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1.3 Weiterführende Schulen

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Ausgangslage

Die Aussagen der PISA-Studien über den Stellenwert längerer gemeinsamer Schulzeiten erklären unter anderem die starke Nachfrage nach Gesamtschulplätzen. Die Stadt würde dem Elternwillen gerne entsprechen und mehr Gesamtschulplätze – auch in kleineren Systemen – anbieten. Daraus leiten sich der Wunsch und die Forderung an das Land Niedersachsen ab, das Errichtungsverbot für Gesamtschulen aufzuheben.

In den Haupt- und Förderschulen ist der Anteil von Schulkindern aus Migrantenfamilien höher als an den anderen weiterführenden Schulen. Die Hauptschulen richten ihre Arbeit insbesondere darauf aus, Schulabbrüche zu verhindern, damit die Schüler/innen ihren Abschluss direkt erwerben statt später ihre versäumten Abschlüsse über die berufsschulische Ausbildung im Vollzeitbereich nachholen zu müssen. Dazu bauen die Schulen Praxiselemente und projektbezogene Lerneinheiten in den Unterricht ein. Den Schülerinnen und Schülern wird damit ein Anreiz geboten, der über die Vermittlung von theoretischen Lerninhalten hinausgeht. Die Förderschulen erzielen dabei überdurchschnittliche Abschlussquoten und vergeben an einen großen Teil der Schülerinnen und Schüler den Hauptschulabschluss. Seit zehn Jahren wird das Projekt „Hauptschule in Bewegung“ erfolgreich durchgeführt. Dieses ermöglicht den am Projekt beteiligten Schülerinnen und Schülern durch kreative Arbeit einen Zugang zu den Bereichen Kunst und Kultur. Es wird zugleich auch ein integrativer Beitrag geleistet, da mehr als die Hälfte der Beteiligten Migrationshintergrund hat.

Die Stärkung der sozialen, kommunikativen Fähigkeiten und des Durchhaltevermögens sind wichtige Ziele, die Schulabgänger/innen auf die Ansprüche in der Arbeitswelt vorzubereiten. Dabei bildet unzureichende Sprachfähigkeit in Deutsch auch in dieser Lebensphase oft das entscheidende Hindernis für einen gewünschten Berufseinstieg.

Die Zusammenarbeit vor allem mit stadtteilorientierten Initiativen, der Schulsozialarbeit und den örtlichen Betrieben wird von den Schulen des Sekundarbereichs I intensiv zur Kompetenzförderung ihrer Schülerinnen und Schüler genutzt. Begleitend haben hier die Projekte zur Gewaltprävention, Selbstverteidigungskurse und Schulungen in der sprachlichen Ausdrucksfähigkeit durch Streitschlichter ihre Bedeutung. In diesem Rahmen wird auch ein weiterer Ausbau der interkulturellen Kompetenz für alle Schulsozialarbeiter/innen befürwortet.

Im zweiten Schritt der Schulstrukturreform werden zusätzliche Plätze an den Integrierten Gesamtschulen (IGS) geschaffen und es erfolgt die Zusammenführung von bislang eigenständigen Hauptschulen und Realschulen zu unter einer Leitung arbeitenden Haupt- und Realschulen (HRS). Beide Systeme (IGS und HRS) haben bewiesen, dass sie die Integration von Schülerinnen und Schülern in besonderem Maße fördern.

Bilingualer Unterricht hauptsächlich in englischer Sprache wird an einigen Gymnasien und Realschulen angeboten. Ein Französischangebot gibt es in Fortsetzung des bilingualen Unterrichtes der Grundschule Suthwiesenstrasse auch an der Wilhelm-Raabe-Schule. 

Im Sekundarbereich II (IGS, Fachgymnasien, Gymnasien) ist eine steigende Nachfrage nach Plätzen durch ältere Schülerinnen und Schüler zu beobachten, die ihren erweiterten Sekundar I-Abschluss über private Schulen, die Volkshochschule und die Bildungsgänge der Berufsbildenden Schulen erworben haben und nunmehr einen weiteren Versuch starten, die allgemeine Hochschulreife zu erreichen.

Ziele

  • Flankierende Maßnahmen werden eingesetzt, um die Sprach- und Lesekompetenzen aller Schülerinnen und Schüler zu verbessern und die Zahl der Schulabbrüche zu reduzieren.
  • Die Zahlen der Schulabschlüsse im Allgemeinbildenden Schulwesen der Sekundarstufe I und der Sekundarstufe II werden erhöht.
  • Schulische Ganztagsangebote werden besonders in Form der Integrierten Gesamtschule, auch in Kooperation mit Dritten, ausgeweitet.
  • Die Vorbereitung auf die Arbeitswelt oder ein Studium wird verbessert.
  • Die Förderung von Bilingualität und Mehrsprachigkeit wird bis in den Sekundarbereich II fortgeführt.
  • Die Stadt unterstützt deshalb im Rahmen ihrer Möglichkeiten die Fortführung von bilingualen Ansätzen bis in den Sekundarbereich II durch flankierende Maßnahmen.
  • Die interkulturelle Öffnung der Schulen in den jeweiligen Stadtteilen wird mit außerschulischen Angeboten im Rahmen von Schulprojekten begleitet und unterstützt. Dies wird im Rahmen der stadtteilbezogenen Kooperation mit den Akteuren aus dem nahen Umfeld der Schulen weiter intensiviert.
  • Die vorhandenen, flankierenden städtischen Maßnahmen zur Verbesserung der Schulsituation von „Quereinsteiger/innen“ werden fortgeführt und nach Möglichkeit ausgebaut.
  • Die individuelle Förderung des und der Einzelnen in der Schule wird verbessert.

Handlungsansätze

Der Unterricht wird durch sächliche und personelle Maßnahmen ergänzt, wie zum Beispiel: Lernwerkstätten, Bereitstellung von Medien der Stadtbibliotheken, unterrichtsergänzende Projekte (z.B. Zirkus und Sport), Praxisfeld Schülerfirmen, Hilfe durch das „Pro-Aktiv-Center"* und Träger der Jugendberufshilfe sowie intensivere Nutzung des Förderklassenmodells.
Die SHannoverStiftung – Stiftung der Sparkasse Hannover beteiligt sich am START-Stipendium-Programm, einer bundesweiten Bildungsinitiative der Hertie-Stiftung für besonders begabte Jugendliche mit Migrationshintergrund. Gegenwärtig werden solche START-Förder-Stipendien an vier Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund in Hannover vergeben. Die aktuellen Stipendiaten besuchen die Bismarckschule, die IGS Kronsberg, die Herschelschule und das Kaiser-Wilhelm- und Ratsgymnasium. Die Stadt unterstützt das Engagement der SHannoverStiftung, denn durch ihren Einstieg erhält dieses Stipendium-Programm eine stärkere Verankerung in Hannover.
Bedarfsorientierte kommunale Sprachkurse für Schülerinnen und Schüler ab Klasse 7 ohne Deutschkenntnisse („Quereinsteiger/innen“) werden angeboten.
Ansätze zur Reflektion interkultureller Themen (Werte und Normen, Religionen, Kulturen, Milieus, „Migrationsgeschichten“) in verschiedenen Kontexten und Fächern werden gefördert.
Stadteilorientierte Bildungsnetze werden genutzt.
Projekte zur Lebensplanung mit mehreren Modulen (Sprache, Konfliktbewältigung, Erlebnispädagogik, Geschlechterrollen und Berufswahl u.a.) werden durchgeführt.
Die Stadt wirbt für flächendeckende Möglichkeiten von Praktika mit Vorbereitung und Auswertung sowie Praxislerntage an außerschulischen Lernorten durch die systematische Einbeziehung der lokalen Arbeitswelt (Übergänge, Vernetzung).
Die Mitarbeit von Eltern – insbesondere auch Eltern mit Migrationshintergrund – in Schulgremien wie z.B. Elternbeiräten wird gefördert.
Der bereits im Primarbereich vorgesehene Einsatz von Bildungslotsen wird bis in den Sekundarbereich II ausgedehnt.
Als weiterer Schritt wird sich die Stadt beim Niedersächsischen Kultusministerium dafür einsetzen, dass die Hauptherkunftssprachen (Türkisch, Russisch, Serbisch/Kroatisch, Polnisch, Arabisch, Neu-Griechisch) als reguläre, prüfungsrelevante Fremdsprachen bis zum Abitur unterrichtet werden. Dabei sollen die an der IGS Linden gesammelten Erfahrungen einfließen.
Für weiterbildende Schulen wird eine computergestützte Praktikumsplatzbörse eingerichtet.
Bei der lebenspraktischen Bildung und der Berufsorientierung im Sekundarbereich wird ein besonderer Schwerpunkt darauf gelegt, gerade Mädchen und jungen Frauen (aber auch Jungen und jungen Männern) mit Migrationshintergrund Alternativen zu den geschlechterorientierten, klassischen Lebens- und Berufsvorstellungen aufzuzeigen und einen Zugang zu alternativen Möglichkeiten zu erleichtern. Die Praxis der Berufsberatung und Projektarbeit wird daraufhin überprüft.

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