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3.4 Ältere

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Ausgangslage

Ältere Migrantinnen und Migranten stellen insgesamt keine einheitliche Gruppe dar. Es gibt sehr unterschiedliche Lebensläufe und Einzelschicksale. In Hannover gibt es derzeit rund 14.000 Menschen ab 60 Jahren mit Migrationshintergrund gegenüber rund 112.000 Menschen ohne Migrationshintergrund in derselben Altersgruppe.

Während von den Seniorinnen und Senioren mit deutscher Staatsangehörigkeit nur 2,3 Prozent auf Grundsicherung nach dem Sozialgesetzbuch XII angewiesen sind, beträgt dieser Anteil bei den Senior/innen ohne deutsche Staatsangehörigkeit rund 25 Prozent. Entsprec hende Zahlen für die Bevölkerung mit Migrationshintergrund werden gegenwärtig nicht erhoben, da jedoch der Anteil der Senior/innen mit ausländischer Staatsangehörigkeit innerhalb der Gruppe mit Migrationshintergrund bei fast 70 Prozent liegt, ist es zulässig zu schließen, dass die wirtschaftliche Situation bei den Senior/innen mit Migrationshintergrund durchschnittlich deutlich schwächer ist als bei denen ohne Migrationshintergrund.

Unter den Seniorinnen und Senioren mit Migrationshintergrund gehören nur rund 2.800 Menschen der Altersgruppe ab 75 Jahren an. Den Großteil bilden daher die „jungen Alten“ (rund 11.250 in der Altersgruppe zwischen 60 und 75), die Gruppe der eingewanderten Älteren mit gesteigertem Bedarf an Pflege (ab 75 Jahren) ist im Vergleich zu der entsprechenden Altersgruppe ohne Migrationshintergrund (43.469 Personen) zumindest derzeit noch massiv unterrepräsentiert.

Viele der älteren Migrantinnen und Migranten gehörten zum Zeitpunkt der Einwanderung zu den jüngeren Jahrgängen. Die in den 60er und noch in den 70er Jahren (überwiegend männlichen) angeworbenen Arbeitskräfte erreichen jetzt das Rentenalter in Deutschland. Ungeachtet der oft jahrzehntelangen Verweildauer in Deutschland gibt es unter ihnen nicht wenige, die mit der deutschen Sprache noch immer Schwierigkeiten haben. Daneben gibt es auch unter den jüdischstämmigen Einwanderern aus den Nachfolgestaaten der ehemaligen Sowjetunion (die so genannten „Kontingentflüchtlinge“*) eine größere Zahl von Menschen, die erst im hohen Alter nach Deutschland gekommen sind und – bei im Übrigen zum Teil sehr hohem Bildungsstand – die deutsche Sprache kaum beherrschen. Ältere Aussiedlerinnen und Aussiedler haben in der Regel weniger Verständigungsprobleme, beherrschen allerdings die deutsche Sprache zumeist besser in Wort als in Schrift.

Mit schriftlicher Information werden daher viele ältere Migrantinnen und Migranten kaum erreicht, im deutschsprachig geprägten Vereinsleben sind sie eher selten anzutreffen. Die persönlichen Netzwerke älterer Migrantinnen und Migranten beschränken sich oft auf ihre Familie/Verwandtschaft und ihre Herkunftsgruppe. Nicht selten findet sich auch Scheu vor Behördenkontakten, sei es aus Scham wegen Armut oder aus mangelnder oder schlechter Erfahrung mit Behörden (zum Teil auch geprägt durch Behörden des Herkunftslandes). Ein weiteres Problem für die Erreichbarkeit eingewanderter Senior/innen – insbesondere jener mit Herkunft aus dem Mittelmeerraum – ist die von ihnen im Rentenalter vielfach praktizierte „Pendelexistenz“ mit halbjährlichem Wechsel des Aufenthaltsortes zwischen Deutschland und dem Herkunftsland. Selbst wenn sie von Angeboten der Seniorenarbeit erreicht werden, ist eine kontinuierliche Arbeit mit den Betreffenden erschwert.

Ziele

  • Auch auch im Alter soll ein würdiges und selbstbestimmtes Leben geführt werden können. Dieses gilt selbstverständlich auch für Migrantinnen und Migranten.
  • Der Zugang zu den Informationen und Angeboten der Seniorenarbeit muss für Menschen mit Migrationshintergrund erleichtert werden.
  • Die Aufgabenwahrnehmung im städtischen Seniorenservice und in der Pflege soll kultursensibel erfolgen.
  • Es wird angestrebt, bestehende Scheu von Migrantinnen und Migranten im Kontakt zu Behörden abzubauen.
  • Die Stadt bemüht sich um die Verstärkung von Teilhabechancen gerade für die Menschen, welche nicht aus gesundheitlichen, sondern aus anderen Gründen bislang vorwiegend auf ihre Wohnung beschränkt sind. Diese Situation betrifft insbesondere Migrantinnen, zum Teil aber auch Migranten.

Handlungsansätze

Eine Verstärkung des bisherigen Angebotes für die Zielgruppe der älteren Menschen mit Migrationshintergrund ist anzustreben. Dies geschieht in Abstimmung mit den Wohlfahrtsverbänden und freien Trägern unter Nutzung der jeweiligen besonderen Zugangsmöglichkeiten zu bestimmten Einwanderungsgruppen.
Die Bemühungen, für die Mitarbeit in Gruppen und Senioren-Netzwerken insbesondere auch Menschen mit Migrationshintergrund zu gewinnen, sollen intensiviert werden.
Die Erfahrungen aus dem Seniorenbüro Roderbruch mit dem gezielten interkulturellen Ansatz müssen ausgewertet und auf Übertragbarkeit geprüft werden.
Die besonderen Fähigkeiten und Interessenschwerpunkte von Migrantinnen und Migranten müssen auch zur Integration genutzt werden, beispielsweise treffen Schachangebote insbesondere bei Migranten russischer Herkunft auf Interesse.
Für Menschen, die altersbedingt nur noch geringe Chancen haben, die deutsche Sprache gut zu erlernen, müssen auch Treffen in Herkunftssprachen als Integrationschance erkannt und genutzt werden. Die bereits bestehenden Gesprächskreise – bislang vorwiegend in russischer Sprache – werden ausgeweitet und vermehrt. Der Bedarf und die Möglichkeiten der Begegnung in weiteren Sprachen werden geprüft. Weitere Begegnungsstätten sollen für solche Treffen geöffnet werden.
Die Angebote und Programme in den Begegnungsstätten werden daraufhin überprüft, wo und wie Migrantinnen und Migranten erreicht werden oder erreicht werden könnten.
Die kultursensible Pflege soll ausgebaut werden. Das Personal der städtischen Alten- und Pflegezentren wird in kultursensibler Altenpflege fortgebildet. Die Stadt wird darauf hinwirken, dass für alle Anbieter ambulanter und stationärer Pflege die Fortbildung des Personals in diese Richtung selbstverständlich wird.
Der Stand zur kultursensiblen Altenpflege (Bedarf und Bedarfsdeckung) in den Pflegeheimen in Hannover wird im Rahmen der Heimaufsicht erhoben. Im Übrigen werden die Träger von Pflegeheimen ermuntert, vorhandene sprachliche und kulturelle Kompetenzen auszubauen und werbend einzusetzen. Für die Pflegeberufe sollen gezielt auch Menschen mit Migrationshintergrund gewonnen werden, Einrichtungen der Altenpflege sollen für die Beschäftigung solcher Pflegekräfte besonders interessiert werden.
Im Rahmen des freiwilligen Jahres für Senioren werden gezielt Ideen vorgestellt und beworben, welche Integrationsförderung zum Inhalt haben (Integrationslotsen, Lernhelferinnen und -helfer).
Bei den städtischen Zuwendungen an freie Träger wird berücksichtigt, wenn diese sich insbesondere Personengruppen (z.B. älteren Musliminnen) zuwenden, die für öffentliche Einrichtungen und Dienste nur schwer erreichbar sind.
Sowohl in der ambulanten und häuslichen Pflege als auch für die Unterbringung in Alten- und Pflegeeinrichtungen in städtischer Trägerschaft werden für pflegebedürftige Migrant/innen besondere Standards entwickelt. Als Grundlage dieser Arbeit könnten z.B. die Handreichungen der Ev. Fachhochschule Hannover oder die Charta für kultursensible Altenpflege der Bundesregierung dienen.

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