – das sei unter anderem anhand der zustimmenden Reaktionen auf Thilo Sarrazins Bücher deutlich geworden.

Auch von einer inklusiven Gesellschaft, in der allen hier lebenden Menschen gleiche Teilhabechancen zugestanden würden, sei die Mitte der Gesellschaft noch weit entfernt, da sie Menschen anderer Herkünfte, Lebensweisen und Kulturen teilweise mit Distanz und Geringschätzung begegne. Insbesondere das selektierende Bildungssystem müsse inklusiver gestaltet werden. Aktuell sei die soziale Herkunft der Schüler/innen in Deutschland am stärksten ausschlaggebend für Bildungschancen.

Griese setze sich im Folgenden intensiv mit dem Begriff der „Willkommenskultur“ auseinander und betrachtete diesen kristisch. Schon die Suche nach qualifizierten Fachkräften werfe die Frage auf, wer genau willkommen sei und wer nicht. Der Fokus liege einseitig auf jungen Akademiker/innen. Inwieweit Menschen willkommen seien, die wirtschaftlich nicht „nützlich“ seien, müsse in Frage gestellt werden. Ideologische Leitbilder einer sozialen und humanen Einwanderungsgesellschaft müssten jedoch auf den Allgemeinen Menschenrechten, der Idee der Aufklärung und echter Inklusion basieren. Der Referent schloss seinen Vortrag mit einer Reihe von Empfehlungen. Dabei riet er u. a. zu höheren Investitionen im Bildungsbereich und zu unbürokratischen Anerkennungen von Qualifikationen, die im Ausland erworben wurden.

Im Anschluss an den Vortrag nutzten die Teilnehmer/innen die Gelegenheit, dem Dozenten Fragen zu stellen und zum Ausdruck zu bringen, dass Einwanderung mehr biete, als einen ökonomischen Nutzen.

Nachstehend finden sie das Begleitprogramm zur laufenden Ausstellung „Yes, we're open!“zum Download.