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Woche gegen Rechts

Tag des demokratischen Engagements

Volles Haus im Neuen Rathaus.

Die Landeshauptstadt Hannover lud ein zum großen Aktionstag im Neuen Rathaus am 3. Juni, dem „Tag des demokratischen Engagements“, der im Rahmen der „Woche gegen Rechts“ stattfand.  Knapp 300 Schüler/innen nahmen am Vormittagsprogramm „Jugend macht Politik“ teil und setzten ein deutliches Zeichen für Vielfalt, Gleichberechtigung und Akzeptanz.

Bürgermeister Thomas Hermann begrüßte die knapp 300 Schüler/innen in der Kuppelhalle und freute sich über die rege Teilnahme, denn die Stadt brauche engagierte Jugendliche, die mitreden und sich einmischen. Nach dem Grußwort führten die Schulklassen verschiedene kleinere und größere Aktionen durch. Die BBS 6 startete im Bürgersaal die Ausstellung „Krieg, Flucht und Vertreibung – Integration gestern und heute“. Die Schüler/innen hatten im Vorfeld Interviews mit Kriegsflüchtlingen geführt und detaillierte Hintergrundinformationen recherchiert.

Im Kuppelsaal animierte die BBS 7 zu kurdischen und arabischen Tänzen. Wer bei dem schönen Wetter lieber draußen sein wollte, konnte auf dem Trammplatz an kleinen Theaterszenen mitwirken, oder sich an den vielen Ständen informieren. Neben dem bunten Treiben fanden zahlreiche Workshops und Rollenspiele im ganzen Rathaus statt, in denen sich die Jugendlichen austauschten und dabei Kreativität bewiesen.

Thomas Hermann stellte sich im Hodlersaal den Fragen der Schüler/innen, die sich anfangs weniger um Demokratie drehten. Nachdem er gewohnt freundlich beantwortete, wie alt er sei, wieviel er verdiene und ob er schon immer Bürgermeister habe werden wollen, wollten die Jugendlichen wissen, was er gegen Rassismus in Hannover unternehme. Der Bürgermeister zählte in seiner Antwort die vielen Kampagnen und Initiativen gegen Rechtsextremismus in Hannover auf und erinnerte daran, dass der Kampf gegen menschenfeindliche Ideologien eine Aufgabe sei, der sich die gesamte Gesellschaft stellen müsse.

Unter dem Motto „Demokratie am Nachmittag“ bot im Mosaiksaal der Verein Politik zum  Anfassen eine Auseinandersetzung mit Stadtentwicklung an: “Stadt lernen, Stadt machen – Jugend, Schule, Stadtentwicklung“. Im  Gobelinsaal fand eine offene Streitrunde zum Thema „Muss Demokratie langweilig sein?“ statt mit der neuen Sport- und Sozialdezernentin Konstanze Beckedorf, dem sozial engagierten Rapper Spax, Siamak Ahmadi (Bundesgeschäftsführer von „Dialog macht Schule“) und Anja Backhaus (Didaktische Leiter in der IGS Stöcken). Die Runde wurde moderiert von Jan Sedelies (Hannoversche Allgemeine Zeitung). Die Podiumsteilnehmer/innen tauschten sich aus über ihr Verständnis von Demokratie und Gerechtigkeit. Beckedorf äußerte sich zufrieden über die lebhafte Diskussionskultur in Hannover. Auch wenn es teilweise viel Zeit beanspruche, führe „Streit im besten Sinne“ zu besseren Ergebnissen, wenn alle Beteiligten sich sowohl mit Inhalten, als auch mit den jeweiligen Gegenpositionen beschäftigt haben.

Auf die Frage, wie man Jugendliche stärker für Politik begeistern könne, beschrieb Spax seine Arbeit mit Jugendlichen. In dem Alter interessierten sich nur wenige für Politik. Er versuche stets, ihnen begreiflich zu machen, dass ihre Mitsprache gefragt sei, da das politische Geschehen sie auch direkt betreffe. Backhaus riet davon ab, nach universellen Konzepten zu suchen. Man solle das Gerechtigkeitsbewusstsein von Schüler/innen nicht unterschätzen – dies sei jedoch individuell geprägt und kollidiere manchmal mit den Wertesystemen anderer. Entscheidend sei, sich die Unterschiede in Gesprächen bewusst zu machen, auch um Ängsten vor vermeintlich Fremdem entgegenzuwirken. Ahmadi kritisierte, dass Politikverdrossenheit vielfach symptomatisch behandelt werde und die Ursachen dabei in den Hintergrund gerieten. Die Unzufriedenheit sei vielfach der Wunsch, über komplexe Themen zu reden. Für Jugendliche seien Politiker alte Leute, die die Interessen von ebenfalls alten Leuten vertreten – sie fühlten sich weder angesprochen, noch repräsentiert.

Aus dem Publikum wurde das zunehmend fordernde Schulsystem kritisiert – man lasse Kindern kaum Raum, um ihre Persönlichkeit außerhalb der Schule zu entwickeln und Verantwortung zu lernen. Dem stimmte Spax zu. „Wenn wir Befehlsempfänger züchten, können wir keine kreativen Entscheidungsträger erwarten.“