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Konferenz

Tag der Vielfalt

ADV-Nord e.V. und die Stiftung Partnerschaften mit Afrika e.V. luden ein.

Der Moderator Abdou Rahime Diallo von der Stiftung Partnerschaften mit Afrika e.V. begrüßte am Morgen des 4. Oktober 2014 gut 130 Teilnehmer/innen aus ganz Europa im Alten Rathaus. Eingeladen waren afrikanische Organisationen in Europa und viele aus dem In- und Ausland waren gekommen. Die Veranstaltung drehte sich um die Frage, wie man Engagement verstärken kann und wie man weitere Unterstützung gewinnt. Die Arbeit der meist Ehrenamtlichen sei europaweit unentbehrlich, wie der zweite Vorsitzende des niedersächsischen Landtages Klaus-Peter Bachmann (SPD) in seinem Grußwort betonte. Es brauche Zeit, bis die von der niedersächsischen Regierung festgeschriebene Willkommenskultur bei 8 Mio. Einwohner/innen ankomme, doch sei er „wild entschlossen, sie in Niedersachsen umzusetzen“. Als Gastgeber in Hannover lobte Abayomi Bankole (Vorsitzender des Afrikanischen Dachverbandes Norddeutschland e.V.) die Anwesenden für ihr Engagement und forderte sie zur „konstruktiven und produktiven Zusammenarbeit“ auf. Etwaige Differenzen seien nicht unüberwindbar – statt nebeneinander am gleichen Missstand zu arbeiten, sollten möglichst viele Akteur/innen auf ein gemeinsames Ziel hin arbeiten. Zu diesem Appell konnte Christos Pantazis, der migrationspolitische Sprecher der SPD-Landtagsfraktion, nur zustimmend nicken.

Nach der Mittagspause ging es mit einem Vortrag des Kampagnenexperten Julius Van De Laar weiter. Der Referent hatte den Obama-Wahlkampf in Ohio begleitet und erklärte den Anwesenden, wie man neue Unterstützer/innen gewinnt. Im Wahlkampf Obama versus McCain im Jahre 2012 habe ein Casino-Mogul der Partei der Republikaner 100 Mio. USD gespendet, was McCain einen erheblichen Vorteil verschafft habe. Doch das Obama-Team baute ein engmaschig organisiertes Unterstützungs-Netzwerk auf und habe so die Wahl am Ende doch gewinnen können. Van De Laar führte vor Augen, welche Möglichkeiten allein schon die Informationen auf Facebook böten. Werbende E-Mails seien genau auf die Empfänger/innen zugeschnitten worden, nachdem alle verfügbaren Informationen zentral ausgewertet und die Empfänger jeweils einer Merkmalsgruppe zugeordnet worden seien. Kurz vor den Wahlen hat das Wahlkampfteam der Demokraten über Facebook die Unterstützer/innen aufgefordert, potenzielle Wähler/innen zu Hause zu besuchen und zum Wählen zu bewegen. All das zusammen habe an den Urnen die entscheidenden Prozentpunkte gebracht.

Danach teilten sich die Teilnehmer/innen in Workshops unter hochkarätiger Leitung auf. In diesen diskutierten die Engagierten Strategien und Methoden, wie man zum Beispiel EU-Fördertöpfe effektiver nutzt oder wie man seine Idee aussagekräftig und überzeugend präsentiert. Am Abend wurden die Zwischenergebnisse präsentiert. Es folgte die international besetzte Podiumsdiskussion „Globalizing Networks“, bei welcher ein reger Austausch über Vorteile und Möglichkeiten, aber auch über Schwierigkeiten stattfand, die sich aus einer internationalen Zusammenarbeit ergeben. Vielfach müsse man mit sehr schmalen Budgets klarkommen und werde selbst als Organisation von manchen Institutionen nicht ernst genommen. Das könne auch dazu führen, dass Afrikaner/innen ihre eigene Identität als Hindernis betrachteten und zurücksteckten, statt offen ihre Rechte einzufordern. Die Podiumsteilnehmer/innen stimmten darin überein, dass man institutionalisierten Rassismus entschlossen bekämpfen müsse – das ginge auch mit wenig finanziellem Aufwand, soweit alle zusammenarbeiteten und an einem Strang zögen.

Reger Austausch macht hungrig – Abhilfe schaffte der ADV-Nord e.V. mit der Tafel der Vielfalt zwischen dem Alten Rathaus und der Marktkirche. Die Tafel wurde eröffnet durch Michael Hönsch, Mitglied des niedersächsischen Landtages und der „Arbeitsgemeinschaft Migration und Teilhabe“. An der Tafel tauschten sich die Teilnehmer/innen der Tagung mit anderen Interessierten in lockerer Atmosphäre aus und lernten Neues aus der afrikanischen Küche kennen.

Der nächste Morgen startete mit einem vollen Plenum, in welchem die Teilnehmer/innen sich und ihre Arbeit beschrieben. Danach ging es in verschiedenen Workshops weiter. Nach der Präsentation der Ergebnisse stand fest, dass die anwesenden Akteur/innen viele gemeinsame Ziele haben, die sich gemeinsam besser erreichen lassen.

Aus Ungarn angereist war Miriam Ariella Ekiudoko, die Präsidentin der Ebony African Cultural, Arts and Human Rights Organisation. Sie blickte zufrieden auf die Veranstaltung zurück. In Ungarn gebe es nur ein paar Tausend Afrikaner/innen, doch habe sie einige neue Impulse aus Hannover mitnehmen können, mit der sie ihren Unterstützerkreis auszubauen hoffe. Auch die Berlinerin Jamie Schearer (Initiative Schwarze Menschen in Deutschland) freute sich, neue Organisationen kennengelernt zu haben, denn ihr Verein vernetzt ebenfalls Organisationen und Projekte. Maya Röttger fühlte sich durch die Veranstaltung in ihrem bisherigen Engagement bekräftigt. Sie habe früher bei einer afrikanischen Stiftung gearbeitet. Ihrer Beobachtung nach leisten viele NGOs zwar gute Arbeit, kommunizierten diese jedoch wenig nach außen. An diesem Punkt wolle sie ansetzen und dabei helfen, die Arbeit afrikanischer Organisationen sichtbarer machen.