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2.2 Existenzgründung

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Ausgangslage

Im Erwerbsverhalten von Migrantinnen und Migranten hat sich eine besondere Entwicklung vollzogen: Der Weg in die Selbständigkeit durch Existenzgründung wird zunehmend als Alternative zum schwierigen Arbeitsmarkt gesehen. Eine Repräsentativstudie der KfW Bankengruppe (früher: Kreditanstalt für Wiederaufbau) hat festgestellt, dass 6,7 Prozent der Eingewanderten sich in naher Zukunft selbständig machen wollen, im Gegensatz dazu nur 2,4 Prozent der Alteingesessenen. Hinzu kommt, dass Gründer/innen mit Migrationshintergrund mit durchschnittlich fünf Arbeitsplätzen gut doppelt so viele Jobs wie ihre Gründerkolleg/innen ohne Migrationshintergrund schaffen. Gleichwohl ist jedoch im Rahmen der Beratungen für Existenzgründer/innen mit Migrationshintergrund festzustellen, dass auch die Zahl der Geschäftsaufgaben nicht unbeachtlich ist.

Folgende Aspekte sind für den positiven Trend hin zu Existenzgründungen bei Menschen mit Migrationshintergrund wichtig: Anstieg des Qualifikations- und Bildungsniveaus, demografische Veränderungen in der Sozialstruktur der Migrantinnen und Migranten, Verbesserungen des Aufenthalts- und Rechtsstatus sowie die Probleme am Arbeitsmarkt und die Suche nach Alternativen.

Die wachsende Bereitschaft zu Existenzgründungen bei Menschen mit Migrationshintergrund ist demnach einerseits Folge von günstigen (integrationspolitischen) Rahmenbedingungen, die formal den Zugang zur Selbständigkeit regulieren sollen, anderseits von notwendigen Ressourcen, die Gründer/innen einbringen können, um vorhandene Chancen für eine Existenzgründung zu nutzen.

Die schlechte Situation der Eingewanderten und ihrer Nachkommen am Arbeitsmarkt beeinflusst wesentlich die Bereitschaft zur Existenzgründung. Dabei muss auf ihre speziellen Bedürfnisse und Bedarfslagen Rücksicht genommen werden, damit die Existenzgründung weniger ein defensives als ein offensives Instrument zur beruflichen Integration werden kann.

In der Region Hannover haben Region und Landeshauptstadt Hannover alle Aktivitäten im Zusammenhang mit Gründungsberatung beim Technologie-Centrum GmbH Hannover (TCH) gebündelt. Den spezifischen Problemen und Anforderungen der gründungswilligen Migrant/innen wurde durch die Errichtung einer bedarfsgerechten Beratungsstelle Rechnung getragen. Im Technologie-Centrum GmbH Hannover (TCH) werden Migrant/innen bereits seit April 2001 auf ihrem Weg in die Existenzgründung beraten und begleitet. Die Beratung wird zusätzlich unterstützt durch IntEX (Integrative Existenzgründung e. V.), ein Verein, dem Gründer/innen und Unternehmer/innen unterschiedlicher Herkunft und breit gestreuter Qualifikationen angehören, sowie durch BTEU (Bund Türkisch-Europäischer Unternehmer), in dem vorwiegend Gründer/innen und Unternehmer/innen mit türkischer Herkunft organisiert sind. Mittlerweile hat sich dieses Angebot als sehr erfolgreich erwiesen und bundesweit positive Resonanz gefunden. Eine wichtige Rolle kommt darüber hinaus der Beratung durch Migrantenselbstorganisationen zu.

Ziele

  • Menschen mit Migrationshintergrund werden bei einer beabsichtigten Existenzgründung unterstützt.
  • Die besondere Gründungsberatung im TCH arbeitet darauf hin, Gründer/innen mit Migrationshintergrund für die „Komplexität“ des Gründungsprozess zu sensibilisieren und sie unter Berücksichtigung der hiesigen Wirtschaftstruktur und -kultur zu einer gründlichen Vorbereitung ihres Gründungsvorhabens anzuhalten sowie ihre Gründungspotenziale zu fördern.
  • Darüber hinaus werden schon bestehende Existenzgründungen von Einwohnerinnen und Einwohnern mit Migrationshintergrund mit geeigneten Maßnahmen gezielt gefördert. Dadurch sollen Betriebe stabilisiert bzw. erhalten und an vorhandene Gründerstrukturen und Netzwerke herangeführt werden. Hierdurch werden die bei der Existenzgründung entstandenen Arbeits- und Ausbildungsplätze gesichert.

Handlungsansätze

Die Stadt betreibt gezielte Öffentlichkeitsarbeit – auch unter Einbeziehung muttersprachlicher Medien –, um den Beitrag der Zielgruppe zur regionalen Wirtschaftsentwicklung stärker ins Bewusstsein der Bevölkerung zu rücken.
Bei der Existenz- und Wirtschaftsförderung werden verstärkt Beraterinnen und Berater mit Migrationshintergrund eingesetzt.
Die zielgruppenspezifische Existenzgründungsberatung durch das TCH, unterstützt durch IntEX und BTEU, wird fortgeführt. Als neue Elemente sollen zur Vorbereitung einer Gründung auch Hospitationen bei geeigneten Firmen oder andere Formen des Mentorings vermittelt werden.
Die Kooperationen mit Migrantenselbstorganisationen werden auch in diesem Feld ausgebaut. Eine Vernetzung der vorhandenen Beratungseinrichtungen wird angestrebt.
Der Erfolg der Beratungstätigkeit wird – möglichst auf der Regionsebene – in regelmäßigen Abständen evaluiert. Auch die Einführung aufsuchender Beratung vor allem zum Zweck des Bestandserhalts soll geprüft werden.
Bei allen Aktivitäten der Wirtschaftsförderung auf diesem Gebiet werden existierende Initiativen der unternehmerisch tätigen Menschen mit Migrationshintergrund zwecks Interessenvertretung eingebunden.
Die bestehenden Gründungsberatungseinrichtungen und -netzwerke werden in ihrem Bemühen um interkulturelle Öffnung und Kompetenz unterstützt.

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