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Politische Bildung

Demokratie leben!

Die Auftakt-Konferenz für das neue Programm fand am 10. Juni im Neuen Rathaus statt.

Die Landeshauptstadt Hannover (LHH) nimmt teil am bundesweiten Projekt „Demokratie leben! Aktiv gegen Rechtsextremismus, Gewalt und Menschenfeindlichkeit“. Bewilligt wurden 285.000 Euro über einen Zeitraum von fünf Jahren vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Ziel des Programms ist die Förderung von Projekten, die sich mit zivilem Engagement und und demokratischem Verhalten beschäftigen. Als externe Fachstelle wurde der Verein „Politik zum Anfassen e.V.“ gewonnen. Bei der Auftaktkonferenz nutzten gut 60 Einwohner/innen die Gelegenheit, sich zu informieren und ihre eigenen Ideen in Workshops einzubringen.

Melanie Walter, Leiterin des Bereichs „Migration und Integration“, begrüßte die Anwesenden und wies darauf hin, dass die Stadt bei ihren Bemühungen gegen Rechtsextremismus recht erfolgreich sei. Doch dürfe man sich darauf nicht ausruhen, denn auch in Hannover seien auf den „Hagida“-Demonstrationen seit Anfang des Jahres immer wieder rassistische Töne zu hören gewesen. Schlimmer noch: Flüchtlingswohnheime wurden mit rechtsextremen Parolen beschmiert. Zwar handele es sich bei Rechtsextremist/innen um einen sehr kleinen Bevölkerungsanteil, doch die Beratungsgespräche der städtischen Antidiskriminierungsstelle zeigten, dass alltäglicher Rassismus auch in Hannover noch sehr weit verbreitet sei. Nach einem weiteren Grußwort von Monika Dehmel von Politik zum Anfassen e.V. trug Andreas Grau vom Institut für interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung der Universität Bielefeld vor. Sein Thema war die Verbreitung gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit.

Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit sei als „Syndrom“ zu verstehen, zu dem nicht nur Rassismus und Islamophobie zähle, sondern auch Sexismus, Homophobie und abwertende Haltungen gegenüber Arbeitslosen und Obdachlosen. An seinem Institut sei für den Zeitraum von 2002 und 2011 in zahlreichen Interviews ermittelt worden, wie Menschen zu Aussagen wie „Es leben zu viele Ausländer in Deutschland“ stellen. Sie konnten sie ablehnen oder ihnen zustimmen. Im Ergebnis ließe sich feststellen, dass diejenigen, die abwertenden Aussagen gegen Menschengruppen zustimmten, zumeist einen geringeren Bildungsgrad aufwiesen. Ältere Menschen (älter als 59 Jahre) zeigten in nahezu allen Bereichen der gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit sehr hohe Zustimmungswerte. Es gelte aber nicht der Satz: je älter, desto mehr Zustimmung zu rassistischen Aussagen. Denn bei den 16- bis 34-Jährigen kämen rassistische Weltanschauungen häufiger vor als bei 35- bis 58-Jährigen. Die höchsten Werte hätte jedoch wiederum die Gruppe der über 59-Jährigen. Als Ursache dafür sah der Referent die gefühlte politische Machtlosigkeit der Befragten. So äußerten viele Misstrauen in die politischen Strukturen und stimmten der der Auffassung zu, „die Politik“ habe sich zu weit von den Bürger/innen entfernt. Der Referent beendete seinen Vortrag mit einem Appell zu Zivilcourage im Angesicht von Rechtsextremismus.

Anschließend teilten sich die Anwesenden in vier kleine Arbeitsgruppen auf. Dabei informierten sie sich über über die Kriterien der Mittelvergabe des „Demokratie leben!“-Fonds und wie in Hannover regiert wird. Wer wollte, konnte auch in einer „Shout-Box“ vor der Kamera äußern, warum Demokratie wichtig sei und damit zu einem entstehenden Videoclip beitragen. Erste Ideen, welche Projekte gut ins Programm passen, wurden in der Ideen-AG diskutiert. Als Botschaft kam bei der Veranstaltung deutlich rüber, dass beim „Demokratie leben!“-Programm besonders die Beteiligung der Zivilgesellschaft gefragt ist. Jeder und jede hat hier die Möglichkeit, aktiv mitzumachen und seine/ihre eigenen Ideen einzubringen. Projektvorschläge und Fragen zum Fonds nimmt die Fachstelle bei Politik zum Anfassen e.V. entgegen.

Politik zum Anfassen e.V.

politik@zumanfassen.de +(49 511) 89 89 94 73