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3.3 Familien

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Ausgangslage

Die Situation von Familien mit Migrationshintergrund stellt sich wie bei Familien ohne diesen heterogen dar. Für die Eingewanderten hat jedoch Familie eine hervorgehobene Funktion, weil ihre Bedeutung sich durch die Migration verstärkt. Sie bietet für ihre Mitglieder Rückzugs-, Stabilisierungs- und Schutzmöglichkeiten und ist wichtigste Quelle von Solidarität in der fremden, neuen Gesellschaft. Familie hat eine wesentliche Funktion in Krisenzeiten, insbesondere als entlastendes und Generationen übergreifendes Hilfsnetzwerk, z.B. im Sinne von Altersvorsorge.

Das sozioökonomische Spektrum der Eingewanderten umfasst die ganze Spannbreite von gut ausgebildeten Frauen und Männern mit entsprechendem Einkommen bis hin zu sozial schwachen Familien mit niedrigem Bildungsstand, wie es auch bei der Einwohnerschaft ohne Migrationshintergrund vorzufinden ist. Gleichwohl ist insgesamt festzustellen, dass Familien mit Migrationshintergrund häufiger von Armut bedroht sind als entsprechende Familien ohne Migrationshintergrund. Weitere Unterschiede ergeben sich durch die Migration selbst und den daraus folgenden Fragen des Aufenthaltsstatus, der möglichen weiteren Wanderungsoptionen und der kulturellen Kontrasterfahrungen. Im Wohnumfeld sind Familien mit Migrationshintergrund nicht selten in der Nachbarschaft isoliert. Für Familien mit größeren Haushalten, die bei Eingewanderten häufiger anzutreffen sind, dient der öffentliche Raum zudem oft als Erweiterung des Wohnraums, was Irritationen auslösen kann.

Ein weiteres konfliktbeladenes Thema stellen die unterschiedlichen Geschlechterrollenbilder und Männlichkeitsnormen dar. Beispielsweise steht abweichendes Verhalten – insbesondere männlicher Jugendlicher – neben sonstigen Ursachen nicht unwesentlich auch im Zusammenhang mit der Vater-Sohn-Beziehung im Migrationskontext. Mangelnde Kommunikation und gegenseitige Entfremdung zwischen Vätern und Söhnen erschweren das Austragen von Konflikten und die Problembewältigung. Ein Kontakt sozialer Arbeit zu den Vätern entsteht meist erst dann, wenn diese die Ehre der Familie gefährdet sehen. Neben gezielter politischer Bildung ist daher die Entwicklung spezieller Beratungsangebote für männliche Migranten erforderlich.

Ziele

  • Die gesellschaftliche Teilhabe von Familien mit Migrationshintergrund ist zu verbessern.
  • Familien und hier insbesondere Eltern müssen stärker als bislang in den wesentlichen institutionellen Orten der Integration einbezogen werden.
  • Die Bildung und Entwicklung nachbarschaftlicher Zusammenhänge und Unterstützungssystemen wird intensiviert.
  • Bei Angeboten, die der Stärkung der allgemeinen Erziehungs- und Bildungskompetenz und der Stabilisierung in Krisensituationen dienen, müssen sprachliche und kulturelle Hürden abgebaut werden.

Handlungsansätze

Familienförderung und Bildungsarbeit müssen Angebotsschwerpunkte insbesondere für diejenigen Familien, Frauen und Männer mit Migrationshintergrund bilden, die bislang wenig Zugang zum Leben der Mehrheitsgesellschaft gefunden haben.
Familienbildungsstätten müssen für Familien mit Migrationshintergrund Anregungs- und Unterstützungsangebote vorhalten, die Fragen der Erziehung, Gesundheit und Ernährung betreffen. Neben diesen häufig in Kurssystemen vorgehaltenen Angeboten bieten insbesondere Familienzentren eine gute Möglichkeit, Familien Unterstützung zu geben.
In den Quartieren sollen kommunale wie verbandliche Einrichtungen, z.B. Familienbildungsstätten, ehrenamtliche Organisationen und Migrantenselbstorganisationen niederschwellige Beratungs-, Bildungs- und Begegnungsangebote vorhalten. Hierzu zählen insbesondere aufsuchende Formen der Familienbegleitung (HIPPY und Familienhebammen), wie auch „Komm“-Strukturen (wie z.B. Familienzentren), Integrationslotsen oder muttersprachliche Beratungen. Eine trägerübergreifende Zusammenarbeit kann hier zu einer effektiveren Hilfeleistung, Abstimmung und höherer Effizienz führen (z.B. mehrsprachiges Potenzial aktivieren, gemeinsame Angebotsentwicklung).
Das im Aufbau befindliche Programm zur Bildung nachbarschaftlicher Unterstützungssysteme wird fortgesetzt und möglichst auf weitere Stadtteile mit entsprechenden Bevölkerungsstrukturen ausgeweitet.
Es müssen kultursensible Angebote zur Stärkung der allgemeinen Erziehungs- und Bildungskompetenz gemacht werden. Der Einbeziehung von Eltern, dabei insbesondere auch von Vätern, in die Arbeit von Kindertageseinrichtungen und Schulen muss besondere Aufmerksamkeit gewidmet werden. Hierbei sind bestehende Landesprogramme zu berücksichtigen.
Die städtische Unterstützung von (Migranten-)Selbsthilfeeinrichtungen fördert die alltägliche Integration, indem sie die mehrsprachigen und spezifischen Ressourcen von Eingewanderten und ihren Kindern aktivieren und für Informations- und Integrationsprozesse nutzen.
Das tradierte Rollenbild vieler Familien trägt zu einem konflikthaften Verhältnis auch für Jungen in den Familien bei. Hier sind kommunikative und handlungsorientierte Ansätze spezifisch für Jungen und Väter zu entwickeln. Diese Beratungsangebote sind niedrigschwellig zu gestalten, um angenommen zu werden und adäquate Hilfe anbieten zu können. Gleichzeitig ist eine geschlechtsspezifische Migrantenjungen-Sozialarbeit auszubauen.

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