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Etwa 20 Personen sitzen in Stuhlreihen im Mosaiksaal des Neuen Rathauses und blicken nach vorn. © LHH

Woche des Lesens und des Schreibens: Blick in die Gästereihen im Mosaiksaal.

Auftakt

Woche der Sprache und des Lesens!

Diskussion: Hat sich die Lesekultur verändert?

Literatur- und Kunstfreundfreund*innen dürften diese Woche Hochsaison haben. Während der bundesweiten Woche der Sprache und des Lesens finden bis zum 29. Mai in ganz Hannover spannende, kreative und auch lustige Veranstaltungen statt. Die Landeshauptstadt Hannover (LHH) ist dabei und gab mit der Auftaktveranstaltung am 20. Mai im Mosaiksaal des Neuen Rathauses den Startschuss.

Bürgermeister Thomas Hermann zeigte sich in seinem Grußwort stolz auf die sprachliche Vielfalt in Hannover. Es sei ein gutes Zeichen, dass Mehrsprachigkeit mittlerweile als Bereicherung gesehen und bei Kindern und Jugendlichen bei gezielt gefördert werde – ein gesellschaftlicher Fortschritt, über den sich seine Generation nicht ganz neidlos freue.

Anschließend trug der Moderator Jan Sedelies die deutsche Übersetzung eines persischen Gedichts vor und gab damit ein Beispiel für die vielfältigen Umgangsweisen mit Metaphern in verschiedenen Sprachen. Atieh Sajadi und Parham Miraliakbari konnten dies überbieten und verbanden ihre vorgetragenen Gedichte mit passender Begleitmusik.

Danach diskutierten die Buchhändlerin Birgit Nerenberg, der Autor Hartmut El Kurdi und der Theaterwissenschaftler Dr. Ole Hruschka darüber, wie man im Zeitalter digitaler Medien Kindern und Jugendlichen mehr Lust auf Literatur und Sprache vermitteln könne.

Nerenberg empfahl, Kindern regelmäßig vorzulesen. Diese liebten Geschichten und wenn man diese mitreißend darstellen könne, wecke man nicht nur die Begeisterung für Bücher, sondern habe auch zusammen Spaß.

Allerdings seien Menschen mit Migrationshintergrund unter den Kulturschaffenden unterrepräsentiert, gab Sedelies zu bedenken. Eine der Ursachen sah El Kurdi bei den Verlagen. Diese konzentrierten sich viel zu stark auf die akademische Mittelschicht als Zielgruppe, die überwiegend aus einheimischen Muttersprachler*innen bestehe.

Dr. Hruschka sah dies ähnlich. Bei einem Theater-Austausch in Ghana sei ihm aufgefallen, dass das hiesige Literaturangebot relativ begrenzt sei. Viele international anerkannte Werke seien hierzulande gar nicht bekannt. In Westeuropa sei man eine bestimmte Erzählstruktur gewohnt und erwarte diese auch bei neuen Geschichten.

Dazu komme, dass sich durch die Digitalisierung der Medien das Leseverhalten verändert habe, denn langes und konzentriertes Lesen sei auf Bildschirmen schlechter möglich. Vielleicht müsse man diesen Kulturbereich stärker fördern. Doch dazu sei das Schulsystem nicht so recht geeignet, warf El Kurdi ein. Mit einigen Ausnahmen sei der Umgang mit Literatur im Deutschunterricht „katastrophal“. Sinnvoller wäre ein eigenes Fach, das sich allein um das Lesen und Schreiben von Geschichten drehe.

Nachdem die Podiumsgäste auf die Fragen der Anwesenden eingegangen waren, wurde in einem Schnelldurchlauf das Programm der Woche vorgestellt. Einige Durchführende warben dabei mit kurzen Appetithäppchen eigenständig für ihre spannenden Veranstaltungen. Danach tauschen sich die Anwesenden noch gut eine halbe Stunde beim Get-together mit Snacks und Getränken miteinander aus.