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Rathausgespräche

1. Rathausgespräch: „Heimat“

Auftakt der neuen Dialogreihe „Rathausgespräche zu Migration und Teilhabe“ im Neuen Rathaus.

Am 28. Juni 2014 lud die Landeshauptstadt Hannover zum ersten Mal Einwohner/innen per Zufallslos ins Neue Rathaus ein und startete damit das die neue Dialogreihe „Rathausgespräche zu Migration und Teilhabe“. Das Thema des ersten Gesprächs hieß „Heimat und heimisch werden in Hannover“. 70 Einwohner/innen waren der Einladung gefolgt, der Mosaiksaal war mit großflächigen Zitaten zum Thema Heimat geschmückt. Die Diskussion wurde professionell moderiert von der bekannten Fernsehjournalistin Hanna Legatis. Sozialdezernent Thomas Walter führte nicht nur in einer kurzen Rede ins Thema ein, sondern diskutierte auch selbst weit über eine Stunde mit.

Nach Walters Rede gab Christos Panzatis, Mitglied des Niedersächsischen Landtages, einen weiteren inhaltlichen Impuls zum Thema Heimat. Um sich wirklich heimisch zu fühlen, brauche man Zeit. Während seiner Jugend habe er eine emotionale Bindung zu seinem Geburtsort Hannover aufgebaut. Doch bis ihm die Staatsbürgerschaft verliehen worden sei, sei diese Beziehung getrübt gewesen durch die vielen Sonderregeln, denen er als nomineller „Ausländer“ unterworfen war. Seine spätere Einbürgerung sei für ihn ein klares Bekenntnis zur Heimat Hannover gewesen. Allerdings – so Pantazis – könne man durchaus auch mehr als eine Heimat haben. Dies führte er zur Erheiterung der Teilnehmenden an seiner „Auswanderung“ nach Braunschweig näher aus. Acht Jahre habe er gebraucht, um sich dort heimisch zu fühlen. Die alte Heimat Hannover habe er aber nicht vergessen.

Danach ermunterte Hannah Legatis die Teilnehmer/innen ihre eignen Vorstellungen von „Heimat“ darzulegen. Die meisten, die sich zu Wort meldeten, stimmten Pantazis zu, dass man mehr als eine Heimat haben könne. Der Fokus der Debatte schwenkte dann bald zum Thema Sprache um. Viele Beiträge stimmte darin überein, dass das Beherrschen der deutschen Sprache ein Schlüsselelement sei, um sich angenommen und „heimisch“ fühlen zu können. Dabei stoßen neu Eingewanderte leider auf Hürden, weil das Angebot an Deutschkursen immer noch unzureichend sei. Auch sei der Zugang zu den Kursen vielfach mit langen Wartezeiten verbunden. Damit hinke Hannover dem eigenen Anspruch, Willkommenskultur zu leben, hinterher. Ohne Sprachkenntnisse sei schließlich der Kontakt zwischen Eingewanderten und Alteingesessenen erschwert.

Doch folgten sogleich Lösungsvorschläge. So sollten mehr interkulturelle Begegnungsmöglichkeiten geschaffen werden. Ein Teilnehmer forderte in diesem Zusammenhang, den sozialen Wohnungsbau so zu gestalten, dass preiswerter Wohnraum auch in „besseren“ Gegenden entstehe - so käme es zu einer bessere Durchmischung. Eine echte Willkommenskultur sei jedoch nur dann umsetzbar, wenn die Mehrzahl der Einwohner/innen der kulturellen, ethnischen und religiösen Vielfalt auch offen gegenüberstehen. Dies könnte die Stadt durch Aufklärung befördern. Auch eine medienwirksame Antirassismus-Kampagne wurde gefordert. Viele in der Runde brachten ihre Überzeugung zum Ausdruck, dass Integration keine einseitige Forderung an die Eingewanderten sein könne, sondern auch die Aufnahmegesellschaft ihren Beitrag leisten müsse.

In diese Richtung wies auch der Vorschlag, alteingesessene Hannoveraner/innen könnten quasi Patenschaften für Neueingewanderte übernehmen. Dazu gehöre auch, die Neugeeinwanderten in die hiesige Kultur, politische Strukturen und Teilhabemöglichkeiten einzuführen. Aus solcher Unterstützung könnten sich vielleicht auch interkulturelle Freundschaften entwickeln. Das schaffe dann wiederum die Voraussetzungen dafür, sich rasch in Hannover „heimisch“ zu fühlen.

Mehrere Teilnehmer/innen sprachen sich für eine rasche rechtliche Gleichstellung der Eingewanderten aus. Asylbewerber/innen müsse es auch während des Anerkennungsverfahrens erlaubt sein, einer Arbeit nachzugehen und so selbst für ihren Lebensunterhalt zu sorgen, was gegenwärtig noch aufgrund des Asylbewerberleistungsgesetzes untersagt ist.

Dass die Landeshauptstadt Hannover in Sachen Integration und Teilhabe keine schlechte Arbeit leistet, zeigte die Auswertung der Fragebögen, die fast alle Teilnehmer/innen zum Ende der Veranstaltung ausgefüllt hatten. Außerdem freuten sich viele darüber, mit ihre Stimme hier bei der Stadt Gehör zu finden. Die zweistündige Veranstaltung kam insgesamt sehr gut an und klang mit Gesprächen bei Getränk und kleinem Imbiss aus. Eine Fortsetzung der Rathausgespräche im Dezember ist bereits geplant.