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Veranstaltungreihe „Migration und Integration“

Exkursion zur Moschee am Weidendamm 2012

Annett Abdel-Rahman führte die Besucher/innen am 14. Juli durch die Moschee.

Trotz feuchten Wetters waren 28 Besucherinnen am Weidendamm erschienen und begaben sich auf eine Exkursion, die ihnen weit mehr als einfach nur ein Gebäude mit Glaskuppel und Türmchen erschließen sollte. Die Führung übernahm mit Annett Abdel-Rahman eine an der Universität Osnabrück ausgebildete islamische Religionspädagogin. Zum Auftakt musste die Gruppe allerdings zunächst noch ein wenig im Nieselregen ausharren, denn einige Besonderheiten der Architektur dieser Moschee, die früher einmal ein Möbelgeschäft gewesen war, konnte Frau Abdel-Rahman nur von außen zeigen.

Dann erst ging es durch den Männereingang in die eigentliche Gebetshalle. Frau Abdel-Rahman erklärte gleich, dass grundsätzlich Frauen zu allen Bereichen der Moschee Zugang haben, sie können auch jederzeit die Männerbereiche betreten. Nur umgekehrt sei es den Männer nicht erlaubt, die Frauenbereiche zu betreten. Für die Führung jedoch war es auch den teilnehmenden Männern gestattet, den Frauenbereich zu besichtigen.

Die Gruppe blieb allerdings erst einmal längere Zeit im Männerbereich der Gebetshalle, da es hier viele erklärungswürdige Dinge gab, wie z.B. das Mihrab, die Gebetsnische, die die Richtung nach Mekka anzeigt, oder die zahlreichen Kalligraphien an den Wänden. Frau Abdel-Rahman wies besonders auf die Kalligraphie mit dem Prophetennamen „Isa“ hin, das sei die arabische Bezeichnung für „Jesus“, der auch im muslimischen Glauben ein bedeutender Prophet sei.

Anschließend führte Frau Abdel-Rahman in den Frauenbereich. Sie betonte, dass es heute üblich sei, diese Bereiche nicht mehr hermetisch von einander zu trennen, hier habe es einen Wandel mit der Zeit gegeben. Zurück im geräumigeren Männerbereich ließ sich die Exkursionsgruppe unter der großen Glaskuppel auf dem dicken Teppich nieder. Frau Abdel-Rahman erklärte nun eingehend die fünf Säulen des Islam und ging sehr anschaulich auf die konkrete Praxis ein.

Nach einer Stunde endete der Vortragsteil und die Besucher/innen waren an der Reihe: Sie konnten ihre Fragen stellen und taten dies ausdauernd. Wohl unvermeidlich dominierten zu Anfang Fragen nach allgemeinen Themen wie „Ehrenmord“ und „Zwangsehe“. Doch schon bald wurden die Fragen konkreter und richteten sich auf den praktischen Alltag in der Moschee: Wer bestimmt, wer Imam wird in einer Moschee? Wer bezahlt die ganze Einrichtung in einer Moschee? Sind Alte und Gebrechliche ausgeschlossen vom Gebet, wenn sie die vorgeschriebenen Verbeugungen nicht mehr bewältigen können?

Frau Abdel-Rahman stand zwei Stunden lang geduldig Rede und Antwort, gab auch zu persönlichen Fragen, etwa wie sie selbst zum Islam gekommen sei, freimütig Auskunft. Nur bei einer besonders kniffeligen Frage musste sie passen: Warum ruhe die Glaskuppel im Saal auf fünf Pfeilern und habe jedoch selbst eine zwölfseitige Grundfläche? Hier sprang ihr ein Gemeindemitglied, ein junger Mann, der schon ein wenig vor der Zeit zum Mittagsgebet erschienen war, bei, denn er kannte die Antwort: Die fünf Pfeiler seien ein alter Baubestand, sie seien einfach schon da gewesen. Und mit einer zwölfseitigen Grundfläche lasse sich am einfachsten mit schlichtem Flachglas eine schön anzusehende Glaskuppel realisieren – darin sei also keine religiöse Symbolik zu sehen. Gegen 13 Uhr waren dann wirklich alle Fragen beantwortet und eine Schar von sehr zufriedenen Besucher/innen verließ die Moschee, während immer mehr Gläubige für das bevorstehende Mittagsgebet eintrafen.