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Ikone des Namenspatrons Heiliger Sava über dem Eingang zum Gebetsraum © LHH

Ikone des Namenspatrons Heiliger Sava über dem Eingang zum Gebetsraum

Exkursion

Eine ganz andere Kirche

Einblicke in Geschichte und Alltag der serbisch-orthodoxen Gemeinde „Heiliger Sava“.

Im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Migration & Religion – Christentum in Hannover“ stand am 19.1. die abschließende Exkursion zur serbisch-orthodoxen Kirche „Heiliger Sava“ in Hannover-List an. Erzpriester Milan Pejić übernahm persönlich die Führung der 16 Teilnehmer/innen.

Die im byzantinischen Stil gebaute Kirche am Mengendamm wurde am 7. Mai 1995 eingeweiht und nach dem heiligen Sava benannt, einem serbischen Erzbischof aus dem frühen 13. Jahrhundert, der in der christlichen Orthodoxie besondere Verehrung genießt. Da die serbisch-orthodoxe Kirche in Deutschland nicht an der Kirchensteuer teil hat, wurde der Bau allein mit Spenden finanziert. Rund 2 Mio. Euro wurden seit 1993 verbaut und noch immer sind nicht alle geplanten Bauabschnitte fertiggestellt. Doch das Ergebnis kann sich sehen lassen: Bis zu 200 Gemeindemitglieder, die auch von weit außerhalb der Region Hannover anreisen, können am Gottesdienst teilnehmen. An der überaus reichen Bemalung der Innenwände des kuppelüberwölbten Gebetsraumes habe zwei IkonenmalerInnen eineinhalb Jahre gearbeitet.

Was west- und mitteleuropäischen Christen ungewöhnlich vorkommen dürfte, ist der Mangel an Sitzbänken oder Stühlen im Gebetsraum. Die Gemeinde steht während des gesamten etwa eineinhalbstündigen Gottesdienstes am Sonntag und kommt so auch mit einem vergleichsweise kleinen Raum aus. Ungewohnt ist auch, dass der Priester während großer Teile des Gottesdienstes mit dem Rücken zur Gemeinde steht. So können sie gemeinsam in Richtung Osten beten. Die Gebete werden – ähnlich wie im Judentum und im Islam – sehr melodisch abgehalten, allerdings werden weder Orgel, noch sonstige Musikinstrumente benutzt. Eine Chorgruppe stimmt die Lieder an und die Gemeinde singt mit.

Pejić oder Vater Milan, wie ihn seine Gemeindemitglieder ansprechen, sieht sich in seiner Arbeit fast als eine Art Vater seiner Gemeinde, muss er doch in praktisch allen Lebenslagen beraten. In der offenen Fragerunde zum Ende der Exkursion berichtete er auch von seinem Engagement für die ökumenische Bewegung, beklagte jedoch, dass viele Gemeinden „zu sehr mit sich selbst beschäftigt“ seien. Die letzten drei Jahrzehnte seien ohnehin schwierig für alle christlichen Gemeinden gewesen, weil die Menschen in der Konsumgesellschaft kaum Zeit zur Besinnung fänden. Sakramente wie die Ehe werden immer seltener wirklich ernsthaft gelebt. Pejić betonte, dass die Gottesdienste seiner Gemeinde allen Interessierten offen stünden und es sei jede/r herzlich zum Besuch eingeladen.

Volkshochschule Hannover

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