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Hintergrundinformationen

Was ist SOR-SMC? Die Idee der Courage-Schulen

„Schule ohne Rassismus“ wurde von Schüler/innen in Belgien erfunden. Ein kurzer Rückblick.

Die Grundidee hinter „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ stammt aus Belgien, wo Schüler durch die Wahlerfolge der rechtsextremen Partei Vlaams Blok aufgerüttelt wurden. Mit der „SOS Rassismus“-Bewegung fand sich ein Pate, der die Idee überregional bekannt machte. Ähnlich verlief die Entwicklung in Deutschland. Hier war es die Kandidatur eine Lehrers für die rechtsextremen Republikaner, die die Schülerschaft an einem Gymnasium in Dortmund in Bewegung brachte. Sie griffen die „Schule ohne Rassismus“-Idee auf und machten aus ihrem Immanuel-Kant-Gymnasium 1995 die erste „Schule ohne Rassismus“ in Deutschland.

Der Verein „Aktion Courage e.V. – SOS Rassismus“ in Köln übernahm die Rolle einer Koordinierungsstelle und verbreitete die Idee zunächst vor allem in Nordrhein-Westfalen. Später griffen auch SchülerInnen in anderen Bundesländern das Konzept auf, so dass heute über 2.200 Schulen bundesweit offiziell (das heißt, dank Verleihung durch Aktion Courage e.V.) den Titel „Schule ohne Rassismus“ führen dürfen. Darunter sind Schulen aller Sparten, Grundschulen ebenso wie Schulen für Lernhilfe – die erste „Schule ohne Rassismus“ in Niedersachsen war eine Schule für Lernhilfe (Lutterbergschule in Bad Lauterbach). Eine Übersicht der Courage-Schulen in Stadt und Region Hannover findet sich hier.

Wie wird man Schule ohne Rassismus?

Grundvoraussetzung für die Verleihung des Titels „Schule ohne Rassismus“ ist das schriftlich fixierte Bekenntnis von mindestens 70 Prozent aller Angehörigen einer Schule zu den Regeln der Kampagne. Üblicherweise erfolgt dies in Form einer Unterschriftensammlung, da aber „Schule ohne Rassismus“ wie gesagt eine Kampagne ist, die vom Engagement der Betroffenen lebt und keine starre Institution, werden nicht nur die Regeln an jeder Schule neu diskutiert und bei Bedarf angepasst, sondern auch die Form der Zustimmungseinholung kann verändert werden. An der Herschelschule beispielsweise fand eine allgemeine, freie und geheime Wahl statt, bei der die Schülerinnen und Schüler z.B. auch Wahlkabinen und Wahlurnen organisierten und so zugleich eine Stück Demokratieunterricht selbst durchführten.

Seit dem Neustart von „Schule ohne Rassismus“ im Jahr 2000, der mit dem Umzug der Bundeskoordination von Bonn nach Berlin zusammenfiel, wurde nicht nur der Titel der Kampagne auf „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ ergänzt, sondern auch die ursprünglich fünf Regeln der Kampagne auf drei verkürzt (Wortlaut siehe rechts). Im Wesentlichen besagen sie, dass an einer „Schule ohne Rassismus“ rassistische Äußerungen und Handlungen nicht toleriert werden. Außerdem verpflichtet sich eine „Schule ohne Rassismus“ zu jährlich wiederkehrenden Projekten und schulweiten Aktionen, die die Themen Rassismus und Gewalt aufgreifen. Dies kann in Form von Projektwochen geschehen, oder indem ein Theaterstück zu Thema entwickelt und aufgeführt wird oder mit einer Filmvorführung samt anschließender Diskussion und so weiter. Möglich sind beispielsweise auch unterrichtsfächerübergreifende Gemeinschaftsprojekte oder die Organisation eines internationalen Festes – der Kreativität und Fantasie sind hier kaum Grenzen gesetzt.

Wie aus dem Vorstehenden unschwer zu erkennen, ist eine erfolgreiche Durchführung so umfassender Vorhaben ohne eine aktive Unterstützung durch die Lehrerschaft gar nicht denkbar. Trotzdem ist großer Wert darauf zu legen, dass das Projekt eine Eigeninitiative der SchülerInnen bleibt und bleiben kann. Denn eines der wichtigsten Ziele der Kampagne kann nur so erreicht werden: Nämlich dass die SchülerInnen sich selbst und aus eigener Motivation für die Auseinandersetzung mit dem schwierigen Thema Rassismus entscheiden. Sie diskutieren miteinander darüber „Was ist Rassismus denn eigentlich?“ nicht weil es auf dem Lehrplan steht, sondern weil sie für sich selbst Klarheit gewinnen wollen für die nächste Diskussion mit ihren MitschülerInnen. Die Sammlung der Unterschriften wird in aller Regel zu einem Diskussionsmarathon, der sich auch über Monate ziehen kann. Für den hierfür gewiss nötigen langen Atem brauchen die engagierten SchülerInnen nicht nur die professionelle Unterstützung aus der Lehrerschaft, sondern auch persönliche Rückhalt bei Lehrerinnen und Lehrern ihres Vertrauens.

LehrerInnen und SchülerInnen ihrerseits können sich auf die inhaltliche und organisatorische Hilfestellung durch die Servicestationen der Kampagne verlassen. In Hannover ist dies die Antidiskriminierungsstelle im Referat für Integration.

Kurz gefasst: „Schule ohne Rassismus“ ist ein ausgezeichnetes und chancenreiches Projekt mit einer langfristigen Perspektive, das allerdings für die beteiligten Lehrer/innen die eher undankbare Rolle der Unterstützung aus dem Hintergrund vorsieht.