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Gesellschaftsfonds Zusammenleben

„Welche Spuren wollen wir hinterlassen?“

Formen der Erinnerung im Zeitalter der neuen Medien. Ein Projekt von Schülerinnen und Schülern

Am 18. Juni stellten Jugendliche in der Gedenkstätte Ahlem die Ergebnisse ihres Projekts „Hanowerskie Jasełka 1943 –
Hannoversches Krippenspiel 1943“: Welche Spuren wollen wir hinterlassen?„Welche Spuren wollen wir hinterlassen?“ vor. Das Projekt wurde gefördert vom Gesellschaftsfonds Zusammenleben (GFZ) und mitgetragen von Schulen und dem polnischen Generalkonsulat in Hamburg. Die Idee und Durchführung lag bei der Autorin und Dolmetscherin Grażyna Kamień-Söffker, unterstützt durch die Germanistin Teresa Czaniecka-Kufer.

Eineinhalb Jahre lang haben sich knapp 35 Jugendliche den hinterlassenen Texten der in Ahlem internierten polnischen Lehrerin Natalia Tułasiewicz gewidmet. Bei den meisten Schriftstücken der verdeckten Widerständlerin, die ab 1943 in der hannoverschen Pelikan-Fabrik schuften musste, handelte es sich um Tagebucheinträge und Briefe. Doch übergaben Nachfahren von Tułasiewicz auch ein Dokument, das nicht so recht zu ihren anderen Schriftstücken passte. Dabei handelte es sich um ein Krippenspiel, nach dem Jesus und Maria nicht im Stall von Bethlehem Unterkunft suchen, sondern in den hannoverschen Baracken, wo sie von den Zwangsarbeiter/innen beschenkt werden. Das Spiel sollte Weihnachten 1943 aufgeführt werden, doch dazu kam es nicht. Tułasiewicz wurde 1944 enttarnt und zwei Tage vor der Befreiung durch die Alliierten im Konzentrationslager Ravensbrück hingerichtet. Kamień-Söffker und den hannoverschen Jugendlichen ist zu verdanken, dass ihr Werk neues Leben erhielt, indem sie aus dem Krippenspiel ein Hörspiel machten – sowohl in deutscher, als auch in polnischer Sprache.

In einer zweiten künstlerisch pädagogisch begleiteten Projektphase setzten sich die Jugendlichen graphisch-gestalterisch mit jeweils selbstgewählten Teilen der Biographie von Natalia Tułasiewicz auseinander. Die ganz unterschiedlichen und beeindruckenden Bildsequenzen zu Themen wie Krieg und Zerstörung, Erniedrigung, Hoffnung oder persönlichen Leidenswegen der Zwangsarbeiter/innen sind in einer Publikation zusammengefasst. Bildband und Hörspiel wurden bei der Veranstaltung an die Gedenkstätte Ahlem übergeben. Stefanie Burmeisterin, Leiterin der Gedenkstätte Ahlem, zeigte sich angetan von dem Prozess und Ergebnis des GFZ Projektes. Sie freute sich insbesondere darüber, Buch und CD in den Bestand der Gedenkstätte aufzunehmen, und äußerte die Hoffnung, dass das Ergebnis weitere Schülerprojekte inspirieren werde.

Auf der Abschlussveranstaltung dankte Bürgermeister Klaus-Dieter Scholz den Jugendlichen im Namen der Landeshauptstadt Hannover, denn ihre Arbeit habe das Demokratie- und Geschichtsverständnis in Hannover mitgeprägt. Anschließend hob der aus Hamburg angereiste polnische Generalkonsul Dr. Marian Cichosz in seinem Grußwort die gemeinsame Geschichtsaufarbeitung Jugendlicher mit deutschen und polnischen Wurzeln hervor und lobte das Engagement der polnischen Community in Hannover. Auch Dr. Koralia Sekler, Kuratorin des GFZ-Ideenwettbewerbs, zeigte sich erfreut. Die Jury habe lange diskutiert, ob man ein ergebnisoffenes Projekt fördern könne, doch habe sich die Entscheidung als richtig herausgestellt, denn die Ergebnisse sprächen für sich. Sie überreichte den Jugendlichen persönliche Teilnahmeurkunden. Im Anschluss bestand Zeit, die erst im letzten Jahr neu konzipierte und eingerichtete Ausstellung der Gedenkstätte in Ahlem zu erkunden.

 

Hören Sie hier das Krippenspiel von Natalia Tułasiewicz als Hörbuch in polnischer Sprache!

Hören Sie hier das Krippenspiel von Natalia Tułasiewicz als Hörbuch in deutscher Sprache!