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Sechste Sitzung des Integrationsrates

Erstes Netzwerktreffen der Integrationsbeiräte mit dem Integrationsrat Hannover (2010)

Erstmalig tagten der Integrationsrat Hannover und die Integrationsbeiräte der einzelnen Stadtbezirke in gemeinsamen Sitzung. Für den Integrationsrat war es seine sechste Sitzung.

Bilder von der Sitzung am 20. Oktober 2010 © LHH

Der große Saal im Freizeitheim Vahrenwald war sehr gut gefüllt.

Es war eine Premiere und zwar eine erfolgreiche: Am 20. Oktober 2010 kamen der Integrationsrat Hannover und die Integrationsbeiräte der einzelnen Stadtbezirke zum ersten Mal zu einer gemeinsamen Sitzung zusammen. Im großen Saal des Freizeitheims Vahrenwald versammelten sich so weit über 150 Personen, die sich alle ehrenamtlich für die Integrationsarbeit in der niedersächsischen Landeshauptstadt engagieren. Durch den Abend führte – wie bei den normalen Sitzungen des Integrationsrats Hannover auch – Oberbürgermeister Stephan Weil persönlich.

Zu Anfang seiner Begrüßungsansprache bedankte sich der OB bei allen Anwesenden für ihr Engagement und freute sich über die große Resonanz auf die Veranstaltung, die zukünftig jedes Jahr stattfinden soll. Die große Zahl an Teilnehmer/innen zeige, dass „gutes Zusammenleben in der Stadt ein wichtiges Thema für viele ist“.

Weil fand deutliche Worte zu einigen der bundesweiten Debatten der letzten Wochen, „in denen unglaublich viel dummes Zeug gesagt wurde“. Er kritisierte die öffentliche Diskussion über die so genannten „Integrationsverweigerer“, während die überwältigende Mehrheit der erfolgreich integrierten Einwanderer einfach ignoriert werde. „Dabei lernt man doch viel besser von guten Beispielen als von schlechten“, das wisse jeder Pädagoge, so Weil. Dieses Zerrbild müsse korrigiert werden, auch wenn der für Integration notwendige Lern- und Erfahrungsprozess manchmal etwas länger dauere. In dieser Sache, versicherte der OB jedoch umgehend, habe er definitiv „einen langen Atem“.

Einen langen Weg und einige kleine Navigationsprobleme hatte Dr. Markus Linden von der Universität Trier hinter sich, als er gerade noch rechtzeitig als zweiter Redner das Podium betrat. Der Politikwissenschaftler hielt einen Fachvortrag zum Thema „Integration und politische Repräsentation“, was für viele Anwesende eine ungewohnte und neue Sichtweise auf das ihnen aus der täglichen Praxis wohl bekannte Thema bot. Linden betonte in seinem knapp halbstündigen Vortrag eingangs, dass Integration keineswegs automatisch etwas mit Migration zu tun haben müsse, was er am Beispiel des Konzepts der „politischen Integration“ erläuterte. Weiter stellte Linden heraus, dass Integration und Konflikte durchaus zueinander passen, ja Konflikte und Pluralität widerstreitender Meinungen Integration vertiefen können. So rief Linden die Mitglieder der Integrations­beiräte sogar direkt auf: „Streiten Sie sich, aber nicht nur über ‚Integration‘ und ‚Migration‘. Bieten Sie Positionen an, die Bürger als Orientierungshilfe nutzen und als politische Alternativen wahrnehmen können.“ Eine Stärke der Integrationsbeiräte sei es, dass sie so dazu beitragen, vorhandene Konflikte ins öffentliche Bewusstsein zu bringen. Die größte Schwäche von Integrationsbeiräten hingegen sah Linden in der „mangelnden Verantwortlichkeit gegenüber den Bürgern“. Sie finden den kompletten Vortrag als Download-Dokument am Ende dieser Seite.

Nach diesem theoretischen Exkurs folgte dann die Praxis: Marcella Heine, beratendes Mitglied im Migrationsausschuss und im Integrationsrat Hannover, stellte die Ergebnisse der Arbeitsgruppe „Politische Partizipation“ vor, die im Februar diesen Jahres vom Integrationsrat gebildet worden war. In den vergangenen Wochen hatte diese Gruppe verschiedene Ideen und Konzepte erstellt, die die politische Teilhabe von Migrantinnen und Migranten fördern sollen. Heine wies darauf hin, dass die insgesamt drei vorgestellten Ideen vor allem Anregungen für mögliche Projekte sind, die zukünftig umgesetzt werden könnten. Die genauen Inhalte der drei Konzepte („Roadshow zur Kommunalwahl“, „Werkstattgespräch: Schüler/Eltern­vertreter“ und „Diskussion mit Integrationsbeiräten“) lassen sich in dem am Ende dieser Seite zum Download stehenden Dokument einsehen.

Als letzter Punkt der Tagesordnung im Plenum stand anschließend eine Podiumsdiskussion unter dem Motto „Wohin führt der Weg der Integrationsbeiräte?“ an. Unter der Moderation von Hanna Kreisel-Liebermann, Pastorin der Marktkirche, beteiligten sich an dem Gespräch Dr. Koralia Sekler aus dem Integrationsbeirat Kirchrode-Bemerode-Wülferode, Rats­herr Alptekin Kırcı als Mitglied des Integrationsrates, Edit Bastian, Bezirksbürgermeisterin von Vahrenwald-List und ebenfalls Integrationsratsmitglied, sowie Fernando Angel Cubillos aus dem Integrationsbeirat Nord. In erster Linie ging es in der folgenden Dreiviertelstunde um die Erfahrungen, die bisher in den elf verschiedenen I-Beiräten gemacht wurden – sowohl gute als auch weniger gute.

Bastian berichtete so z.B. von einer großen Begeisterung bei Migrantinnen und Migranten, da sie durch die I-Beiräte die Möglichkeit erhielten, endlich gehört zu werden und sich selbst zu beteiligten. Ähnlich sah es Sekler, die die bürgernahe Basisarbeit als große Stärke der Gremien einstuft. Kırcı erkannte ebenfalls „viel Potenzial“, wies aber auch auf Probleme etwa aufgrund von Finanzierungfragen, die bei allen I-Beiräten gleich seien. Im späteren Verlauf meldeten sich zudem etliche Teilnehmer/innen aus dem Publikum zu Wort, die mit großem Engagement auf weitere Schwierigkeiten hinwiesen. Die Moderatorin nahm dies zustimmend auf, bei einem „emotionalen Thema“ wie Integration sei eine ebenso emo­tionale Ansprache völlig berechtigt und angebracht.

Die vier Podiumsteilnehmer schlossen ihre Debatte mit einigen Wünsche zur Arbeit der Integrationsbeiräte: Nachhaltigkeit für die einzelnen Projekte und den Fortbestand der I-Beiräte über die Kommunalwahlen hinaus. Zudem kam der Wunsch auf, auch zukünftig in Integrationsfragen Konflikten nicht aus dem Weg zu gehen und sich so eine Stimme zu verschaffen, die Geltung hat.

Bevor OB Weil das anschließende allgemeine Gespräch samt Stehimbiß eröffnete, dankte er allen Anwesenden noch einmal ausdrücklich für ihr ehrenamtliches Engagement im Integrationsrat sowie in den Integrationsbeiräte und gab der Hoffnung Ausdruck, dass dieses noch lange trage. Von dieser Gelegenheit zum informellen Austausch untereinander (neudeutsch: „Networking“) wurde rege Gebrauch gemacht, die Ver­anstaltung, die um 17 Uhr begonnen hatte, klang erst kurz vor 21 Uhr aus.

Sachgebiet Integration

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