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Antirassismus

Internationale Woche gegen Rassismus 2015

Thema des Jahres 2015: „Das wird man ja wohl noch sagen dürfen...“

Blick von der Bühne neben der Uhr am Kroepcke in Richtung Steintor: Etwa 100 Teilnehmer/innen blicken zur Bühne in Richtung Opernplatz. © LHH

Gut 200 Teilnehmende setzten ein Zeichen gegen Rassismus in Hannover, im Vordergrund Bürgermeister Thomas Hermann.

Am 16. März starteten die Internationalen Wochen gegen Rassismus in Hannover mit einer Kundgebung auf dem Kröpcke. In der Zeit vom 16.3. bis zum 25.3. hat ein breites Bündnis, zu dem auch die Landeshauptstadt Hannover zählt, eine große Veranstaltungsreihe mit Vorträgen, Info- und Diskussionsveranstaltungen zum Thema Rassismus organisiert und durchgeführt. Dieses Jahr lief die Reihe unter dem Motto „Das wird man ja wohl noch sagen dürfen...“ – in Anspielung auf die aktuellen Protestbewegungen wie „Pegida“ oder „Hogesa“, aus deren Reihen wiederholt rassistische Äußerungen zu hören waren. Dass das Motto der Woche gegen Rassismus gut gewählt war, zeigte sich schon daran, dass kurz nach dem Auftakt am Opernplatz eine „Pageda“-Kundgebung stattfand, zu der allerdings nur knapp 20 Teilnehmer/innen kamen. 

Zwei Personen stehen auf einer Bühne. Die Linke davon spricht in ein Mikrofon und schaut nach vorne, wo die Teilnehmer/innen stehen (nicht im Bild). Die rechte blickt zur Linken und hört ihr zu. © LHH

Regisseurin Mo Asumang (l.) und Moderator Jan Sedelies.

Die Kundgebung zu Beginn der Woche wurde von Jan Egge Sedelies (Hannoversche Allgemeine Zeitung) moderiert. Er begrüßte die gut 200 Teilnehmenden und stellte das antirassistische Bündnis vor. Anschließend folgten Redebeiträge der Organisator/innen. Zu Gast war die Regisseurin Mo Asumang, die sich für ihren Dokumentarfilm „Die Arier“ mehrmals in Gefahr begab, zum Beispiel um Ku-Klux-Clan-Mitgliedern zu interviewen. Sie berichtete von den Dreharbeiten und betonte die Wichtigkeit des zivilen Engagements gegen Rechtsextremismus. Danach warnte Silvia Müller (Initiative gegen rechten Lifestyle) davor, den Fokus allein auf die „extreme Rechte“ zu richten – menschenfeindliches Gedankengut sei längst in allen Kreisen der Gesellschaft angekommen und müsse bekämpft werden, wo immer es anzutreffen sei.

Zwei Personen stehen nebeneinander auf einer Bühne. Die rechte davon spricht in ein Mikrofon, die linke blickt zur rechten und hört ihr zu. © LHH

Abdel-Rahim Al-Muhtaseb (l.) und Michael Fürst (r.)

Danach traten Michael Fürst (Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde in Niedersachsen) und Abdel-Rahim Al-Muhtaseb (stellv. Vorsitzender der Palästinensischen Gemeinde Niedersachsen) gemeinsam auf die Bühne und zeigten Geschlossenheit im gemeinsamen Kampf gegen Rassismus. Fürst forderte mehr Engagement als eine Aktionswoche gegen Rassismus und riet dazu, auch an Schulen antirassistische Wochen durchzuführen. Wichtig sei, so Al-Muhtaseb im Anschluss, dass man den Dialog suche und gemeinsam Misstände behebe. Auch wenn die Jüdische und die Palästinensische Gemeinde nicht in allen Punkten einen gemeinsamen Nenner finden könnten, hätten sie schon wiederholt gemeinsam demonstriert und tauschten sich nun – ganz im Gegensatz zur Situation vor zehn Jahren – regelmäßig aus. Beide teilten den Eindruck, dass sich gerade solche Menschen Protestbewegungen nach Art von "Pegida" anschlössen, die selbst keinen Kontakt zu Migrant/innen hätten. Weil sie sich solchem Kontakt verschlössen, könne bei ihnen nicht angekommen, dass die deutsche Gesellschaft immer internationaler und heterogener werde.

Ein Mann steht auf einer Bühne und spricht in ein Mikrofon. In seiner linken Hand hält er ein Smartphone. © LHH

Maissara M. Saeed beim Redebeitrag.

Im Anschluss trat Matthias Friedrichs von der Initiative „Mach meinen Kumpel nicht an! e.V.“ ans Mikrofon. Er riet dazu, Äußerungen wie „Ich habe nichts gegen Migrant/innen, aber...“ nicht durchgehen zu lassen,  sondern ihnen bewußt entgegenzutreten. Zum Schluss dankte Maissara M. Saeed (German Sudanese Assiciation & Refugee Protest Camp Hannover) den Anwesenden für ihre Solidarität und wies auf die selbstzerstörerische Gefahr hin, die Rassismus für jede Gesellschaft bedeute. So sei er selbst schon oft abwertend behandelt worden – auch beim Versuch, die Forderungen der Protestierenden am Weiße-Kreuz-Platz auf die Tagesordnung der Politik zu setzen.

Zwei Jugendliche stehen mit dem Rücken zur Uhr am Kroepcke. Ein dritter Jugendlicher - der DJ - hockt davor und hält eine Schallplatte hoch. © LHH

Hip-Hop-Gruppe Ranios Rayk&Score-34

Zwischen den Reden sorgte die Hip-Hop-Band „Ranios, Rayk & Score 34“ für ausgelassene Stimmung mit Liedern gegen Rassismus und für Toleranz. Nach dem letzten Stück der Band war die Veranstaltung offiziell beendet. Viele Teilnehmer/innen blieben aber noch und hielten später eine Spontankundgebung gegen die Pageda-Demo am Opernplatz ab.

Nachstehend finden Sie das Programm der diesjährigen Internationalen Woche gegen Rassismus zum Download.

Landeshauptstadt Hannover