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GFZ

Die Projekte der zehnten GFZ-Förderrunde

131.000 Euro für neun Projekte zum Thema „Grundrechte für alle, die in Hannover leben!“

Zwei Frauen stehen nebeneinander im Mosaiksaal hinter einem Rednerinnenpult. Die Linke spricht. © LHH

GFZ-Kuratorin Dr. Koralia Sekler (links im Bild) und Dr. Bettina Doering (Bereichsleiterin Migration und Integration)

Ende Dezember 2017 verkündete der Gesellschaftsfonds Zusammenleben (GFZ) der Landeshauptstadt Hannover (LHH) das Thema des diesjährigen Ideenwettbewerbs und gab damit den Startschuss für die neunte Ausschreibungsrunde für den GFZ-Fördertopf. Aus einem Budget von jährlich 150.000 Euro werden innovative Starter-Projekte gefördert, die das gesellschaftliche Miteinander verbessern und natürlich zum Thema der jeweiligen Ausschreibung passen.

Das diesjährige Thema war „Grundrechte für alle, die in Hannover leben!“.

Von allen eingegangenen Bewerbungen wählte die vierköpfige Jury unter der Kuratorin Dr. Koralia Sekler die neun unten beschrieben Projekte aus. Der Internationale Ausschuss bestätigte die Förderung in seiner 14. Sitzung am 17. Mai 2018.

1.

„anGGmalt!“

Fußballprojekt Hannover 11.322 €
In diesem Projekt setzt sich eine sehr heterogene Gruppe in den ersten Workshops mit den für sie wichtigen Werten einer Gesellschaft auseinander. Die Zielgruppe umfasst geflüchtete Jugendliche, Schüler/innen eines Gymnasiums, Schüler/innen einer Grundschule und Lehramtsstudent/innen der Leibniz Universität. In den anschließenden Kunstworkshops wird dann die Umzäunung eines Soccercourts, (der aus Eigenmitteln bereits angeschafft wurde) bunt zum Themenbereich des Ideenwettbewerbs gestaltet. Das Projekt schließt ab mit einem interkulturellen Fußball-Turnier im frisch bemalten Court. Der Court wird zudem bei städtischen Veranstaltungen wie „Kicken gegen Vorurteile“ oder „Internationaler Hannover-Cup“ aufgebaut.
Das Projekt will generationsübergreifend und im peer-to-peer-System die kulturelle Teilhabe von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund fördern. Die Projektlaufzeit beträgt 21 Monate.

2.

„Spielend zu unseren Grundrechten“

Johannes-Kepler-Realschule Hannover 8.060 €
Dieses Präventionsprojekt zielt darauf ab, Schüler/innen angemessene Strategien der Konfliktbearbeitung und -Bewältigung zu vermitteln. Die Schule hat den Eindruck gewonnen, dass eine zunehmend größer werdende Schülergruppe Schwierigkeiten im Bereich der emotional-sozialen Entwicklung hat und ein geringes Werte- und Regelverständnis in der Schule zeigt. Dieses führt häufig zu Konflikten, die zum Teil auch durch Gewalt geprägt sind. Mit zwei Klassen werden im Rahmen des Projektes exemplarisch 3-Tages-Trainings durchgeführt. Methodisch arbeitet das Projekt mit Teambildungsübungen und dem Ansatz des Forumtheaters. Das Konzept soll in einer anschließenden Multiplikator/innenfortbildung sowohl dem Lehrerkollegium der Johannes-Keppler-Realschule, der Peter-Ustinov-Schule als auch den Stadtteilakteur/innen des Stadtteilzentrums Ricklingen zugänglich gemacht werden. Die Projektlaufzeit beträgt 10 Monate.

3.

„Biografisches Theater“

IGS Büssingweg 4.600 €

Biografien der Schüler/innen, die an diesem theaterpädagogischen Projekt teilnehmen, sind Ausgangspunkt und Impulsgeber für die Auseinandersetzung mit den Grundrechten. Ein eigenes Theaterstück wird erarbeitet, bei dem das Hauptaugenmerk auf den Wünschen, Träumen und Zukunftsvisionen der Jugendlichen liegt.
Das Projekt zielt ab auf:

  • die Sensibilisierung für das Thema Grundrechte über die Theaterarbeit
  • die Steigerung des Gemeinschaftsgefühls in einer sehr heterogenen Schülerschaft
  • das Kennenlernen außerschulischer Lernorte und Berufsfelder rund um das Theater
  • die Förderung persönlichkeitsbildender Elemente

Die Zielgruppe setzt sich zusammen aus 15 - 20 Schüler/innen, die Gruppe wird jahrgangsübergreifend und inklusiv vorrangig aus der neu gegründeten Oberstufe zusammengesetzt. Die Projektlaufzeit beträgt 5 Monate.

4.

„Kenn dein Recht!“

gEMmiDe e.V. 20.000 €

Bürgerschaftlich Engagierte aus Hannover mit und ohne Migrationshintergrund und Neuzugewanderte lernen an konkreten Beispielen in diesem Projekt Art.1, Abs.1; Art.3, Abs. 2 und 3 sowie Art. 5 des Grundgesetzes kennen. Wöchentliche Treffen der Teilnehmenden dienen der Auseinandersetzung mit der Thematik. Darüber hinaus ist u.a. der Besuch folgender Lernorte geplant:

  • Gedenkstätten Ahlem und Bergen-Belsen
  • Partizipationsmöglichkeit zu den Vorbereitungen zum Christopher-Street-Day 2018
  • NDR-Funkhaus Hannover
  • Niedersächsischer Landtag
  • Bundestag

Die Zielsetzungen des Projektes sind:

  • Vermittlung der historischen Gründe für den Art. 1
  • Entwicklung einer Haltung zum Thema Gleichberechtigung und Gleichbehandlung
  • Verdeutlichung des hohen Wertes der Meinungs- und Pressefreiheit.

Die Projektlaufzeit beträgt 19 Monate.

5.

„G.R.U.N.D.R.E.C.H.T.E. in Hannover Linden“

Mensch und Region, Limberg GbR 22.750 €
Das Projekt Grundrechte in Hannover Linden soll stadtteilbezogen das Verständnis füreinander und für das Thema stärken und wird in Kooperation unterschiedlicher Akteur/innen des Stadtteils wie dem Cameo-Kollektiv, Cafe Allerlei, Wissenschaftsladen sowie Geflüchteten aus der Flüchtlingsunterkunft Siloah und Aktiven des Stadtteils umgesetzt.
Über partizipative Tandems und Stärkung der Selbsthilfe-organisationen von Geflüchteten und weiteren Zielgruppen, sollen Grundrechte thematisiert und bekannt gemacht werden. Über Projektergebnisse wird auf der Homepage der Veranstalter/innen öffentlich berichtet. Die Projektlaufzeit beträgt 24 Monate.

6.

„Die ausgeblendete Vielfalt – Aufklärerische und gewaltfreie Diskurse und Bewegungen im islamischen Kulturraum“

Faust e.V. 12.000 €

Im Projekt soll die Diversität der Gesellschaften im islamischen Kulturraum historisch und heute herausgestellt und vermittelt werden, um so sowohl die Identitätsdiskurse des islamischen Fundamentalismus aufzuzeigen, als auch der kulturrassistischen Ideologie des Rechtspopulismus entgegenzutreten. Durch die Befassung mit dem Begriff der Menschenwürde soll diese als Teil menschlicher Identität noch stärker reflektiert und verinnerlicht werden. Das Projekt will aufzeigen, dass es über Kulturgrenzen hinweg gemeinsame Bezugspunkte zum Thema Menschenwürde gibt und pauschalisierenden Bildern entgegentreten.

Zusammen mit Projektpartner/innen aus dem Bereich der Selbstorganisationen von Menschen mit Migrationshintergrund und Geflüchteten wird eine Ausstellung und eine Broschüre ausgearbeitet, die die Diversität der islamischen Kulturen und dort bestehende Diskurse aufgeklärter Toleranz aufzeigt.
Das Projekt zielt u.a. ab auf:

  • die Stärkung von Geflüchteten durch einen positiven Bezug auf die Diversität ihrer eigenen Kultur
  • die Vermittlung eines komplexen Bildes der islamischen Gesellschaften
  • die Anregung eines wechselseitigen befruchtenden Diskurses zwischen emanzipatorischen Bewegungen über die Kulturen hinweg

Die Projektlaufzeit beträgt 8 Monate.

7.

„Politik theatralisch unterrichten“

Leibniz Universität Hannover 15.400 €

Teilnehmer/innen von Orientierungskursen des BAMF und Studierende (Migrant/innen und Geflüchtete) der Leibniz Universität werden Texte aus dem Themenfeld der Grundrechte verfassen und auf die Bühne bringen. Über das Projekt sollen die Teilnehmer/innen:

  • bestehende politische Verhältnisse reflektieren
  • Institutionen wie Landtag, Verlage, Rundfunk kennenlernen und auf diesem Wege sich mit politischen und gesellschaftlichen Themen auseinandersetzen
  • sich eine politische Handlungskompetenz aneignen.

Kontinuierlich wird sich die Gruppe zu Wochenendworkshops treffen und von Student/innen des Institutes für Politische Wissenschaft als auch des Institutes für Darstellendes Spiel unterstützt. Die Projektergebnisse werden abschließend im Rahmen einer Aufführung präsentiert. Eine anschließende Podiumsdiskussion ist geplant. Die erarbeiteten Texte werden der politischen Bildung zugänglich gemacht und die Nachhaltigkeit des Projektes ist über eine Publikation über Methodik und Didaktik des verwendeten Ansatzes gesichert. Die Projektlaufzeit beträgt 12 Monate.

8.

„Teamskulptur „Grundrechte““

FrantzBetz Vision 3.500 €
Menschen mit ganz unterschiedlichen Hintergründen (Senior/innen, Geflüchtete, Schüler/innen) erschaffen in diesem Projekt eine gemeinsame Lichtkunstskulptur zum Thema „Grundrechte für alle“. Dabei soll es zum Austausch der verschiedenen Zielgruppen über Schwerpunktsetzungen kommen und Kontaktmöglichkeiten für Menschen geschaffen werden, die ansonsten wenig Berührungspunkte haben. Während der Gestaltung der Skulptur wird die Öffentlichkeit mit in den Prozess einbezogen. Die Teamskulptur zielt auf eine sinnstiftende Auseinandersetzung mit den vielfältigen Aspekten der Grundrechte ab. Die Projektlaufzeit beträgt 6 Monate.

9.

„Hürde Menschenwürde“ – Rap- und Videoproduktion

Spax (Künstler) 8.150 €
Kinder und Jugendliche im Alter von 12 -16 Jahren setzen sich in diesem Projekt mit ihrem Politik- und Demokratieverständnis auseinander. Die Grundlagen unserer Gesellschaft sowie die Grundrechte werden diskutiert und Kernaussagen in Raptexten gestaltet. Darauf aufbauend werden Musikvideos produziert, die in verschiedenen Sprachen untertitelt werden bzw. eine Gebärdensprachen-Übersetzerin einblenden.
Die Zielsetzung dieses Projektes ist Aufklärung über und Sensibilisierung für die Relevanz der Grundrechte für das Zusammenleben in unserer Gesellschaft. Der Projektzeitraum beträgt 3 Monate.