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Sieben Personen stehen nebeneinander vor hohen Fenstern. Zwei Männer schütteln sich die Hand. Einer davon hält einen in Geschenkpapier eingepackten Gegenstand in der Hand. © LHH

Schostok übergab Dr. Al-Fahad ein Geschenk im Beisein von Mitgliedern des Stadt- und Personalrates.

Ramadanempfang 2015

Hannoversche Muslime fühlen sich „angekommen“

Oberbürgermeister Schostok empfing muslimische Gemeinden und Organisationen aus Anlass des Endes der Ramadanfeierlichkeiten.

Zum mittlerweile zehnten Mal lud die Landeshauptstadt Hannover (LHH) die Vertreter/innen aller muslimischer Gemeinden und Organisationen in Hannover zum festlichen Empfang nach Abschluss des Fastenmonats Ramadan ein. Gut 60 Vertreter/innen nahmen am Ehrenempfang im Mosaiksaal des Neuen Rathauses teil.

Oberbürgermeister Schostok zog in seinem Grußwort eine kurze Bilanz der Geschehnisse seit dem ersten Ramadan-Empfang im Jahr 2005. Damals habe die Stadtgesellschaft kontrovers über den Bau der Ahmadiyya-Moschee in der Schwarzen Heide diskutiert. Eine Bürgerinitiative habe das Bauvorhaben durchaus rabiat bekämpft. Heute hingegen stehe die Moschee unbehelligt am Rande der Schwarzen Heide. Und die Ahmadiyya-Gemeinde engagiere sich sogar aktiv mit Benefiz-Läufen für den Bau eines zukünftigen Stadtteilzentrums. Die unseligen verdachtsunabhängigen Kontrollen vor den hannoverschen Moscheen durch die Polizei seien sehr zur Freude der LHH eingestellt worden. Nicht ohne Stolz vermerkte der Oberbürgermeister, dass es „Hagida“ – dem hannoversche Ableger der Pegida-Bewegung – nicht gelungen sei, ihre Hass-Botschaften zu verbreiten. Denn eine zahlenmäßig vielfach größere Versammlung von Gegner/innen habe dem „Hagida“-Häufchen deutlich gemacht, dass Stimmungmache gegen Muslime und Flüchtlinge in Hannover unerwünscht sei.

Im weiteren Verlauf seiner Rede kam Schostok auch auf das „Thema des Jahres“: Flüchtlinge. Auch wenn zurzeit etliche Turnhallen zu provisorischen Unterkünften umgewandelt würden, bleibe es Grundsatz der Stadt, jedem und jeder, die auf der Flucht nach Hannover komme, eine menschenwürdige Existenz zu ermöglichen. Und die Stadt arbeite intensiv daran, dass die Zeit der Provisorien möglichst kurz bleibe. Die Menschenrechte werden auch in der Zukunft oberste Leitlinie der Stadt sein. Anschließend stellte Schostok Herrn Dr. Hilal Al-Fahad, Mitglied des Rates der Religionen in Hannover, vor und bat ihn die traditionelle zweite Rede für die muslimischen Gäste zu halten.

Dr. Al-Fahad erklärte, auch er habe in den letzten Jahre viele positive Veränderungen registriert. In den früheren Jahren hätten die Muslime in Hannover sich auf ihre Arbeit konzentriert, ihre Religion übten sie ausschließlich im privaten Rahmen aus. Diese Zeiten seien vorbei. Heute sei der Islam auch in der Öffentlichkeit angekommen, wie auch die Eingewanderten insgesamt mehr Mitspracherechte wahrnähmen. Die Abschaffung des Ausländerbeirats kritisierte er in diesem Zusammenhang als bedauerlichen Rückschritt. Als Mitglied des Rat der Religionen sei er auch im Haus der Religionen – einer interreligiösen Einrichtung in Hannover, die einmalig in Deutschland sei – aktiv. Das Haus der Religionen fasse Religion als einen „wesentlichen Bestandteil der menschlichen Existenz“ auf. Sie stütze die persönliche Freiheit und sei stets ein „Ansporn zum Frieden“. Deshalb dürfe Religion niemals als Rechtfertigung für Krieg und Terror herangezogen werden. Dr. Al-Fahad dankte der LHH für die Einladung und den jährlichen Empfang. Dadurch habe die Stadt den Muslimen deutlich gemacht, dass sie keine missliebigen Gäste oder Fremde seien und die Muslime ihrerseits fühlten sich dadurch angekommen. Er schloss seine Rede mit einem Appell zur Fortsetzung des interreligiösen Dialogs.

Der Oberbürgermeister stellte schließlich die anwesenden Mitglieder des Stadtrates und des Personalrates der Verwaltung vor und übergab mit ihnen gemeinsam Dr. Al-Fahad – als Dank für seine Rede – ein kleines Geschenk. Anschließend eröffnete er das Buffet, an dem noch über eine Stunde ein reger Austausch zwischen den Teilnehmer/innen sowohl untereinander, als auch mit der Verwaltung und den Mitgliedern des Stadtrates stattfand.