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Etwa 20 Personen stehen hinter einem Banner, auf dem "LIP 2.0" steht, während Konfetti hinabregnet © Welt-in-Hannover.de

Feierlaune beim Startschuss: hinter dem Banner stehen die Mitglieder der Expert*innengruppen und der Lenkungsgruppe.

Auftaktveranstaltung LIP 2.0

Bunter Start für die Arbeit an einem noch bunteren Hannover

Oberbürgermeister Belit Onay und Sport-, Kultur- und Sozialdezernentin Konstanze Beckedorf gaben den Startschuss für die Arbeit am LIP 2.0 – dem neuen Lokalen Integrationsplan der Landeshauptstadt Hannover.

Die Stadt, das MiSO-Netzwerk und weitere Migrant*innenorganisationenhaben haben gerufen und knapp 300 Interessierte kamen am 17. und 18. Januar, um im Haus der Jugend den Auftakt zur Arbeit am neuen Lokalen Integrationsplan (LIP 2.0) in Szene zu setzen. Oberbürgermeister Belit Onay eröffnete den ersten Tag der Veranstaltung (Freitag) und gab gleich den Kurs vor: LIP 2.0 könne nur ein Arbeitstitel sein. Denn auch wenn die Stadt unter dem Begriff „Integration“ die gleichberechtigte Teilhabe aller am gesellschaftlichen Leben in der Stadt verstehe, sei das nicht für alle klar, die den Begriff hören oder verwenden. Vielfach werde Integration noch immer fälschlich als „Bringschuld“ von Eingewanderten und ihren Kindern gesehen.

Doch die Stadtverwaltung möchte nicht einseitig und allein die Strategie oder einen neuen Begriff für die gleichberechtigte Teilhabe aller Menschen in Hannover festlegen. Vielmehr sind alle Interessierten in der Stadt aufgerufen, sich aktiv einzumischen. Deshalb war der Auftakt am Wochenende nur eine von mehreren geplanten Veranstaltungen, bei denen sich die Stadtgesellschaft beteiligen kann.

So vielfältig wie die Beteiligung am Prozess gestaltet werden soll, ging es auch auf der Auftaktveranstaltung LIP 2.0 zu: Organisiert wurden die zwei Tage in einer Zusammenarbeit zwischen der Verwaltung und Migrant*innenselbstorganisationen, unter anderem MiSO e.V.. Auch die Jury des Gesellschaftsfonds Zusammenleben (GFZ) war dabei und verlieh Hannovers ehemaligem Oberbürgermeister und jetzigem niedersächsischen Ministerpräsident Stephan Weil den GFZ-Integrationspreis. Weil hatte das Thema Migration und Integration in seiner Amtszeit zur „Chefsache“ erklärt und den ersten Lokalen Integrationsplan der Stadt auf den Weg gebracht. „Sie haben den Geist und das Gefühl einer Verantwortungsgemeinschaft für Integration in unserer Stadt geweckt und durch Ihre Haltung noch bekräftigt. Dafür gilt Ihnen ein besonderer Dank!“, sagte die GFZ-Kuratorin Dr. Koralia Sekler in ihrer Laudatio.

Wie dieser Plan sich in den letzten zehn Jahren aus Sicht der Migrant*innenorganisationen gemacht hat, was umgesetzt wurde und wo noch mehr getan werden sollte, erfuhren die Teilnehmer*innen der Auftaktveranstaltung am Freitag beim „Inselhopping“. Der GFZ hatte im letzten Jahr elf Projekte gefördert, die den LIP von 2008 und seine Umsetzung unter die Lupe genommen haben. Die Ergebnisse dieser Arbeit wurden auf riesigen Postern festgehalten und auf vier „Themeninseln“ präsentiert. Den Rückblick auf zwölf Jahre LIP aus der Perspektive der Verwaltung lieferte das Forschungsinstitut IMAP, das hierzu eine Befragung durchgeführt hat.

Abgerundet wurde das Programm am Freitag mit musikalischen Intermezzi von Svetlana Kundish und Eliah Sakakushev-von Bismarck. Zum Ausklang des Tages funktionierte der Verein Linden Legendz das Café im Haus der Jugend kurzerhand zum Partyraum um – dort wurde noch bis tief in die Nacht die „LIParty“ gefeiert.

Am Samstag richtete sich der Blick dann stärker in die Zukunft. Hannovers Sport-, Kultur- und Sozialdezernentin Konstanze Beckedorf gab mit vielen Beteiligten auf der Bühne den Startschuss zur Arbeit am LIP 2.0. Zuvor hatte die zuständige Bereichsleiterin Dr. Bettina Doering erklärt, wie der Prozess innerhalb eines Jahres ablaufen soll.

Nach einem gemeinsamen Mittagessen startete die inhaltliche Arbeit: In sechs Dialogrunden waren die Gäste dazu aufgerufen, ihre Ideen, Wünsche und Anregungen für den LIP 2.0 zu äußern. Als Ergebnis der LIParty am Vorabend bildete sich spontan eine siebte Dialogrunde zum Handlungsfeld „Jugend“. Die jeweiligen Sprecher*innen der Gruppen sammelten den Input der Gäste, diskutierten mit ihnen und präsentierten die Ergebnisse dann im abschließenden Forum. Der gesammelte Input soll jetzt in die Arbeit der Expert*innengruppen einfließen. Die konkrete inhaltliche Arbeit an dem Konzept übernehmen nämlich ab Februar die Expert*innengruppen, die paritätisch mit Menschen aus der Stadtverwaltung und der Stadtgesellschaft besetzt sind. Fest geplant sind sechs Gruppen zu den Handlungsfeldern „Bildung“, „Soziales“ und „Demokratie“ sowie „Stadtleben und Kultur“, „Wirtschaft“ und „Stadtverwaltung und Diversität“.

Auch am Samstag wurde die inhaltliche Arbeit von einem vielfältigen Programm begleitet. Das Ensemble Gohar spielte am Vormittag traditionelle persische Musik, während am Nachmittag ein interkulturelles Duo in einem kleinen Set persische, französische und deutsche Musikstücke zu einem interkulturellen Klangerlebnis verknüpfte.

Daneben wurde es auch kulinarisch vielfältig: Zusammen mit sechs Gästen kochten der Event-Koch Dr. Vogel und der Moderator der Veranstaltung, Jan-Egge Sedelies, live auf der Bühne eine „Kultursuppe“ – auch die Dezernentin Beckedorf ging routiniert mit dem Küchenmesser zu Werk. Die arabisch-scharf abgeschmeckte Suppe wurde beim anschließenden gemeinsamen Mittagessen gereicht und fand viel Zuspruch.

Den Erfolg der Veranstaltung konnte man an beiden Tagen nicht nur an der Zahl der Besucher*innen ablesen, sondern auch an vielen kleinen Gesprächen, die immer wieder Veranstalter*innen, Gäste und Politiker*innen in den Räumen und auf den Fluren des Hauses der Jugend zusammenbrachten.

Der Prozess für den neuen Lokalen Integrationsplan sieht vor, dass bis zum Sommer zunächst ein Strategiepapier entstehen soll, das sich unter anderem mit der Suche nach passenden Begrifflichkeiten beschäftigt. Die nächste Möglichkeit zur Beteiligung soll es auf einer Veranstaltung im April geben – und auch online soll es dann möglich sein, neue Ideen für gleichberechtigte Teilhabe in Hannover in den Prozess einzubringen.