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Dialogkonferenz

samo.fa: „Teilhabe ist ein Geschäft auf Gegenseitigkeit“

Vorträge und Arbeitsgruppen

Am 21. Juni fand in Hannover die alljährliche Dialogkonferenz des Flüchtlingsprojekts „samo.fa“ statt. Über 60 Interessierte kamen in das Tagungshaus der St. Clemens Gemeinde. „Eine demokratische Gesellschaft setzt eine umfassende Teilhabe aller Einwohner*innen voraus. Geflüchtete erfahren häufig, dass von ihnen ein starker Integrationswille verlangt wird, sie aber nicht immer als Gleichberechtigte wahrgenommen werden“, sagte MiSO-Vorstandsmitglied Dang Chau Lam in seinem Grußwort. Er brachte das Problem schnell auf den Punkt: Wer von Integration, Chancengleichheit, Partizipation und Teilhabe spreche, der dürfe bei Rassismus, Diskriminierung und Rechtsextremismus nicht schweigen.

Inhaltlich ging es auf der Dialogkonferenz insbesondere um aktuelle Herausforderungen und Zugangsbarrieren, denen Geflüchtete in Hannover gegenüberstehen. Einleitend gab Dr. Bettina Doering, Bereichsleiterin für Migration und Integration der Landeshauptstadt Hannover, einen Input zur Integrationsarbeit in Hannover. „Wir sind offener geworden für einen engeren Austausch mit Migrant*innenselbstorganisationen“, sagte Doering.

Unter der Moderation von Adama Logosu-Teko (Leiter des Braunschweiger Hauses der Kulturen) beleuchteten anschließend im Panel „Angekommen?“ Fred Luszik vom IHAFA-Projekt der Handwerkskammer Hannover, sowie Nelly Hagen und Farhad Qudrati (Pateninitiative von IKJA e.V.) verschiedene Aspekte der Integration durch Ausbildung und Arbeit. „Ankommen ermöglichen – Potenziale nutzen“, heißt es bei der Initiative, die sich insbesondere um unbegleitete Flüchtlinge kümmert. Diese kamen auch selbst zu Wort und berichteten den Anwesenden über ihre Lebenssituation.

„Teilhabe ist ein Geschäft auf Gegenseitigkeit“, stellte Luszik am Ende seines Vortrags fest, bei dem zwei Auszubildende aus Syrien und aus Afghanistan assistierten. Oft scheitere eine Ausbildung an mangelnden Deutschkenntnissen. In der Region Hannover gäbe es derzeit etwa 1.800 Berufsschüler*innen mit Migrationsgeschichte. 1.300 davon würden nach Einschätzung ihrer Lehrer*innen die Prüfungen nicht schaffen.

In zweiten Panel „Teilhaben jetzt!“ berichtete zunächst Dr. Anne Gast, Sprecherin des Nachbarschaftskreises Hannover-Mitte, über die aktuelle Situation der gut 4.000 Geflüchteten, die derzeit in der Landeshauptstadt leben und darüber, was die 25 Nachbarschaftskreise für sie tun.

Rejane Herwig, Regionalkoordinatorin Nord-West des Dachverbands „DaMigra e.V.“, sprach über Erfahrungen in der Teilhabe von Geflüchteten und insbesondere von Frauen in Nachbarschaften. Dabei wurde die Benachteiligung geflüchteter Frauen insbesondere auf dem Arbeitsmarkt deutlich. „Mut-Macherinnen“ seien hier besonders gefragt. Abschließend beschäftigte sich Dr. Peyman Javaher-Haghighi, Vorstandsmitglied von MiSO, mit der Frage: Was haben wir gelernt und wie geht die Flüchtlingsarbeit in Hannover weiter? „Teilhabe braucht geeignete Rahmenbedingungen und Strukturen. Da ist dann die gesamte Gesellschaft und insbesondere sind Politik und Verwaltung gefragt. Teilhabe soll im alltäglichen Leben der Menschen – in der Bildung und Ausbildung, am Arbeitsplatz oder bei der Freizeitgestaltung – gelingen“, so Javaher-Haghighi. Der Bundesverband NeMO werde sich auf jeden Fall dafür einsetzen, dass das Projekt Samo.Fa auch nächstes Jahr verlängert wird.

Zwischen den Vorträgen und Diskussionen gab es, von ihr selbst auf der Gitarre und einem Konzertflügel begleitet, musikalische Beiträge der georgischen Sängerin Tinatin Tsereteli. Sie repräsentierte die UNESCO City of Music Hannover.