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Mehrsprachigkeit

MigrantenElternNetzwerk: 2. Plenum

„Mehrsprachigkeit als Chance im Bildungsverlauf“

Auf Einladung des regionalen MigrantenElternNetzwerks (MEN), fand am 1. Juli das nunmehr zweite öffentliche Plenum statt. Im MEN organisiert sind aktive Eltern mit Einwanderungs­geschichte, Vertreter/innen von Bildungs- und Ausbildungseinrichtungen, Migrantenorganisationen, Initiativen und weiteren Institutionen aus Stadt und Region Hannover. Beate Seusing von AMFN (Arbeitsgemeinschaft von Migrant/innen und Flüchtlingen in Niedersachsen e.V.) begrüßte die gut 60 Teilnehmer/innen und stellte das Thema des Abends vor: „Mehrsprachigkeit als Chance im Bildungsverlauf“.

Danach gab Aylin Keller einen allgemeinen Einstieg in die Fragestellung der frühkindlichen Sprachförderung. Die Verlegerin von zweisprachigen Kinderbüchern (Talisa-Verlag) veranschaulichte, wie sich ab der Geburt die Sprache und ihre Anwendung in vier Phasen bis zum neunten Lebensjahr verfestigt. In diesem Zeitfenster müsse eine effektive Förderung stattfinden, damit beide Sprachen ein möglichst hohes Niveau erreichen. Schon in der zweiten Phase – also bis zum vierten Lebensjahr – werde erkennbar, welche Sprache besser entwickelt sei und „lieber“ gesprochen werde. Die Referentin wies darauf hin, dass bei der Förderung der Zweitsprache immer im Auge behalten werden müsse, dass ein solides Grundgerüst der Erstsprache eine wichtige Voraussetzung für das Erlernen weiterer Sprachen sei.

Nach Kellers Kurzreferat teilten sich die Teilnehmer/innen in vier rotierende Arbeitsgruppen auf. Dabei tauschten sich die Eltern über ihre Erfahrungen mit mehrsprachiger Erziehung aus und informierten sich über das „Rucksack“-Projekt. In diesem Projekt werden Eltern zu Begleiter/innen qualifiziert und leiten anschließend sogenannte „Rucksackgruppen“, die Anregungen über Verbesserungen bei der Förderung von Mehrsprachigkeit geben.

Auch bilinguale Erziehungskonzepte wurden diskutiert. Die sprachlichen Fertigkeiten derjenigen Kinder, die neben Deutsch auch eine andere Sprache sprechen, sollen möglichst noch vor der Einschulung ausgebaut werden. Die Albert-Schweitzer-Schule ging mit gutem Beispiel voran und bietet aufgrund starker Nachfrage auch Unterricht in türkischer Sprache an. Das bilinguale Unterrichtsmodell mit Einbeziehung der Muttersprache bringe allerdings Schwierigkeiten mit sich, so berichtete Sevinç Ezbük. Nur noch wenige Kinder aus Einwanderungsfamilien seien in ihrer Muttersprache so sicher, als dass sie einem Unterricht ausschließlich auf Türkisch folgen könnten. Ezbük appellierte grundsätzlich an alle Eltern, mehr mit ihren Kindern zu sprechen, damit diese ihren Wortschatz und ihre Grammatik verbessern könnten.

Am Schluss hatten die Teilnehmer/innen viele Impulse mitgenommen. Ihre Bereitschaft, den Bildungsweg ihrer Kinder aktiv mitgestalten zu wollen, wurde sehr deutlich. Angesichts der fortschreitenden Globalisierung und der erhöhten Nachfrage nach sprachlichen Fähigkeiten erscheint es passend, dass das MEN eben diese Fähigkeiten als einen Arbeitsschwerpunkt gewählt hat.