Das offizielle Portal der Region und der Landeshauptstadt Hannover

2. Deutscher Diversity-Tag

„Diversity willkommen!“

Dialog mit Arbeitgeber/innen im Neuen Rathaus.

Die Landeshauptstadt Hannover (LHH) und das ALBuM-Netzwerk luden am 3. Juni 2014 aus Anlass des 2. Deutschen Diversity-Tages zur Diskussion über das Thema „Diversity-Management“ ein. Unter den 100 Gästen waren zahlreiche Vertreter/innen aus Arbeitgeberverbänden, Kammern und Gewerkschaften, sowie aus Politik und Verwaltung. Jan Sedelies (Hannoversche Allgemeine Zeitung) führte als Moderator durch das Programm.

Die Gleichstellungsbeauftragte der Landeshauptstadt Hannover, Friederike Kämpfe, hielt das Grußwort. Sie berichtete darin über ihre Erfahrungen mit dem Konzept „Diversity“ und forderte ein „Klima der Akzeptanz und des gegenseitigen Vertrauens“.

Es folgte der Vortrag der renommierten Personalexpertin Angelika Dammann. Sie berichtete von ihren eigenen Erfahrungen als Vorstandsmitglied der Shell AG und veranschaulichte mit ihrer Präsentation, dass Frauen – obwohl sie knapp 51 Prozent der Bevölkerung stellen – mit 4 Prozent in Spitzenpositionen nach wie vor unterrepräsentiert seien. Auch im internationalen Vergleich schneide die Bundesrepublik denkbar schlecht ab. Das liege mitunter daran, dass in Deutschland überholte Rollenbilder weiterlebten und beispielsweise Frauen in Führungspositionen mangelnde „Weiblichkeit“ nachgesagt werde. Trotz großer Bemühungen komme es nicht dazu, dass börsennotierte Unternehmen eine Diversity-Balance bei Geschlecht, ethnischer Herkunft und sexueller Identität in ihrer Personalpolitik erreichen, die wenigstens ansatzweise die gesellschaftliche Realität widerspiegele.

Doch nicht nur Frauen seien häufig von Führungspositionen ausgeschlossen. Auch Migrant/innen, ältere Menschen sowie homo- und transsexuelle Menschen erlebten es immer wieder, dass sie zum Beispiel bei Beförderungen einfach übergangen werden. Die Referentin riet daher dazu, Personalentscheidungen stets auf stereotype Vorstellungen und tradierte Rollenklischees zu hinterfragen.

Nach einer kleinen Stärkung der Teilnehmer/innen am Buffet folgte eine Darbietung der Schauspielerin Uta Zech, in der sie humorvoll berufliche Benachteiligungen von Senior/innen aufzeigte. Dem „Diversity-Slam“ folgte eine Talkrunde mit Vertreter/innen aus Unternehmen, Verwaltung und Politik. Darin berichtete beispielsweise Gaurav Garg, Geschäftsführer der AR Gesellschaft für Seniorendienste, dass in seinem Unternehmen die Herkunft der Mitarbeiter/innen keine Rolle für Personalentscheidungen spiele. Aktuell beschäftige er Mitarbeiter/innen aus Indien, Afghanistan, Spanien, Polen und aus der Türkei. Verständigungsprobleme gebe es keine. Auch Kai Wiese (Stadthaushotel Hamburg) warb für seine inklusive Personalpolitik. In seinem Hotel seien auch Menschen mit Handicaps beschäftigt, worüber sich die Gäste mit Behinderungen besonders freuen, da sie sich nicht „ausgestellt“ fühlen. Die Idee habe seinem Betrieb viele Sympathisant/innen und auch Werbeträger/innen verschafft.

Doch leider scheinen längst nicht alle Unternehmer/innen das Diversity-Konzept ernst zu nehmen. Birgit Steckelberg von der Antidiskriminierungsstelle der LHH berichtete über einige Beratungsfälle, in denen Menschen mit Migrationshintergrund bei der Jobsuche diskriminiert worden seien. Generell gelte, dass Bewerber/innen mit Migrationshintergrund auch bei passenden Qualifikationen seltener zu Bewerbungsgesprächen eingeladen würden. Das liege auch daran, dass das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz nicht bekannt genug sei – viele wüssten zum Beispiel überhaupt nicht, dass sie auch in Bewerbungsverfahren ein Beschwerderecht haben, wenn sie diskriminiert wurden. Dem schloss sich auch Reinhard Biederbeck von der Beschäftigungsförderung der Region Hannover an. Er rate seinen Klienten immer, sich gegen erlittenes Unrecht zur Wehr zu setzen. Sein Job sei es, als Helfer zur Selbsthilfe zu wirken.

Sedelies forderte nun die anderen Gäste auf, sich in die Diskussion einzubringen. Ufuk Deniz Ciynakli von der Türkischen Gemeinde Niedersachen fragte den Personaldezernenten Harald Härke, warum die LHH erst anonymisierte Bewerbungen angenommen und dies später wieder rückgängig gemacht habe. Härke wies darauf hin, dass dieses Verfahren nicht zu dem gewünschten Ergebnis geführt habe. In den zwei Jahren des Modellprojektes sei kein Anstieg von Bewerbungen von Frauen und Migrant/innen feststellbar gewesen. Dagegen haben direkte Quotenregelungen zu einer höheren Diversität der städtischen Mitarbeiter/innen geführt. Ein weiterer Teilnehmer riet dazu, den Migrant/innen mehr Wertschätzung entgegen zu bringen – schließlich haben sie in ihren Herkunftsländern sehr viel aufgegeben, um in Deutschland leben und arbeiten zu können.

Der informative Austausch könnte einige Anwesende durchaus zu einem Überdenken der eigenen Personalpolitik geführt haben. In einem anschließenden Kurzinterview nach der Veranstaltung zeigte sich Ciynakli erfreut darüber, dass die LHH sich dieses wichtigen Themas angenommen habe. Sie habe ein tolles Podium geboten und zeigen können, dass die Zukunft von Unternehmen von einer vernünftigen Handhabung des Themas Vielfalt abhänge.

Nachstehend der Flyer zur Veranstaltung zum Download: