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4.4 Sport

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Ausgangslage

Sport bietet in besonderer Weise Chancen auf Integration, denn indem man Sport ausübt, werden unter anderem Teamgeist, Fairness und Akzeptanz, der Abbau von Vorurteilen durch wechselseitiges Kennen lernen sowie das Erleben von Zugehörigkeits- und Selbstwertgefühl sozusagen spielerisch mit vermittelt. Sport kann also verbinden, dies geschieht jedoch nicht „von selbst“. Auch im Sport müssen sich Etablierte und Hinzukommende aktiv wechselsitig auseinandersetzen. Beispielhaft für eine Fehlentwicklung sei nur auf das Zunehmen rassistischer Zwischenfälle bei Spielen im Bereich des Amateurfussball verwiesen (siehe auch Feld 5.2 „Antirassismus und Antidiskriminierung“).

Bei aller Wertschätzung der Integrationspotenziale des Sports ist es daher nicht ausreichend, dass ein bloßer Kontakt zwischen den Vereinsmitgliedern entsteht. Gleichwohl kann der Sport Anerkennung und soziale Kontakte zur hiesigen Gesellschaft herstellen, eine Chance, die es insbesondere für weibliche Jugendliche mit Migrationshintergrund zu nutzen gilt.

Als positiver Nebeneffekt kann durch das Miteinander in gemischt ethnischen Gruppen im Sport auch eine Auseinandersetzung mit den verschiedenen Werten und Normen der jeweiligen Kulturen erreicht werden, wenn dies bewusst angestrebt und kompetent angeleitet wird.

Hannover präsentiert sich nicht nur als nationale, sondern auch als internationale Sportstadt mit herausragenden Events, daher können sich hier die positiven Wirkungen des Sports für integrative Zwecke besonders entfalten.

Die circa 340 Sportvereine in Hannover mit ihren gut 98.000 Mitgliedern leisten schon seit vielen Jahren Integrationsarbeit, die von engagierten Vereinsvertreterinnen und -vertreter – ohne viel Aufhebens zu machen – geleistet wird. Dies gilt auch für die so genannten „eigenethnischen“ Sportvereine, in denen sich überwiegend Sportler mit einheitlichem Migrationshintergrund zusammen getan haben, wobei es sich fast ausschließlich um Fußballvereine handelt. In Übereinstimmung mit der Position des Deutschen Sportbunds sind die unterschiedlichen Mitwirkungsformen von Migrantinnen und Migranten am organisierten Sport in Hannover – eigenethnische wie gemischt ethnische – gleichermaßen als selbstverständlich anzusehen.

Zusätzlich gibt es noch spezielle Projektarbeit, wie z.B. im Kampfsport. Dieses ist auch ein Mittel, um Gewaltbereitschaft durch Selbstdisziplinierung zu senken und um eine Stabilisierung des Selbstvertrauens, insbesondere bei Mädchen und jungen Frauen, zu erreichen.

Der Sport ermöglicht dort ein Miteinander, wo es wegen der Sprachschwierigkeiten sonst zu keiner Verständigung kommen würde. Die Vereine sind offen für alle Bevölkerungsgruppen und bieten z.B. Jugendlichen mit Migrationshintergrund attraktive Angebote, um sie zu binden. Allerdings ist davon auszugehen, dass sie zumindest ab Erreichen der Pubertät nicht mehr entsprechend ihrem Bevölkerungsanteil im traditionellen Vereinssport anzutreffen sind. Auch wenn es bislang zu dieser Frage für Hannover keine statistische Repräsentativerhebungen gibt, sind sich die Expert/innen in diesem Punkt weitgehend einig. Insbesondere Mädchen und Frauen mit Migrationshintergrund nehmen in viel geringerem Maße als die übrige Bevölkerung am organisierten Sport teil. Männliche Jugendliche mit Migrationshintergrund wechseln nach Durchlaufen der Pubertät nicht selten in Migrantensportvereine, so dass auch sie durchweg weniger im traditionellen Vereinssport anzutreffen sind.

Ziele

  • Der Vereinssport leistet ein erhebliches Maß an Integrationsarbeit. Daher sollen die Vereine gefördert werden, die sich besonders in der Jugendarbeit engagieren.
  • Um die positiven Seiten des Sports stärker als bisher zu nutzen, ist es erforderlich, Menschen mit Migrationshintergrund mehr als bisher über die bestehenden Vereinsstrukturen zu informieren, um dann die entsprechenden Zugangsmöglichkeiten aufzuzeigen. Das Ziel ist, weitere Sportvereinsmitglieder mit Migrationshintergrund zu gewinnen. Dabei ist nicht nur die aktive Sportausübung wichtig, sondern es sollten auch mehr Schlüsselpositionen in Sportvereinen wie Trainer/innen, Übungsleiter/innen, Schiedsrichter/innen oder Vorstandsmitglieder von Menschen mit Migrationshintergrund besetzt werden.
  • Der Zugang zu Sportvereinen soll weiter erleichtert werden, damit sich Hemmschwellen abbauen und wechselseitiges Verständnis wächst. Hierzu ist ein Ausbau der Zusammenarbeit mit den Schulen sinnvoll.

Handlungsansätze

Um mehr Menschen mit Migrationshintergrund für die Sportvereine zu gewinnen und speziell Jugendliche in ihrem Engagement für den Sport zu fördern, sind weitere Sportförderprogramme durch die Politik und die Sportverbände aufzulegen. Dabei sollten spezielle Sportartwünsche (z.B. Taekwondo und Karate oder breitensportlich orientierte Geselligkeits- und Gesundheitssportangebote) berücksichtigt werden, um insbesondere auch Mädchen in die Vereine zu bringen.
Im Jahr 2006 wurde eine spezielle, mit 10.000 Euro jährlich dotierte städtische Frauenförderung im Sport für Initiativen und Projekte aufgelegt, die Frauen stärker in die Arbeit von Sportvereinen einbinden und für die Vorstandsarbeit oder als Übungsleiterin, Betreuerin oder Schiedsrichterin gewinnen soll. Gleichzeitig wird versucht, auch Frauen und Mädchen insbesondere mit Migrationshintergrund, die bisher keinen Zugang zum Sport haben, zu sportlicher Betätigung und möglicher Vereinsarbeit zu motivieren (siehe Informationsdrucksache 1018/2007). Die Bemühungen werden fortgesetzt und mit Öffentlichkeitsarbeit begleitet.
Es wird eine Stelle gegen Rassismus im Sport im neuen Fachbereich Sport und Eventmanagement eingerichtet, der schon 2006 mit der Veranstaltung eines ersten Kongresses gegen Rassismus im Sport ein Zeichen gesetzt hat.
Die Aktivitäten gegen Rassismus im Fanprojekt Hannover 96 werden verstärkt (Turnier gegen Rassismus).
Das regelmäßige Angebot von Mitternachtssportveranstaltungen (ca. 9.000 Teilnehmer/innen 2006) trägt sehr zur Integration von Jugendlichen mit Migrationshintergrund bei. Mit der Planung des „Mitternachtsschwimmens“ soll dieses erfolgreiche Projekt erweitert werden.
Der Einsatz von Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeitern mit besonderer Sensibilisierung für die Interessen von Migrantinnen und Migranten in den Quartieren könnte diese Handlungsansätze unterstützen. Wichtig ist jedoch auch, die Eltern bei der Integration der Kinder mit einzubeziehen, da dadurch eine längerfristige Bindung an den jeweiligen Verein entsteht und es nicht zu einem Bruch beim Eintritt in das Erwachsenenalter kommt.
Die Stadt kooperiert mit dem Stadtsportbund unter anderem nach den „Richtlinien zur Jugendförderung“, nach denen auch Projekte für Menschen mit Migrationshintergrund besonders gefördert werden. Im Rahmen der zur Verfügung stehenden Haushaltsmittel (zurzeit 100.000 Euro) kann diese Projektförderung weiter intensiviert werden, indem die Vereine verstärkt auf diese Möglichkeit hingewiesen werden.
Kooperationen mit Organisationen, die schon Kontakt mit Migrantinnen und Migranten haben, sind zu verstärken (z.B. Kinder- und Jugendeinrichtungen, Schulen, Kulturvereine, weitere Einrichtungen im Stadtteil). Hier ist zu prüfen, ob „Schnupperangebote“ ausgebaut werden können, um weitere Mitglieder für die Sportvereine zu gewinnen. Nachmittagsangebote der Vereine in Schulen würden den Zugang zum organisierten Sport erleichtern, da Eltern eher ihr Einverständnis geben, wenn auch die Schule beteiligt ist.
Sportangebote sollten nach Möglichkeit auch mit Bildungsangeboten verbunden werden (z.B. Hausaufgabenhilfe, Sprachkurs).
Schulungen für die Besetzung von Schlüsselpositionen (Trainer/innen, Übungsleiter/innen, Vorstandsmitglieder usw.) mit Menschen mit Migrationshintergrund sind zu intensivieren. Dabei sollen diese Ansätze der interkulturellen Kompetenz und Öffnung gegenüber Eingewanderten enthalten.
Im Bereich des vereinsungebundenen Sports sollen weitere Grünflächen, z.B. für Ballspiele, geöffnet werden, da diese Möglichkeiten gerade auch von jungen Menschen mit Migrationshintergrund gern zur Freizeitgestaltung genutzt werden.
Die Verwaltung erarbeitet zurzeit einen Sportentwicklungsplan. In diesem Plan wird auch auf gesellschaftliche Veränderungen, wie die wachsende Zahl von Menschen mit Migrationshintergrund, reagiert werden.

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