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Zehn Personen - fünf Männer und fünf Frauen - sitzen im Hodlersaal des Neuen Rathauses hinter Pulten und blicken auf einen Mann, der in ihrer Mitte sitzt. Dieser spricht in ein Mikrofon, das er in der Hand hält. © LHH

Die Podiumsgäste (v.l.n.r.) Yahya Jaitehya (InteGREATer e.V.), Melanie Fleig und Alan Ramadan (Johnson Controls Autobatterie GmbH & Co. KGaA), Ulf Jürgensen (BBS2), Moderator Jan Sedelies (HAZ), Ufuk Kurt (Region Hannover, Koordinierungsstelle Frau und Beruf), Gabriele Haferlach (Jobcenter Kabelkamp), Torsten Temmeyer (Industrie- und Handelskammer Hannover), Helga Diers (Fachbereich Personal und Organisation der LHH) und Bürgermeisterin Regine Kramarek.

Vielfalt

6. Diversity-Tag

Podiumsdiskussion zum Ausbildungs-und Arbeitsmarkt

Eine Frau steht an einem Pult im Hodlersaal des Neuen Rathauses und spricht in ein aufgestelltes Mikrofon. An den Sitzpulten und dahinter aufgestellten Stühlen sitzen etwa 50 weitere Personen. © LHH

Bürgermeisterin Regine Kramarek (oben l.) beim Grußwort.

Im Rahmen des bundesweiten Diversity-Tages lud die Landeshauptstadt Hannover am 5. Juni zu einer Podiumsdiskussion in den Hodlersaal des Neuen Rathauses ein. Die Teilnehmer/innen beschäftigten sich dort auch durchaus selbstkritisch mit der Frage, wie man den Arbeits- und Ausbildungsmarkt durchlässiger für alle Bevölkerungsgruppen gestalten kann. Eingeladen waren Vertreter/innen, die in verschiedenen Institutionen mit Personalfragen befasst sind. Der Moderator Jan Sedelies (Hannoversche Allgemeine Zeitung) führte durchs Programm.

In ihrem Grußwort lobte Bürgermeisterin Regine Kramarek die Bereitschaft der Anwesenden, sich mit dem Abbau von Hürden auseinanderzusetzen. Nach wie vor seien Frauen und Menschen mit Migrationshintergrund auf dem Arbeitsmarkt unterrepräsentiert, obwohl die Unternehmen stark von interkultureller Kompetenz und Mehrsprachigkeit profitierten.

Auf dem Podium saßen:

  • Helga Diers (Fachbereich Personal und Organisation der LHH)
  • Gabriele Haferlach (Jobcenter Kabelkamp)
  • Ufuk Kurt (Region Hannover, Koordinierungsstelle Frau und Beruf)
  • Ulf Jürgensen (Schulleiter der BBS2)
  • Yahya Jaitehya (InteGREATer e.V.)
  • Torsten Temmeyer (Industrie- und Handelskammer Hannover)
  • Melanie Fleig (Johnson Controls Autobatterie GmbH & Co. KGaA)
  • Alan Ramadan (Johnson Controls Autobatterie GmbH & Co. KGaA)

Die Podiumsgäste beschrieben, wie Diversity in ihren jeweiligen Betrieben bzw. Institutionen umgesetzt werde. Die Stadtverwaltung orientiere sich bei Einstellungen – so erklärte Diers – an objektiven Kriterien und Quoten, die durch den Lokalen Integrationsplan festgelegt wurden.

Um mehr Migrant/innen in den Arbeitsmarkt zu integrieren, schlug Haferlach (Jobcenter Kabelkamp) vor, die Ausbildungszeit durch gezielte Sprachförderungen zu ergänzen und gegebenenfalls zu verlängern. Dadurch würden weniger Nicht-Muttersprachler/innen an den Abschlussprüfungen scheitern. Das Thema Sprachvoraussetzungen sah auch Ulf Jürgensen (BBS2) kritisch. Schüler/innen, die noch Probleme mit der deutschen Sprache hätten, müssten intensiver betreut werden und bräuchten passgenauere (Weiter-)Bildungsangebote.

Vier Personen sitzen nebeneinander an Pulten im Hodlersaal des Neuen Rathauses. Ein Mann rechts spricht, die anderen blicken zu ihm. In den Reihen dahinter sitzen zwei weitere Personen. © LHH

Alan Ramadan erklärte, wie er sich mit den hiesigen Strukturen vertraut gemacht hatte.

Doch scheinbar geht es auch anders. Alan Ramadan, ein ehemaliger Flüchtling aus Syrien, habe nur eine einzige Bewerbung schreiben müssen. Kurze Zeit später hatte er einen Ausbildungsplatz als Industriemechaniker bei Johnson Controls, wo er sich gut aufgehoben fühle. In Syrien hatte er Jura studiert und war sich im Klaren darüber, dass dies ein sprachintensives Fach sei. Sein Studium in Deutschland als Nicht-Muttersprachler zu wiederholen kam für ihn nicht in Frage, also suchte er sich eine technische Ausbildungsstelle. Sein Betrieb biete mehrere Ausbildungsgänge an, ergänzte die Ausbildungsleiterin Melanie Fleig. Dabei seien sehr unterschiedliche Qualifikationsprofile gefragt, die bei der Auswahl zu berücksichtigen seien.

In der Diskussion wurde immer wieder deutlich, dass der Umgang mit dem Merkmal „Mensch mit Migrationshintergrund“ schwierig sei. Diese Bezeichnung sei vieldeutig und treffe sowohl auf Bewerber/innen zu, die gerade erst eingewandert seien, aber auch auf Personen, die bereits in der dritten Generation in Deutschland lebten. Daher müsse die Gewichtung mit Blick auf die Stellenanforderungen individuell festgelegt werden.

Eine Zuschauerin wies darauf hin, dass formelle Rahmenbedingungen für Einstellungen nicht ausreichten, wenn keine Motivation stattfinde. Ihrer Erfahrung nach würden Migrant/innen während ihrer Ausbildung vielfach eher auf Defizite, statt auf Stärken angesprochen. Daraus entstehe Frustration, die letztlich den Erfolg der Ausbildung gefährden könne.

Zwei Männer stehen vor und neben einem Pult im Hodlersaal des Neuen Rathauses. Der Mann links spricht in ein Mikrofon und gestikuliert mit seiner linken Hand. © LHH

Moderator Jan Sedelies (l.) und Poetry-Slammer Tobias Kunze

Nach der Diskussion fasste der Poetry-Slammer Tobias Kunze die Diskussion in einem humorvollen Gedicht zusammen. Zum Schluss tauschten sich die Teilnehmer/innen noch an einem Buffet über ihre Ideen aus. Dort zeigte sich Ramadan zufrieden über die Veranstaltung. „Ich finde es löblich, dass man sich in Hannover über die Schwierigkeiten von Migrant/innen auf dem Arbeitsmarkt berät. Ich glaube, dass sowohl Migrant/innen, als auch die Arbeitgeber/innen davon profitiert haben“

Landeshauptstadt Hannover