HANNOVER.DE | Das offizielle Portal der Region und der Landeshauptstadt Hannover

Zuletzt aktualisiert:

Gesellschaftsfonds Zusammenleben

Die Projekte der elften GFZ-Förderrunde

134.000 Euro für zwölf Projekte.

Der Lokale Integrationsplan hat in den vergangenen zehn Jahren deutliche Spuren in der Stadtgesellschaft hinterlassen. Das lag auch an den Projekten, die durch seinen ständigen Begleiter, den Gesellschaftsfonds Zusammenleben (GFZ) gefördert wurden. In den vorherigen Runden förderte die GFZ-Jury Projekte, die sich auf bestimmte Handlungsfelder des LIP bezogen hatten. Diesmal war der LIP selbst das Bearbeitungsziel.

Das Thema „Erfahrung für die Zukunft! Zehn Jahre Lokaler Integrationsplan – Wie soll es weitergehen?“ verfolgte einen partizipatorischen Ansatz, bei dem die Stadtgesellschaft an der Weiterentwicklung des nunmehr zehn Jahre alten Lokalen Integrationsplans (LIP) aktiv mitwirken soll. Dabei soll der LIP diskutiert und bewertet werden. Die Ergebnisse werden in Form eines Rückblicks aufgearbeitet, so dass sie z.B. in die Überarbeitung des LIP einfließen und in den zuständigen Gremien diskutiert werden können. 

Von den 27 eingegangenen Anträgen wählte die vierköpfige Jury zwölf aus. Der Internationale Ausschuss bestätigte die Förderung in seiner 19. Sitzung am 6. Dezember 2018.

1.

„10 Jahre Integrationsbeiräte / Rück- und Ausblick“

Delegiertenversammlung der Integrationsbeiräte / Darius Pilarski 5.963 €

In den einzelnen Integrationsbeiräten erfolgt zunächst ein kritischer Austausch über die bisherige Arbeit. Ziel soll nicht nur die Kritik sein, sondern die Antwort auf die Frage, was verbessert werden könnte. Es sollen klare Aufträge an die Entscheidungsträger formuliert werden. Zur Gewährung der Einheitlichkeit finden die Tagungen in einem neutralen Raum mit externer Moderation statt. Im September 2019 wird eine große Veranstaltung zum zehnjährigen Bestehen der Integrationsbeiräte durchgeführt. Die Präsentation der Ergebnisse der in Modul 1 stattgefundenen Tagungen ist Bestandteil dieser Veranstaltung, die auch dazu dienen soll, Erfolgsprojekte der Integrationsbeiräte vorzustellen.

Die Integrationsbeiräte in den Stadtbezirken sind Bestandteil des Lokalen Integrationsplans (LIP) und gehören zum Themenfeld „Demokratie“. Die GFZ-Jury begrüßt die geplante Rückschau dieser Gremien auf ihre bisherige Arbeit und ihr Wirken in den Stadtteilen.

2.

„Bretter, die die Welt bedeuten“

IPW / Prof. Dr. Lemke 12.284 €

Das Projekt dient der Vorbereitung und Durchführung eines Symposiums, das den Lokalen Integrationsplan (LIP) der Landeshauptstadt Hannover reflektieren und bewerten soll. Grundlage des Projektes sind wissenschaftliche Untersuchungen zur Integration auf kommunaler Ebene sowie Erfahrungen mit der Integrationsarbeit von ausgewählten Projektträger/innen, die in den letzten zehn Jahren vom Gesellschaftsfonds Zusammenleben in der Landeshauptstadt Hannover gefördert wurden. Im Mittelpunkt des Projektes stehen methodischdidaktische Lehr- und Lernstrategien aus den Bereichen Theaterpädagogik, Politikwissenschaft, und Fremdsprachenvermittlung, die in den Projekten „Die Sprache auf die Bühne bringen“ (9. Ideenwettbewerb) und „Politik theatralisch unterrichten“ (10. Ideenwettbewerb) erprobt worden sind. Zusätzlich sollen Erfahrungen aus vergleichbaren Projekten im Symposium vorgestellt und reflektiert werden. Die Phase vor dem Symposium besteht aus einer qualitativen Befragung der Projektträger/innen und der Vorbereitung ihrer Präsentation während des Symposiums. Die Teilnehmenden sollen über eine Vielfalt innovativer didaktischer Ansätze für die lokale Integrationsarbeit und das interkulturelle Zusammenleben in Hannover referieren. Sie erhalten die Möglichkeit, in Workshops verschiedene kreative und praxistaugliche Ansätze auf Integration kennenzulernen und praktisch zu erproben. Zudem bietet das Symposium und der Vorbereitungsprozess Lehrenden, Projektträgern, Politikvertreter/innen, Migrantenselbstorganisationen, Bildungsinstitutionen, Kultur- und Kunstvereinen, sowie der Stadtverwaltung die Möglichkeit miteinander über den LIP zu diskutieren und diesen zu bewerten.

Die Jury des Gesellschaftsfonds Zusammenleben begrüßt bei diesem Projektvorhaben die geplante qualitative Bewertung der Erfahrungen, die auf Basis des LIP entstanden sind. Das Symposium und die gewählte theaterpädagogische Methode unterstützen die Beteiligung der Mitwirkenden und Teilnehmenden und dienen der Präsentation der gesammelten und ausgewerteten Erkenntnisse.

3.

„ViP im LIP“

Institut für pädagogische Professionalität / Dietmar Rose und Bernd Schlierf 9.800 €

Im Rahmen des Projektes planen, organisieren und leiten Mitglieder des Integrations-Teams „Brückenbauer/innen“ unter der Themenstellung „Integration heute für morgen – gute Praxis“ zwei Zukunftskonferenzen, von denen eine an Flüchtlingsunterkünften in Hannover angesiedelt ist und die andere im Quartier Mühlenberger Markt stattfinden wird. Die Planung der Konferenzen erfolgt zusammen mit den Hauptamtlichen aus den Unterkünften bzw. mit Hauptamtlichen der Leonore Goldschmidt Schule, dem Quartiersmanagement Mühlenberger Markt und dem dortigen Familienzentrum. Die Erkenntnisse aus dem Projekt werden in die Überarbeitungsprozesse zum LIP transferiert und sollen in die Alltagsarbeit betroffener Player im Feld einfließen. 

Das Projektvorhaben zeichnet sich dadurch aus, dass geflüchtete junge Menschen, die zu Brückenbauer/innen qualifiziert wurden, den Prozess der Bewertung des LIP persönlich vorbereiten, koordinieren und zusammenfassen werden. Hier handelt es sich um die Gruppe der Neuzugewanderten, die an der Entstehung des LIP vor zehn Jahren und an seiner Umsetzung noch nicht beteiligt waren.

4.

„GFZ-Projekte – Impulse für integrative Entwicklungen“

SchMitt e.V. Schönes Mittelfeld / Walther Graetsch 9.500 €

In den zurückliegenden Jahren war SchMitt e.V. Träger von vier erfolgreich durchgeführten GFZ-Projekten im Stadtteil Mittelfeld, die ganz unterschiedliche Zielgruppen hatten. Allen Projekten gemeinsam war das Ziel, einen Beitrag zu einer interkulturellen, offenen Gemeinschaft aller Bewohner*innen in Mittelfeld zu leisten. Im Rahmen dieses Projektes soll die Rückschau auf die vier durchgeführten Projekte zeigen, welche Bestandteile der jeweiligen Projekte sich als erfolgreich erwiesen haben und bei welchen Teilen die Erwartungen sich nicht so erfüllt haben wie erhofft. Mit diesen Erfahrungen und Bewertungen soll dann zweitens zusammen mit den anderen Akteuren im Stadtteil erarbeitet werden, wie im Rahmen des LIP zukünftige integrative Projekte und Aktivitäten noch besser gestaltet werden können. Ziel ist, mit der Bündelung von Ressourcen, nachhaltigem Ansatz und lokalem Bezug die Lebenschancen der Bewohner*innen des Stadtteils Mittelfeld zu stärken. Auch die Einbindung von bisher nicht oder weniger beteiligten Akteuren, wie z.B. dem Kriminalpräventionsrat, ist geplant. Vorgesehen ist, im ersten Halbjahr 2019 mit den beteiligten Akteuren im Stadtteil in unterschiedlichen Arbeitsformen zunächst eine Art Bilanz zu erstellen, mit den gewonnenen Erkenntnissen aber auch schon neue Aktivitäten zu planen und, falls möglich, auch schon durchzuführen. Dazu werden Arbeitskreise, Workshops und moderierte Gespräche organisiert.

Der Blick auf den LIP und seine Projekte aus der Sicht der Bewohner*innen des Stadtteils Mittelfeld, in dem zahlreiche Initiativen zur Förderung der Integration und des Zusammenlebens unternommen wurden, bewertet die GFZ-Jury als einen wichtigen Schritt bei der Planung weiterer Aktivitäten im Sozialraum. Dabei wird die wahrgenommene Wirkung der laufenden und abgeschlossenen Projekte berücksichtigt.

5.

Diskussionscafé „Vielfalt verbindet – LIP bewegt“

Tolstoi e.V. 5.400 €

Das Projekt setzt sich zum Ziel, dem LIP mehr Leben einzuhauchen und ihn in einer einfachen Form zu präsentieren. Dem „einfachen“ Mitbürger bzw. der „einfachen“ Mitbürgerin soll vermittelt werden, wie dieses Dokument in der Praxis angewendet werden kann. Die Projektteilnehmer/innen sollen herausfinden, was ihrer Ansicht nach Bestandteil des LIPs sein sollte, welche Erwartungen sie an die städtischen Behörden haben und wie sie die Politik hinsichtlich der Migrant/innen und der Integration bewerten. Hierzu wird es monatliche Diskussionsrunden zu verschiedenen Themen geben (u.a. Leitlinien der städtischen Integrationspolitik, Migrant/innen und Flüchtlinge, Senior/innen, Stadtleben, Demokratie). Hauptzielgruppe sind die russischsprachigen Mitbürger/innen. Vereine mit anderem kulturellen Hintergrund beteiligen sich an den Veranstaltungen, die in deutscher Sprache stattfinden. Zusätzlich wird die Diskussion über einen deutsch- und russischsprachigen Blog im Internet geführt.

Bei dem LIP handelt es sich um einen Handlungsplan, der einer „Übersetzung“ für die Praxis bedarf, bevor seine einzelnen Themenfelder und Handlungsansätze einer Analyse unterzogen werden. Diese „Übersetzung“ findet hier unter Beteiligung der Stadtgesellschaft in einer intensiven Diskussionsphase statt.

6.

„LIP Zukunftskongress 2019“

Faust e.V./ kargah e.V./ MiSO-Netz e.V. 30.000 €

Das Projekt dient der Vorbereitung und Durchführung eines großen Kongresses zum LIP im Sommer 2019. Unter Federführung des MiSO-Netz e.V. wird zunächst ein Leitfaden mit Fragestellungen zum LIP und eine Kurzdarstellung des LIP entwickelt. Darauf aufbauend werden Moderator/innen aus MSOs geschult, um mit Hilfe dieses Leitfadens 20 moderierte Kurzworkshops mit kleineren Gruppen von Migrantenselbstorganisationen, unterteilt nach Sprachgebieten und Interessenlagen, durchzuführen. Diese Kurzworkshops dienen sowohl der Vermittlung von Wissen über den LIP, als auch der Erhebung von Kritik und der Motivation zur Teilnahme am Zukunftskongress. Parallel werden vom Mitantragsteller kargah drei Workshops in jeweils einem Stadtteil zu verschiedenen Themen des LIP durchgeführt. Grundlage der Diskussionen sind die Präsentation der bisherigen Kontrollberichte zur Umsetzung des LIP. Die zentrale Veranstaltung ist ein ganztägiger Kongress zum LIP, der sich an die gesamte Stadtgesellschaft in Hannover richtet. Dort werden die Ergebnisse diskutiert und Perspektiven entwickelt. Ziel ist eine möglichst umfassende Bestandsaufnahme der Wirkung des LIP sowie die Mobilisierung der Migrantenselbstorganisationen zur aktiven Teilhabe an den Prozessen seiner Weiterentwicklung. Ein Schwerpunktthema auf diesem Kongress wird die Erwachsenenbildung sein.

Das kooperative Projektvorhaben zeichnet sich durch einen sehr strukturierten und intensiven Diskussions- und Bewertungsprozess der LIP-Aktivitäten aus. Dazu wird die gesamte Stadtbevölkerung eingeladen. Die GFZ-Jury befürwortet diese methodenreiche und breite Beteiligung.

7.

„Integration vs. Assimilation“

Märchenkoffer e.V. / Alexandra Konopleva 10.460 €

Ausgangspunkt des Projektes ist die Frage, ob Zwei- und Mehrsprachigkeit in Hannover unterstützt und gefördert wird und ob dieses Thema im LIP ausreichend berücksichtigt wird. Mit der Zielgruppe von Jugendlichen und jungen Erwachsenen mit und Ohne Migrationshintergrund soll dieses Thema diskutiert werden. Zunächst werden Meinungsumfragen und Fragebögen entwickelt und der o.g. Zielgruppe konkrete Fragen zum Thema Zwei- und Mehrsprachigkeit gestellt, wie z.B.: „Was mache ich, wenn ich meinen Klassenkameraden nicht verstehe, weil sein Deutsch zu schwach ist?“ „Was soll ich machen, wenn jemand nach meiner Nationalität fragt?“ In zwei großen Diskussionsrunden werden die Ergebnisse diskutiert und konkrete Ideen zur Verbesserung entwickelt. Im Juni 2019 werden alle Ergebnisse zusammengefasst und als ausführlicher Bericht veröffentlicht.

Immer mehr Kinder und Jugendliche in Hannover wachsen zwei- und mehrsprachig auf. Zur Förderung der Mehrsprachigkeit finden sich im LIP einige Handlungsansätze. Mit der Frage, ob diese Ansätze noch zeitgemäß sind, wird sich dieses Projekt befassen.

8.

„Die Lounge Hannover“

mensch und region GbR / Birgit Böhm und Nael Arafat 14.080 €

Im Projekt soll mittels der medialen Schnittstelle einer Facebook-Seite Geflüchteten und weiteren nach Hannover Zuziehenden unterschiedlicher Kulturen eine sehr niedrigschwellige Beteiligungsmöglichkeit angeboten werden. Hier können Fragen betreffend Zielen und Interessen im Hinblick auf Aktivitäten in Hannover gestellt werden. Gleichzeitig will der Projektträger hier bezüglich der Aktivitäten des LIP mit der Zielgruppe ins Gespräch kommen. Es soll gefragt werden, ob die Nutzer/innen der Seite den Lokalen Integrationsplan kennen, ob sie wissen, welche Aktivitäten im Rahmen des LIP in Hannover angeboten und entwickelt wurden und werden, und was sie sich in Bezug auf die eigene Integration und das Leben in Hannover wünschen. Dem Projektträger ist wichtig, hier einen Teil der Zielgruppe anzusprechen und erreichen zu können, der nicht von sich aus aktiv wird, aber dennoch Ziele, Wünsche und Ideen hat. Die Anfragen an die Facebook-Seite werden in fünf relevanten Sprachen (Arabisch, Farsi, Französisch, Englisch, Deutsch und Spanisch) beantwortet. Aus Sicht des Projektträgers sind wesentliche Gelingensbedingungen, dass die Seite von einem Geflüchteten betrieben wird, dass sich im Hintergrund ein starkes Netzwerk entwickeln kann und dass damit Menschen angesprochen werden, die bislang die angebotenen Hilfen wenig nutzen.

Um möglichst viele (Neu)Bürger/innen an der Bewertung des LIP zu beteiligen, hält die GFZ-Jury auch neue, digitale Zugangswege für sehr sinnvoll. Ein Online–Angebot ermöglicht an dieser Stelle einfache Zugangswege und bietet die Möglichkeit neue Personengruppen zu erreichen.

9.

„Fit für die Zukunft!“

ViBBC e.V. 1.100 €

Im Rahmen des Projektes wird ein Jugendtag durchgeführt mit einem Indoor-Sportturnier, bei dem mehrere Mannschaften von verschiedenen internationalen Jugendgruppen gegeneinander antreten. Neben Zeit für Gemeinschaft und Begegnungen werden auf dieser Veranstaltung Befragungen der Teilnehmer/innen durchgeführt und es findet ein Austausch statt zu folgenden Fragestellungen: Welche Erfahrungen haben sie bisher gemacht mit Integration in Hannover? Wie stellen sie sich gelungene Integration vor? Welche Wünsche haben sie an die Stadt Hannover zur Verbesserung der Beziehungen zwischen Deutschen und Ausländern? Welche Berührungsängste haben sie bzw. wie könnte man diese abbauen? Die Befragungen können in Form von Interviews, Fragebögen oder auch Plenumsdiskussionen stattfinden. Zur Vorbereitung dieser Veranstaltung wird eine Wochenendtagung mit Übernachtung stattfinden. Bisherige Projekteilnehmer/innen des Projektträgers sollen so die Möglichkeit haben, sich selbst aktiv an der Planung des Jugendtages zu beteiligen, insbesondere an der Planung der Befragungen.  Im Rahmen des Projektes kommen Migrant/innen und Deutsche miteinander ins Gespräch darüber, wie ihre bisherigen Erfahrungen des Zusammenlebens sind, was ihnen zum Thema Integration wichtig ist, und was sie sich für die Zukunft von der Stadt Hannover wünschen. Gerade in Bezug auf die immer stärker werdende Ausländerfeindlichkeit soll ein besonderer Schwerpunkt auch auf der Befragung der deutschen Projektteilnehmer/innen liegen: Welche Berührungsängste haben sie und wie könnten diese evtl. abgebaut werden? Daraus lassen sich wertvolle Erkenntnisse für die Weiterarbeit des GFZ und den LIP gewinnen.

Im Fokus des Projektes steht der Blick auf den LIP aus der Perspektive der jungen Generation. Das gesamte Bewertungs und Auseinandersetzungsverfahren wird durch Jugendliche vorbereitet, durchgeführt und zusammengefasst. Die GFZ-Jury begrüßt diesen Peer-to-Peer-Ansatz und die bewusste Befassung mit Fragen der kommunalen Integrationspolitik.

10.

„Barometer für eine gute Zukunft – die Sicht südosteuropäischer Bürger/innen“

Bulgar(i)en in Hannover e.V. / Gergana Neumann 5.850 €

Im Mittelpunkt des Projektes stehen die Erfahrungen heterogener Gruppen südosteuropäischer (bulgarischer) Bürger/innen, die sich auf einem unterschiedlichen Niveau der Integration befinden. Die Projektidee wurde entwickelt vor dem Hintergrund der Wahrnehmung, dass kulturelle, Bildungs- und Integrationsangebote der LHH unzureichend bei der stark gestiegenen  Südosteuropäischen Zuwanderungsgruppe ankommen. Die Gründe dafür sollen sichtbar gemacht werden und Migrant/innen dazu animiert werden, ihre guten und schlechten Erfahrungen und Ideen in kleinen Gesprächsrunden oder großen Diskussionsforen zu teilen. Genutzt werden hierfür bereits bestehende bzw. geplante Angebote des Vereins, die um Podiumsdiskussionen, Workshops, World Cafés etc. erweitert werden. Flankiert werden diese Foren durch eine gezielte Vorbereitungsarbeit in Form einer auf die Zielgruppe angepassten Präsentation zum LIP und die Ausarbeitung eines Fragebogens sowie durch die Gewährleistung von Übersetzungsmöglichkeiten und Kinderbetreuung bei den Diskussionsveranstaltungen.

Wie in den vorherigen GFZ-Projekten handelt es sich hier ebenfalls um eine Zielgruppe, die während der Erstellung des LIP vor zehn Jahren kaum eine Berücksichtigung fand. Innerhalb der letzten Jahre ist die Community der Bürger*innen aus Südosteuropa in Hannover stark gewachsen. Die GFZ-Jury hält die Beteiligung dieser Personengruppe an der Bewertung des LIP für wichtig und erhofft sich neue Erkenntnisse hinsichtlich des Zugangs und der zu aktualisierenden Handlungsansätze in der kommunalen Integrationsarbeit.

11.

„Vielfältig engagiert – für politische Teilhabe, Demokratie und Weltoffenheit“

Türkische Gemeinde in Niedersachsen e.V. 10.000 €

Die Zielsetzung des Projektes ist es, junge Bürger/innen verschiedener Herkunft mit den wichtigsten Handlungsansätzen des Lokalen Integrationsplans vertraut zu machen und gemeinsam Ideen zu entwickeln, das Handlungsprogramm des LIP voranzutreiben. Mit zwei Projektgruppen à ca. 25 Personen, die zu Multiplikator/innen (Erwerb einer Juleica) ausgebildet werden, werden Beteiligungs- und Integrationsperspektiven in den Stadtteilen erarbeitet. Fragen, die bearbeitet werden sind u.a.: Wie können sich junge Bürger/innen verschiedener Herkunft hier für eine Verbesserung einsetzen? Welche Kompetenzen brauchen sie dafür? Ist der LIP eine mögliche Handlungsanleitung in diesem Kontext? Wo muss sich der LIP weiterentwickeln? Welche Initiativen sind denkbar und realisierbar? Diese Erfahrungen werden an zwei Konferenztagen vorgestellt und diskutiert und abschließend in einem Fachtag zur Diskussion gestellt. Sie münden in eine kritische Würdigung des hannoverschen LIP in moderierten Gesprächen. Junge Bürger/innen lernen in diesem Prozess Dialogfähigkeit, diverse Kooperations-, Beteiligungs- und Entscheidungsmethoden in der politischen Bildung sowie die Fähigkeit zum Perspektivwechsel und Diskussionskultur. Die Ergebnisse werden auf den Homepages der beteiligten Projektpartner/innen dokumentiert. Die Multiplikator/innenausbildung wird in Prozessform dokumentiert und ggfs. als „roadbook“ veröffentlicht.

Die Einbettung der Inhalte des Projektes in eine Juleica-Ausbildung und Vorbereitung auf das zukünftige ehrenamtliche Engagement junger Menschen, neben der Befassung mit der kommunalpolitischen Integration, hält die GFZ-Jury für wichtig und empfehlenswert.

12.

„Integration junger Menschen unter Berücksichtigung der gesamten Vielfalt“

Hakili-so Haus der Bildung e.V. / Mana Atiglo 20.000 €

Bei diesem Projekt sollen Heranwachsende verschiedener Herkunft sensibilisiert, qualifiziert und befähigt werden, sich in ihren Schulen und im direkten Umfeld einzubringen, um die Integration und das Zusammenleben aller zu fördern. Im Rahmen eines zweitägigen Seminars soll sich die Zielgruppe mit verschiedenen Themen auseinandersetzen. Es geht u.a. um Empowerment von Jugendlichen mit Migrationshintergrund sowie um das Thema „Rassismus und Zusammenleben“. Es werden Workshops in Tandems entwickelt, die anschließend von den jugendlichen Multiplikator/innen in Schulen durchgeführt werden. Zusätzlich werden einzelne Interviews mit den Teilnehmer/innen über die zentralen Fragen des Seminars durchgeführt. Im Projekt geht es um die Erfahrungen der Jugendlichen und jungen Erwachsenen und die daraus zu entwickelnden Lösungsansätze bzw. was sie voneinander, von der Gesellschaft und von der Stadt Hannover für eine effektive Integration und ein besseres Zusammenleben erwarten.

Ähnlich wie bei den vorherigen Projektanträgen handelt es sich hier um die Gruppe der Jugendlichen und Heranwachsenden. Gerade ihre Perspektive auf den LIP und die daraus abzuleitenden Fragen sowie Vorschläge für die Zukunft spielen für die kommunal- und integrationspolitische Planung eine wesentliche Rolle.