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Theater

„Back to Wonderland“

Jugendtheater feierte Aufführung.

Das IKJA-Ensemble führte am 26. Mai an der Fridtjof-Nansen-Schule ihr neues Stück „Back to Wonderland“ auf und bewies nicht nur schauspielerisches Talent – die Jugendlichen zeigten sich als scharfe Beobachter der gesellschaftlichen Realität und hielten den Zuschauer/innen einen Spiegel vor.

Themen wie Flucht, Integration und Kultur werden täglich mit teilweise harten Bandagen diskutiert. Wo Wertvorstellungen kollidieren, entsteht eine eigene Dynamik, die sich das Ensemble zunutze gemacht hat. Doch verzichteten sie in ihrer kreativen Auseinandersetzung auf jedes lehrerhafte Gebaren. Sie gaben einen Einblick in ihre eigene Perspektive und führten sämtliche Klischees humorvoll ad absurdum, indem sie sie umkehrten, oder auf die Spitze trieben. So gingen Mädchen Jungs aufreißen, die sich ihrerseits absurden Erwartungen ausgesetzt sahen, und diese mit Witz karikierten.

Der rote Faden, der sich durch die Szenenkollagen mit Gesängen und geschickten Tanzchoreografien zog, war die Geschichte von Alice – eine Anlehnung an die Fabel „Alice im Wunderland“. Diese sah sich stereotypen Erwartungen ausgesetzt, passte jedoch in keine der Schubladen, in die ihre Umwelt sie geradezu zwanghaft einzuordnen versuchte. Doch sah sie sich dabei nicht als Opfer – sie wollte lediglich ihre Interaktionspartner/innen richtig verstehen wurde dabei immer wieder vor Hürden gestellt, zu deren Überwindung Logik allein nicht ausreicht. „Manche der Szenen sind nicht einmal fiktiv, sondern haben sich tatsächlich so zugetragen.“, sagte Hashmeena (19), die Alice spielte.

Die weiße Raupe aus der Fabel war in dem Stück eine ambivalente Figur und wechselte ständig zwischen donnernder Stimme und sanftem Verständnis. Diese anspruchsvolle Rolle hätte er nicht mit jedem Ensemble spielen können, sagte Anil (27). „Wir sind zu einer Familie zusammengewachsen. Alle in der Gruppe haben Talent und konnten dies in ihre Rollen einbringen“.

Den Jugendlichen wäre wichtig gewesen, sich trotz enormer Erwartungen nicht als nur als Opfer darzustellen, beschrieb die Projektleiterin Parisa Hussein-Nejad (IKJA e.V.) die Entwicklungsphase. „Zwar leben die Jugendlichen alle in Hannover, doch gleichzeitig in völlig unterschiedlichen Welten. Im Wechselbad der Gefühle stoßen sie an Grenzen, zum Beispiel indem sie sich für Zugehörigkeiten entscheiden sollen. Dies haben sie in ihrer Arbeit an dem Stück überwunden und sich kreativ damit auseinandergesetzt.“

Das Projekt wurde unter anderen gefördert vom Integrationsfonds der Landeshauptstadt Hannover.