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Podiumsgespräch

Buddhistische Gemeinschaften stellten sich vor

In der dritten Veranstaltung der Reihe „Buddhismus in Hannover" diskutierten Vertreter/innen von vier buddhistischen Religionsgemeinschaften über Gegenwart und Zukunft ihrer Vereinigungen.

Am Abend des 17. November fand im Theodor-Lessing-Saal der Volkshochschule Hannover die dritte Veranstaltung der Reihe „Migration & Religion: Buddhismus in Hannover“ statt. Unter der Leitung von Dr. Lidwina Meyer waren Vertreter/innen vier verschiedener buddhistischer Religionsgemeinschaften zu Gast, um im Rahmen einer Podiumsgesprächs über die aktuelle Situation der buddhistischen Gemeinschaften in der Stadt zu berichten. Die Podiumsgäste waren Dr. Thongnark Nakawaro vom Wat Dhammavihara Buddhisten-Verein Hannover, Dagmar Doko Waskönig vom Zen-Dojo Shobogendo, Ngoc-Diep Ngo von der Pagode Vien Giac und Andrea Löwe vom Buddhistischen Zentrum Hannover.

Nach einer kurzen Vorstellungsrunde bat Frau Dr. Meyer zunächst alle vier Gäste um eine allgemeine Orientierung: Welche buddhistische Gemeinschaft, wo in Hannover zu finden, wann und wie entstanden? Frau Löwe vom Buddhistischen Zentrum machte den Anfang und berichtete über die Verbindung ihrer Gemeinschaft mit der tibetischen Kaygü-Tradition, deren Ursprünge sich ins 12. Jahrhundert zurückverfolgen lassen. Das Buddhistische Zentrum in der Königsworther Straße 2 sei ein offener Ort, wo auch regelmäßig Einführungen in den Buddhismus für Interessierte stattfinden. Sie selbst leite das Zentrum in Hannover seit 1993.

Dann stellte Frau Waskönig, die als Meisterin eines japanischen Zen-Ordens und ordinierte Nonne das markante Gewand der japanischen Tradition trug, in knappen Worten die Geschichte ihres Zen-Dojos (japanische Bezeichnung eines Übungsortes) dar. Als Besonderheit wies Frau Waskönig darauf hin, dass unter dem gemeinsamen Dach ihres Dojos auch der Buddhistische Bund Hannover residiert, der die älteste buddhistische Gruppe in Hannover darstellt. Hervorzuheben sei auch, dass ihre Gemeinschaft ein systematisches Studium des Buddhismus anbiete, das eine ernsthafte Vertiefung in die Lehren Buddhas erlaube.

Als darauf Herr Ngo, der an diesem Abend die Pagode Vien Giac vertrat, das Wort ergriff, wurde eine ganz andere Facette des Buddhismus sichtbar: Die Geschichte der so genannten „Boat People“ aus Vietnam, die Ende der 70er Jahre als politische Flüchtlinge zu Tausenden Aufnahme in Westdeutschland fanden. Der spätere Gründer und erste Abt der Kloster-Pagode, Thich Nhu Dien, sei eigentlich nur zum Studieren nach Hannover gekommen, habe dann aber spontan den Neuankömmlingen als Dolmetscher geholfen und schließlich den ersten, sehr kleinen Tempel in Hannover für das spirituelle Heil der Flüchtlinge betrieben. Über die Jahre sei dann der Andrang gerade zu den drei großen Feiertagen der vietnamesischen Tradition, Neujahrs-, Vesak- und Ullambana-Fest so enorm gewachsen, dass der Tempel mehrfach habe umziehen müssen. Herr Ngo nutzte die Gelegenheit, um seine Dankbarkeit für die langjährige finanzielle Unterstützung durch den deutschen Staat auszudrücken, ohne die der Aufbau dieses spirituellen aber auch soziokulturellen Zentrums undenkbar gewesen wäre. Der 1991 eingeweihte Pagoden-Neubau sei allerdings nur mit Spenden finanziert worden. Heute kämen bis zu 8.000 Menschen etwa zum Vesak-Fest in die Pagode nach Hannover.

Als letzter in der Reihe der Podiumsgäste sprach Dr. Nakawaro, der Abt des thailändischen Tempels Wat Dhammavihara. Auch dieses heute so große Zentrum habe einmal sehr klein angefangen: 2003 habe er eine Wohnung in Misburg angemietet und zum Tempel umgewidmet. 2007 kam der Umzug in das historische Gebäude „Ahlemer Turm“, das seither in mühevoller Arbeit restauriert und ausgebaut werde. Man hoffe, im nächsten Jahr diesen Ausbau abschließen zu können. Dann wolle der Tempel auch ein internationales Meditationsangebot machen und sich mehr nach außen öffnen. Bislang jedoch stehe alles noch im Zeichen der Renovierung.

Im zweiten Teil der Veranstaltung wurde schließlich auch das Publikum eingebunden. Die mehr als 30 Besucher/innen nutzten die Gelegenheit, mit den Podiumsgästen ins Gespräch zu kommen und fanden dabei auch heraus, was sich die buddhistischen Gemeinschaften von der Stadtgesellschaft wünschen – und das ist sehr wenig, wie sich schnell herausstellte: Frau Waskönig wurde sich über einen offenen, „stillen“ Raum für Meditation in der Innenstadt freuen, der von verschiedenen Gruppen genutzt werden könnte; Dr. Nakawaro hingegen würde sich etwas mehr Hilfe von der Stadt bei der Einladung von Mönchen aus Thailand wünschen. Ansonsten bestätigten alle vier Vertreter/innen unisono, dass sie sich in Hannover sehr wohl fühlen und nahezu wunschlos glücklich sind. Herr Ngo von der Pagode Vien Giac brachte es am deutlichsten auf den Punkt: Nachdem die Pagode so lange von der Stadt unterstützt wurde, sei es nun für sie an der Zeit etwas zurückzugeben.

Etwas kontroverser wurde anschließend die Frage nach der bislang wenig entwickelten Kommunikation unter den einzelnen buddhistischen Gruppen diskutiert. Während Teile des Publikums offenbar eine stärkere Zusammenarbeit untereinander bevorzugen würden, lehnten die Podiumsgäste dies eher ab. Frau Löwe vom Buddhistischen Zentrum begründete dies mit dem starken Fokus auf Meditation in ihrer Gruppierung, so dass man gar nicht die Zeit für viele andere Dinge habe, während Dr. Nakawaro von Wat Dhammavihara auf die unterschiedlichen Kulturen hinwies, die eine weitergehende Annäherung gar nicht zulassen. Ähnlich äußerte sich auch Herr Ngo, der allerdings betonte, dass die Ablehnung gemeinsamer Projekte keinesfalls mit dem Verzicht auf gegenseitige Besuche einhergehe, denn diese würden auf jeden Fall stattfinden. Frau Waskönig bezeichnete eine vertiefte Kooperation als gar nicht unbedingt notwendig, denn gerade der Buddhismus lebe von der „Einheit in der Vielfalt“. Gleichwohl versuche man hin und wieder deutsche und asiatische Gruppen etwa zu gemeinsamen Feiern zusammenzubringen.

Nach dem Ende der Diskussionsrunde verblieben die vier Podiumsteilnehmer/innen noch etwas länger im großen Saal der Volkshochschule, um sich untereinander auszutauschen oder Einzelgespräche mit Gästen aus dem Publikum zu führen.

Weiter geht es dann am 3. Dezember mit einer Exkursion in die Pagode Vien Giac, was gleichzeitig auch die diesjährige Abschlussveranstaltung der Reihe „Migration & Religion“ ist.

Volkshochschule Hannover

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